VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Wenn beim TSV 1860 am Samstag zum Heimfinale gegen den FC Ingolstadt 04 (14 Uhr) der Vorhang fällt, dann ist das mehr als nur ein letztes Saisonspiel im Grünwalder Stadion. Es ist ein Abschiedsspiel – und zwar gleich für mehrere Gesichter der vergangenen Jahre. Sieben Löwen werden die Giesinger verlassen, darunter Jesper Verlaat, Thore Jacobsen, Raphael Schifferl, Morris Schröter, David Philipp, Maxi Wolfram und Clemens Lippmann. Weitere Abgänge könnten folgen.

Besonders bitter: Verlaat kann sich vermutlich gar nicht mehr im Löwen-Trikot verabschieden, denn der 29-jährige Holländer ist immer noch angeschlagen. Seine Hoffnung: Vielleicht reicht’s für das Toto-Pokal-Finale am 23. Mai in Würzburg (16.30 Uhr, db24-Ticker).

Dass die Löwen bei Verlaat den Daumen gesenkt haben und den Vertrag auslaufen lassen, irritiert Meister-Löwe Fredi Heiß. Gegenüber db24 sagt der Meisterspieler von 1966, der nie für einen anderen Verein als 1860 gespielt hat: „Für mich ist Verlaat derjenige, der in den letzten Jahren bei mir am meisten Aufsehen erregt hat. Er ist eine Integrationsfigur. Ich habe immer gedacht, dass er ein wichtiger Spieler ist. Ihn gehen zu lassen, ist unklug! Ich kann den Schritt nicht nachvollziehen. Wenn Jesper gesund war, hat er zu den besten Spielern in der Dritten Liga gezählt. An ihm ist man nicht vorbeigekommen. Er ist eine Figur, wie sie 1860 in der Dritten Liga kaum gehabt hat. Ich kann mir vorstellen, dass es nur am Finanziellen liegen kann, sonst lasse ich ihn nicht gehen.“

Die Verlaat-Entscheidung ist trotzdem für den früheren Nationalspieler spannend: „Wenn sie Verlaat gehen lassen, muss der Verein bessere Spieler an der Hand haben. Ich lasse mich gerne überzeugen, wenn es so ist – nur: Ich kann’s mir nicht vorstellen.“

Auch dass die Löwen es nicht geschafft haben, den jungen Clemens Lippmann (er wechselt zum SC Paderborn 07) zu halten, bedauert Heiß: „Der Bursche ist pfeilschnell. Wenn der mal Selbstvertrauen hat, dann kann der eine richtig gute Entwicklung nehmen. Natürlich hat er bei 1860 noch nicht viel gerissen, aber er hat Talent. Das sieht man. Den Namen Lippmann sollte man sich auf jeden Fall merken.“

Überhaupt ist Heiß maximal enttäuscht, wie die laufende Saison weggeworfen wurde: „Die Saison hat so positiv begonnen, aber leider ist wieder alles wie immer verlaufen – wie die letzten neun Jahre: Maximale Euphorie, am Ende maximale Enttäuschung. Spielerisch hat sich über die letzten Monate nichts entwickelt. Das ist frustrierend – und die Spiele, die wir gewonnen haben, waren auch keine Glanzleistungen. Das Spiel ohne Ball ist quasi nicht vorhanden. Da passt hinten und vorne nichts.“

Deswegen wiederholt sich Heiß: „Nur billig geht halt nicht. Wenn man aufsteigen will, muss man neben einem guten Plan auch investieren – und dazu braucht es finanzielle Kraft. Ohne einen kräftigen Investor kommst du nicht mehr aus der Gaudi raus. Es geht nicht ohne Investor. Ich habe das vor Jahren nicht aus Lust und Laune gesagt, sondern weil ich davon überzeugt bin.“

Was bei 1860 noch erschwerend hinzukommt: Obwohl der Klub finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, macht er sich die Probleme immer wieder selbst und stellt per 50+1 gegen den Willen von Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik erst zwei Geschäftsführer (Oliver Mueller und Dr. Christian Werner) ein, um sie dann vorzeitig wieder zu entlassen. Das Volumen für beide Manager, ohne irgendeine Arbeitskraft zu leisten, dürfte bei rund einer Million Euro liegen. Inzwischen macht NLZ-Boss Manfred Paula den Job alleine.