Gräfer widerspricht Walch
- VON OLIVER GRISS
- 16.09.2026 15:09
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VON OLIVER GRISS
Der Oberstdorfer hatte zuletzt in einem Instagram-Post mit dem früheren Hauptsponsor „Die Bayerische“, der zehn Jahre die Löwen unterstützte und in dieser Zeit rund 14 Millionen Euro in den Klub pumpte, abgerechnet und vom „Abschneiden alter Zöpfe“ sowie der Einmischung von Vorstand Martin Gräfer geschrieben (db24 berichtete).
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Kurz danach fühlte sich Walch offenbar falsch verstanden und schrieb auf demselben Kanal: „Bei dem Text zum Graffiti handelt es sich um eine reine Beschreibung und ich hatte auch nicht die Bayerische kritisiert.“
Bayerische-Vorstand Gräfer hat darauf offenbar eine komplett andere Sichtweise. Am Mittwoch schrieb der Manager: „Der TSV 1860 braucht mehr Beteiligung, nicht mehr Lagerdenken. Nicolai Walch hat jüngst das Ende der Partnerschaft zwischen der Bayerischen und dem TSV 1860 als ‚Abschneiden alter Zöpfe‘ bezeichnet und mir ‚Einmischungen in die Vereinspolitik‘ vorgeworfen. Die entscheidende Frage ist aber nicht, ob ein Sponsor zu viel gesagt hat. Sie lautet: Wie viel Beteiligung verträgt ein Mitgliederverein?“

Gräfer weiter: „Zehn Jahre durften wir die Löwen begleiten, als es gut lief und erst recht, als es schwierig wurde. Nach dem Doppelabstieg haben wir Verantwortung übernommen, Premiumsponsoren gewonnen, die Idee für die Namensrechte am Nachwuchsleistungszentrum eingebracht, wurden selbst aktiv und haben später einen neuen Partner dafür gefunden. Mit einer gemeinsamen Kampagne haben wir dazu beigetragen, die Zahl der Mitglieder auf über 20.000 zu steigern. Das war ein Fest! Den Frauenfußball, die Boxer und weitere Abteilungen haben wir gefördert. Wir haben die Partnerschaft sprichwörtlich mit Haut und Haar gelebt. Trotz allem Streites zwischen Gesellschaftern und der Lager im Verein. Und ohne jemals Bedingungen zu stellen. Nicht, weil wir mussten. Sondern weil uns dieser Verein und unsere Zusammenarbeit wichtig waren.
Wir waren nie nur Geldgeber. Wir haben uns als Teil des Vereinsumfelds verstanden. Bodenständig, münchnerisch, manchmal unbequem. Das passt ja gut zu 1860. Viele Mitarbeitende wurden Mitglieder und nicht wenige Fans.“
Gräfer wollte auch klarstellen, dass die Initialzündung für die Trennung nicht von der Vereinsseite, sondern von der Bayerischen selbst ausging: „Auch in der jüngsten Krise waren wir bereit, über einen Neustart zu reden. Besonders am Herzen lag uns, dass es allen Mitgliedern leichter gemacht wird, sich an der Entwicklung ihres Vereins zu beteiligen. Nach sorgfältiger Abwägung haben wir uns am Ende gegen eine Fortsetzung entschieden. Das ist uns nicht leichtgefallen, wir haben das von uns aus kommuniziert.“
Der Behauptung Walchs, die Bayerische habe sich in die Vereinspolitik eingemischt, widerspricht Gräfer: „Man kann unsere Anliegen Einmischung nennen. Ich halte es für etwas anderes: Verbundenheit. Dieselbe Verbundenheit, die uns dazu geführt hat, auch den eingetragenen Verein immer wieder nach Kräften zu unterstützen. 50+1 lebt davon, dass ein Verein seinen Mitgliedern tatsächlich gehört. Nicht nur auf dem Papier, sondern in seiner Kultur und mit der Offenheit, möglichst vielen die Teilhabe zu ermöglichen. Dazu zählt auch, andere Meinungen auszuhalten, Beteiligung nicht vom Lager abhängig zu machen und Kritik nicht automatisch als Angriff zu verstehen. Idealerweise integriert ein Verein und verzichtet selbst darauf, zu polarisieren. Dortmund, Braunschweig, Essen oder Kaiserslautern haben unterschiedliche Modelle. Diese Vereine zeigen, dass breite Mitgliederbeteiligung, 50+1 und ein handlungsfähiger Verein kein Widerspruch sein müssen.“
Gräfer kritisiert bei den Löwen vor allem das ausgeprägte Lagerdenken: „Bei 1860 habe ich es zu oft anders erlebt: Wer im richtigen Lager steht, gilt als Mitstreiter. Wer widerspricht, wird schnell zum Gegner, auch wenn er zuvor und über Jahre fester Teil der eigenen Gruppe war. In der Politik heißt es: Feind, Todfeind, Parteifreund. Hier kommt vielleicht eine vierte Kategorie hinzu: der Vereinsfreund.“
Nachfragen kann man bei Ex-Vize Hans Sitzberger, der nach eigener Aussage vom Verwaltungsrat gemobbt worden ist.
Gräfer schaut aber auch in die Gegenwart und lobt explizit die aktuelle Führungsmannschaft, ohne auf das Sportliche einzugehen: „Umso mehr freut mich, wie gut die Verantwortlichen die extrem harte Phase der vergangenen Monate bisher bewältigt haben. Dafür verdienen sie Respekt. Ich bin Lebensmitglied und bleibe es. Das hängt weder an einem Vertrag noch an einzelnen Personen. Mir geht es nicht darum, alte Konflikte öffentlich weiterzuführen. Wer etwas persönlich klären möchte, weiß, wie er mich erreicht. Wenn wir schon über alte Zöpfe sprechen, wäre es vielleicht Zeit, einen abzuschneiden. Nicht Sponsoren. Nicht engagierte Menschen. Nicht kritische Mitglieder. Sondern das Lagerdenken.“
