Ex-Löwen-Trainer Schmidt: "Auf Strecke ist 1860 den anderen Vereinen klar überlegen"
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 06.11.2026 11:03
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Heute hat Schmidt sein Aus bei den Löwen überwunden – und nach vielen anderen Stationen, darunter auch Dynamo Dresden, beim sächsischen Traditionsverein Chemie Leipzig eine spannende Aufgabe gefunden: als Trainer und Sportchef. „Ich bin letzten Winter gekommen. Da war Chemie sehr abgeschlagen, was den Abstieg betrifft. Wir haben das mit einem unheimlichen Kraftakt noch hinbekommen, unter anderem mit einer Serie von sechs gewonnenen Spielen, was in unserer Liga natürlich schon richtig gut ist“, erzählte Schmidt im db24-Gespräch.

Und wie es in diesen Ligen so ist: Chemie musste sich nach zahlreichen Abgängen im Mittelfeld und im Angriff („Die Jungs hatten ungünstige Verträge, wo wir nichts machen konnten“) neu erfinden – und das ist dem Augsburger mit begrenzten finanziellen Mitteln ganz gut gelungen. Vor dem Hit heute Abend gegen Tabellenführer Rot-Weiß Erfurt (19 Uhr) steht Chemie auf Rang 14. „Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben wir uns gefangen, nachdem wir auf dem Transfermarkt noch ein bisschen nachgebessert haben“, sagt Schmidt. „Jetzt sind wir ganz ordentlich in der Spur, auch wenn wir große Verletzungssorgen haben.“
Der Alfred-Kunze-Sportpark ist gegen die Erfurter mit 4.999 Zuschauern ausverkauft – zum 30. Mal in Folge. „Regionalligaübergreifend haben wir auch die meisten Auswärtsfahrer.“ Was die Fans des TSV interessieren dürfte: Im Sommer 2027 soll 1860 zu einem Freundschaftsspiel nach Leipzig reisen.
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Für db24 vergleicht Schmidt auch die Qualität der Regionalligen Nordost und Bayern: „Ich kann nur sagen, dass du in unserer Regionalliga einen Kracher nach dem anderen hast. Du hast brutal viele Zuschauer und der Nordosten ist eine absolute Profiliga. Die Spieler arbeiten nicht. Ich trainiere wie in der Bundesliga vom Trainingsumfang her, sonst hast du gar keine Chance in der Liga. Ich sag’s ehrlich: Die Qualität ist echt krass. Ich will die Regionalliga Bayern nicht abwerten. Wir haben in der letzten Saison Freundschaftsspiele in Bayreuth, Ansbach, Schweinfurt und Eichstätt gemacht – das kannst du, ohne abwertend zu sein, einfach nicht vergleichen.“ Die Spitzenteams in der Regionalliga Bayern seien gut aufgestellt, „aber im Durchschnitt ist die Nordost deutlich stärker. Das ist hier ähnlich wie in der Regionalliga Südwest.“
Und wie blickt Schmidt auf die anstehende Regionalliga-Reform? „Die Meister müssen zwingend aufsteigen“, sagt er. „In meinen Augen ist es ein Skandal, wenn du die ganze Saison ackerst und vorne stehst – und dann hängt der Aufstieg an zwei Spielen. Lok hatte das Pech, dass sie mit Stefan Maderer ihren Top-Torjäger und einige andere wichtige Spieler verletzt hatten. Sie konnten nicht in Topbesetzung gegen Würzburg antreten. Das hat sie den Aufstieg gekostet. Das hat in Leipzig für böses Blut gesorgt gegenüber dem Verband – das versteh ich auch.“
Schmidt weiß aber auch, dass sich in den Aufstiegsspielen in der Vergangenheit oft der Vertreter aus Bayern durchgesetzt hat. Die Regionalliga Bayern abschaffen, wie es Jochen Seitz gefordert hat? Das findet Schmidt „Blödsinn! Das kann man nicht sagen. Er ist natürlich immer noch sauer über die Umstände, dass Lok zweimal in der Relegation gescheitert ist. Ich versteh seinen Frust, er ist ein Supertyp.“
Schmidt schlägt vor: „Man sollte trotzdem schauen, dass man die Qualität in Bayern anhebt, weil die Leistungsspanne zwischen Klubs wie 1860, Unterhaching, Augsburg, Nürnberg, Bayern, die professionell trainieren, und den anderen doch sehr groß ist.“ Schon vom Zuschauerinteresse her könne die Regionalliga Bayern mit dem Nordosten kaum mithalten: „Du hast hier unmenschliche Kracher: Halle, Erfurt, Aue, Chemie, Jena oder Lok. Das ist echt brutal. Da können sie nicht mithalten.“
Und natürlich hat Schmidt, auch wenn er schon seit Jahren weg ist, die Löwen noch immer im Herzen und im Blick. „Ich glaube“, sagt der 58-Jährige, „dass 1860 eine gute Chance hat, Meister zu werden und aufzusteigen, weil ich nicht glaube, dass Memmingen das konstant durchzieht. Ich sehe in der Regionalliga niemanden, der der Profimannschaft von 1860 das Wasser reichen kann. Die Jungs trainieren jeden Tag. Da sehe ich einen Riesenvorteil, was das Athletische und das Läuferische betrifft. Da sind wir wieder bei der Regionalliga Bayern. Wenn man das so betreibt wie 1860, muss sich das auszahlen. Das geht gar nicht anders.“
Seine Empfehlung: „1860 muss das Professionelle beibehalten – und das ist dann ein Riesenvorteil gegenüber den anderen Teams. Memmingen hat gerade ein Hoch. Wenn’s gut läuft, kommen die meiner Meinung nach unter die ersten Fünf. Buchbach zähle ich nicht, die sind zu inkonstant. Wie auch Haching. Es geht um Konstanz – und auf Strecke ist 1860 den anderen Vereinen klar überlegen. Es ist auch keiner in der Liga wie letztes Jahr Nürnberg II oder Würzburg.“

Einen weiteren Vorteil für Sechzig sieht Schmidt in seinem ehemaligen Co-Trainer Alper Kayabunar. „Er hat einen guten Umgang mit den Spielern und ist auch giftig im Training“, erklärt der Fußballlehrer, der als db24-Tippexperte glaubt, dass 1860 am Sonntag in Eltersdorf mit 3:0 gewinnt.
