Grünwalder? Der Koalitionsvertrag ohne Zeitdruck
- VON OLIVER GRISS
- 14.05.2026 21:33
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VON OLIVER GRISS
Denn bei den Sechzgern steht eine der größten Entscheidungen der vergangenen Jahre bevor: Auf der Mitgliederversammlung am 21. Juni soll eine Stadion-Betreibergesellschaft gegründet werden. Das Interessante dabei: Die Mitglieder sollen offenbar erst auf der Versammlung umfassend informiert werden – und kurz darauf direkt abstimmen. Für die Gründung braucht es 75 Prozent Zustimmung. Die Mitglieder, die beruflich oder privat verhindert sind, können ihre Stimme nicht abgeben.
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Geplant ist, dass 50+1 dauerhaft beim Verein bleiben. Der e.V. selbst soll mutmaßlich lediglich 25.000 Euro für die Gründung einbringen, der große Rest soll offenbar über fremde Gelder finanziert werden. Die neue GmbH soll der Türöffner für eine bessere Zukunft werden. Doch wie realistisch ist diese Vision eigentlich in Zeiten, in denen der TSV 1860 finanziell deutlich kleinere Brötchen backen muss? Allein der jährliche Zinsaufwand dürfte für den TSV 1860 zu einer gewaltigen Herausforderung werden, sollte die Finanzierung des Stadions tatsächlich über Kredite gestemmt werden müssen/können.
Der stockende Verkauf der Anteile von Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik zeigt schließlich, wie kompliziert Geschäfte in dieser Größenordnung bei den Löwen sind. Trotz des Interesses der Hitzlsperger-Gruppe, über das db24 exklusiv berichtet hatte, gibt es bislang keinen Durchbruch. Und genau darin liegt der nächste Knackpunkt: Eine zusätzliche Stadion-GmbH macht den Verein für mögliche Investoren nicht einfacher, sondern vermutlich eher komplizierter. Jeder potenzielle Käufer müsste sich künftig nicht nur mit der ohnehin schwierigen KGaA-Konstruktion beschäftigen, sondern zusätzlich mit einer weiteren Gesellschaft rund ums Stadion. Einfach logisch gedacht.
Dazu kommt die politische Realität im Münchner Rathaus. Die Stadt steht finanziell unter Druck, trotzdem wird weiter über große Stadion-Pläne gesprochen. Im Koalitionsvertrag heißt es: „Wir setzen uns für die Modernisierung und den ligatauglichen Ausbau des Grünwalder Stadions ein und prüfen eine Erbpachtlösung.“ Auch die SPD legte nach und erklärte, dass das Grünwalder Stadion unter Berücksichtigung der Machbarkeitsstudie erweitert werden soll. Klingt gut. Verbindlich ist davon bislang allerdings wenig.
Und plötzlich scheint beim Thema Ausbau auch der Zeitdruck verschwunden zu sein. Die Deadline 2026 ist plötzlich offenbar vergessen. Die „AZ“ schrieb am Donnerstagabend: „Bekommen die Löwen mehr Zeit als gedacht? Bürgermeisterin lässt mit Aussage aufhorchen.“ Die wiedergewählte Bürgermeisterin Verena Dietl, einst 1860-Verwaltungsrätin, sagte dazu: „Wir brauchen dort in dieser Amtszeit eine Lösung.“ Diese Amtszeit läuft bis 2032.
Die Löwen sollen also schon am 21. Juni die Hand heben – für ein Projekt, dessen Finanzierung, politische Durchsetzung und tatsächliche Umsetzung weiterhin im Nebel liegen. Genau das macht die Sache so brisant.






