Das db24-Geburtstags-Interview mit Fritz Fehling: "1860-Comeback? Es müsste etwas Außergewöhnliches passieren!"
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 02.11.2026 15:07
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
db24: Lieber Fritz Fehling, alles Gute zum Ehrentag…
FRITZ FEHLING: Danke, aber Geburtstage zählen bei mir nicht. Ich feiere nicht. Mein Geburtstag ist ein Tag wie jeder andere auch. Ich bleibe daheim, in der Früh habe ich die Zeitungen geholt – das war’s.
db24: In der Montagsausgabe wird der furiose 4:3-Heimsieg gegen Buchbach gefeiert…
Wegen der Löwen kaufe ich mir die Zeitung nicht mehr – Sechzig und Sechzig sind zweierlei. Das ist ja mein Thema. Ich habe damit abgeschlossen. Das Toto-Pokal-Spiel beim FC Wendelstein war mein letzter Stadionbesuch mit 1860-Beteiligung. Ich habe auch das Spiel gegen Buchbach nicht gesehen, sondern erst am Samstag davon in der Zeitung erfahren. Aus meiner Sicht müsste 1860 in der Regionalliga durchmarschieren. Ich kann mir vorstellen, dass 1860 nicht so lange in der Regionalliga bleiben wird. Aber in der Dritten Liga geht es dann wieder mit dem Geld los…
db24: Wenn Sie auf Ihr Löwen-Leben zurückblicken: Gibt es einen Moment, den Sie noch einmal erleben möchten?
Da gibt es viele, zuallererst die Bielefeld-Spiele 1977. Das war schon ganz großes Kino. Aber auch die vielen Trainingslager: Das war schon etwas Besonderes, wenn wir mit 1860 auf Reisen waren. Wir waren in Südkorea, China, in den USA, Dubai oder Kanada. Und dann die vielen kleinen Geschichten. Aber in letzter Zeit haben 1860 und Fußball gar nichts mehr miteinander zu tun.
db24: Zu Ihrem 70. Geburtstag haben Sie sich die Rückkehr in die Zweite Liga gewünscht. Was wünschen Sie sich heute?
Fußballerisch eigentlich nichts. Den Verein, so wie ich ihn schätzen und lieben gelernt habe, gibt es ja eigentlich nicht mehr. Ich habe das eine oder andere Regionalliga-Spiel im Fernsehen gesehen. Mit Fußball hat das aber eher weniger zu tun. Und wenn ich ehrlich bin: Mir fehlt der Fußball gar nicht. Ich hätte mir den Abschied schwieriger vorgestellt. Ich war in den letzten Monaten genau einmal beim Fußball: Hoffenheim gegen den HSV. Das hatte mit Fußball auch eher weniger zu tun. Mein großer Wunsch ist, dass ich eine Wohnung finde, in der ich meinen Lebensabend verbringen kann. Zum 31. Dezember muss ich aus meiner Wohnung raus. Ich habe noch keinen Ersatz.
db24: Präsident Gernot Mang und Sportchef Manfred Paula sagen immer wieder fast entschuldigend: „Wir müssen ja sehen, wo wir herkommen …“ Was entgegnen Sie, wenn Sie das lesen?
(lacht) Das ist ganz einfach zu beantworten: Aus der Bundesliga kommen wir! Vielleicht sollten sich die beiden besser informieren, wofür dieser Verein eine ganz lange Zeit gestanden hat. Deswegen sind Mang und Paula für mich auch nicht die Menschen, deren Wort bei 1860 Gewicht hat. Die Leute dürfen mir nicht böse sein, aber ich habe eine grundlegend andere Meinung zu 1860. Und meine Einstellung ändert sich auch nicht dadurch, dass der Verein in den Zeitungen ständig in den Himmel gelobt wird, wenn er gegen Buchbach oder Eichstätt gewinnt. Ich kann nur für mich sprechen: Ich kann das schon selbst bewerten. Und zur Klarstellung: Ich habe früher alles gesehen – Profis, Amateure und Jugend. Ich hatte nie ein Problem damit, wenn wir ein Spiel verloren haben. Aber dieses Sechzig gefällt mir nicht. Ich will einfach nicht mehr verarscht werden.
db24: Wann haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass Sie 1860-müde sind und an Abschied denken?
Ich war schon im Vorjahr nah dran, aufzuhören, weil mir gewisse Sachen bei 1860 nicht gefallen haben. Aber dann kam Kevin Volland um die Ecke. Ich hatte über all die Jahre immer wieder zu ihm gesagt, wenn wir uns gesehen haben: „Kevin, komm zurück!“ Er hielt Wort – dann konnte ich nicht einfach abhauen! Insgesamt war das bei mir ein schleichender Prozess. Schade ist natürlich, dass der Freundeskreis jetzt sehr überschaubar geworden ist. Früher hatte ich am Tag 20 Anrufe. Es ging immer um Sechzig. Und jetzt ist es so: Telefonieren tue ich eigentlich nur noch mit Franz Hell…
db24: Ein großes Streitthema ist seit Jahrzehnten das Grünwalder Stadion, das durch die Olympia-Bewerbung plötzlich in einem anderen Licht erscheint…
Glauben tue ich erst einmal gar nix! Wenn wir Olympia weglassen, war mir hundertprozentig klar, dass da gar nichts passiert. Nur Geschwätz, kein Geld. Jetzt könnte sich aber etwas tun, auch wenn ich zum Sechzger meine eigene Meinung habe: Warum sollte jemand Geld in eine Baustelle reinstecken – und das in einer wirtschaftlich schweren Zeit? Hat 1860 Geld? Ist die Stadt finanziell gut beinander? Nein! Aber natürlich wäre es überragend, wenn das Sechzger mit Olympia-Fördergeldern neu aufgesetzt werden würde. Nur glaube ich nicht dran.
db24: Der große Rückhalt sind die Fans…
Das ist wirklich einmalig. Diesen Zuspruch hatte 1860 fast immer – mal mehr, mal weniger. Wenn’s drauf ankommt, sind die Fans immer da. Das zeichnet diesen Verein aus. Aber was ich auch sagen muss: Früher haben wir mehr zusammengehalten. Es gab nur zwei Feinde: Bayern und den DFB. Und jetzt ist bei 1860 jeder gegen jeden. Heute ist es so: Da laufen Zwölfjährige im Stadion rum und fegen dich an – und das brauche ich wirklich nicht mehr. Es gibt keinen Respekt mehr!
db24: Was müsste geschehen, damit Sie ein 1860-Comeback feiern?
(überlegt): Da müsste etwas Außergewöhnliches passieren. Was ich betonen will: Ich bin nicht in der alten Zeit hängen geblieben. Aber wenn beispielsweise Peter Pacult zurückkehren oder Benny Lauth etwas machen würde, würde ich es mir überlegen. Der Verein hat immer von Personen gelebt. Ich verstehe aber auch, wenn bekannte Namen einen großen Bogen um uns machen. Denn spätestens nach einem halben Jahr ist ihr Name kaputt.
