Kauczinskis erster Fingerzeig?
- VON CHARLES PASTURE
- 14.04.2026 09:04
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VON CHARLES PASTURE
Die Saison ist gelaufen - wieder mal. Wenn Klubs wie Osnabrück, Essen, Cottbus oder Rostock ab sofort in die Crunch-Time der Dritten Liga gehen, ist der TSV 1860 - wie auch in den letzten Jahren - nur trauriger Statist. Die Löwen sind in der vergangenen Woche mit dem 0:3 in Cottbus endgültig vom Aufstiegskarussell geflogen. Viel zu früh…
Diese sportliche Entscheidung hat allerdings einen kleinen Vorteil für die Weichenstellung: Die Löwen wissen jetzt, dass sie für die neue Spielzeit nicht mehr zweigleisig planen müssen. Nicht weniger als 15 Verträge laufen aus.
Jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt, gewisse Dinge auszuprobieren und zu testen. Und möglicherweise war die Aufstellung von Markus Kauczinski beim 2:2 gegen Jahn Regensburg nicht ohne Hintergedanken, sondern bereits ein erster Fingerzeig für die Zukunft: Zehn von elf Spielern standen in der Startelf der Sechziger, deren Arbeitspapiere über die aktuelle Spielzeit hinaus Bestand haben. Einzig Kapitän Thore Jacobsen hängt aus der Anfangsformation noch in der Luft. Seine Zukunft ist weiterhin offen.
Und bei genauerer Betrachtung fällt auf: Der Bestandskader für die Saison 2026/2027 kann sich jetzt schon sehen lassen, falls keiner der Spieler andere Pläne hat. Im Zentrum des neuen Löwen-Konstrukts stehen klare Schlüsselspieler: Sigurd Haugen (28) bestätigte mit seinem Doppelpack einmal mehr seine Rolle als verlässlicher Torjäger (14 Saisontore) – und setzte nach Abpfiff gleich ein Ausrufezeichen in der Mixedzone obendrauf: „Ich glaube wirklich, wir können nächste Saison etwas Großes aufbauen.“ Man nimmt es ihm ab, dass er sich bei 1860 wohl fühlt - und er vielleicht auch deswegen seinen Kontrakt erfüllen will.
In der Defensive könnten Max Reinthaler (31), Siemen Voet (26) und Sean Dulic (20) die Achse bilden, während im Mittelfeld der routinierte Philipp Maier (31) die zentrale Rolle einnehmen könnte. Ergänzt wird dieses Gerüst durch frühere Bundesliga-Stars, die dem Kader den gewissen Touch geben: Kevin Volland (33) und Florian Niederlechner (35) bringen nicht nur Qualität, sondern vor allem Erfahrung auf höchstem Niveau mit – Faktoren, die insbesondere in engen Spielen den Unterschied machen können. Gegen Regensburg haben beide Altstars bewiesen, dass sie es auch noch miteinander können.
Im besten Fußballeralter befinden sich zudem mehrere potenzielle Stammspieler: Der Österreicher Manuel Pfeifer (26) unterstrich gegen Regensburg mit einem starken Auftritt, dass er auf der linken Außenbahn mehr als nur ein Platzhalter ist. Vertrag für die kommende Saison hat auch noch Marvin Rittmüller: Der 27-Jährige muss sich allerdings entscheidend steigern, will er auf rechts ein Startelf-Kandidat sein. Auch die verletzten Kilian Jakob (28) und Max Christiansen (29) könnten, sobald sie wieder voll einsatzfähig sind, für zusätzliche Stabilität und Qualität sorgen.
Dahinter drängen die Talente nach: Samuel Althaus (20) zeigte in den vergangenen Wochen mit Spielwitz und Zweikampfstärke, dass er das Potenzial für eine größere Rolle besitzt. Auch Lasse Faßmann (19) überzeugt trotz seiner Unerfahrenheit auf dieser Ebene mit einer bemerkenswert abgeklärten Spielweise. Macht er so weiter, wird er sich nicht mit einer Reservistenrolle zufrieden geben. Mit Emre Erdoğan (19) und Loris Husic (18) stehen weitere Perspektivspieler bereit, die den nächsten Schritt gehen wollen.
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Komplettiert wird der Kader durch verlässliche Ergänzungsspieler: Patrick Hobsch (31) sammelte in dieser Saison regelmäßig Minuten und brachte Torgefahr ein, Justin Steinkötter (26) überzeugt als Joker mit Energie und Einsatz. Hinzu kommt René Vollath (36), der nicht nur als Ersatzkeeper wertvolle Erfahrung einbringt, sondern als Torwarttrainer auch Thomas Dähne weiter formt.
Unterm Strich ergibt sich ein stimmiges Bild: Der Bestandskader der Löwen vereint Qualität, Erfahrung und Entwicklungspotenzial – eine Mischung, die zumindest schon mal für eine gewisse Stabilität sorgen kann. Möglich ist zudem, dass Trainer Markus Kauczinski in der kommenden Saison taktisch nachjustiert und verstärkt auf eine Viererkette setzt. Das wäre keine Überraschung: Im Laufe seiner Trainerkarriere hat der 56-Jährige immer wieder auf dieses System gesetzt – etwa beim Karlsruher SC oder auch in Wiesbaden – und gilt grundsätzlich als Coach, der seine Ausrichtung flexibel an das vorhandene Spielermaterial anpasst, statt starr an einer Formation festzuhalten. Der aktuelle Kader würde ihm dafür die nötigen Optionen und damit zusätzlichen Handlungsspielraum bieten. Es ist jetzt die Aufgabe von Geschäftsführer Manfred Paula, mit punktuellen Verstärkungen, vor allem im Mittelfeld, den Kader so aufzustellen, dass ein nächster Löwen-Angriff garantiert ist.
Die wichtigsten Fragen sind: Wen wollen die Löwen von den 15 Spielern halten, deren Verträge auslaufen? Wer soll trotz gültigem Arbeitspapier vielleicht noch abgegeben werden, um in der Kaderplanung variabler zu werden? Wer soll noch kommen?






