Wieder nur Mittelmaß, Löwen?
- VON OLIVER GRISS
- 28.09.2026 19:19
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VON OLIVER GRISS
Damals lautete ein Vorwurf, der Kader sei nicht gut genug. Den Spielern fehle es an Tempo und Beweglichkeit. Ein Jahr später wirken die Probleme vertraut – nur spielt 1860 nach dem Zwangsabstieg eine Klasse tiefer, in der „Champions League der Amateure“: der Regionalliga Bayern. In der vierten Liga waren die Löwen zuvor nur 2017/18 unterwegs. Unter Daniel Bierofka gelang damals der direkte Wiederaufstieg.
Ein solcher Durchmarsch zeichnet sich diesmal nicht ab. Beim 1:3 gegen Wacker Burghausen kassierte 1860 am Samstag seine erste (durchaus vermeidbare) Niederlage in der Regionalliga. Für sich genommen ist das kein Beinbruch. Doch der bisherige Saisonverlauf wirft Fragen auf: Nur vier Siege gegen Memmingen, Schwaben Augsburg, Aubstadt und Nürnberg II, fünf Unentschieden und nun die erste Niederlage stehen nach zehn Spielen zu Buche. Im DFB-Pokal und im Toto-Pokal sind die Löwen bereits ausgeschieden. Die schwierigen Duelle mit Illertissen, den Bayern-Amateuren, Unterhaching und Spitzenreiter Buchbach kommen erst noch…
Droht den Blauen wieder eine Saison im Mittelmaß?
Das ist weder chronische Schwarzmalerei noch Meckern auf „hohem Niveau“. Doch wir lassen uns von den Schulterklopfern aus der Befreier-Fraktion keine Euphorie verordnen. Entscheidend ist die sportliche Leistung – und für die trägt auch die Kaderpolitik Verantwortung. Die zweifellos großartige Stimmung im Fanblock ändert daran nichts. Der erste Zwischenstand legt nahe: Der von Geschäftsführer Thomas Probst und Manfred Paula zusammengestellte Kader wirkt nicht ausgereift. Es fehlen Führungsspieler vom Format eines Sascha Mölders, Timo Gebhart oder Jan Mauersberger. Dazu gibt es auf mehreren Positionen Fragezeichen – vor allem in der Innenverteidigung und im Angriff.
Vorne fehlt ein eiskalter Vollstrecker, dem man 20 Tore und mehr zutraut. Florian Niederlechner war in seiner besten Zeit sogar ein Kandidat für die Nationalmannschaft. Mit bald 36 Jahren scheint er diese Rolle aber nicht mehr verlässlich ausfüllen zu können. Auch in der Breite ist der Kader qualitativ dünn besetzt: Fallen zwei oder drei Stammkräfte aus, kann 1860 kaum gleichwertig nachlegen.
Und trotzdem: In dieser Regionalliga Bayern muss 1860 als eines der wenigen Profiteams vorneweg marschieren – ohne Ausflüchte und Ausreden. Das ist der Anspruch eines Klubs, der TSV 1860 München und nicht Vorwärts Bamboleo heißt.
