VON OLIVER GRISS

Bernhard Trares (60) hatte die weiteste Anreise: Der Aufstiegskapitän des TSV 1860 legte von seinem Wohnort Sonderbach, einem Stadtteil von Heppenheim an der Bergstraße, einfach 350 Kilometer zurück, um bei der Trauerfeier für die verstorbene Trainer-Ikone Karsten Wettberg (er starb vor knapp zwei Wochen im Alter von 84 Jahren) am Freitagabend in der Bogenhausener Nazarethkirche dabei zu sein. „Ich habe Karsten sehr viel zu verdanken. Er hat mich zu Sechzig geholt“, sagte der frühere Bundesliga-Star zu db24. Es war der Startschuss für eine Bilderbuch-Karriere: Mit den Löwen marschierte Trares von der Bayernliga bis in den Europapokal, ehe er zu Werder Bremen wechselte.

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Nicht nur Trares erwies Wettberg die letzte Ehre, nachdem er am Dienstag in Mainburg beigesetzt worden ist, sondern auch zahlreiche weitere Altstars aus großen Löwen-Zeiten: Thomas Miller, Bernhard Winkler, Manni Schwabl, Rainer Berg und Roland Kneißl. Dazu kamen Florian Hinterberger, einst Spieler und später Sportchef bei 1860, sowie Bernhard Schmid, der bis zuletzt den engsten Draht zu Wettberg gepflegt hatte.

Ebenfalls in der Nazarethkirche: Jan Mauersberger, Stefan Schneider, Ex-Vize Hans Sitzberger und Stadionsprecher Sebastian Schäch. Aber auch Gesichter der aktuellen Drittliga-Löwen verabschiedeten sich von Wettberg – darunter Markus Kauczinski, Manfred Paula, Siemen Voet und Samuel Althaus.

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Auch Präsident Gernot Mang war gekommen und hielt zum Abschluss der von Löwen-Pfarrer Rainer Maria Schießler gut vorgetragenen, launigen Predigt („Leider habe ich keinen Regenschirm gefunden, sonst hätte ich ihn jetzt zertrümmert“ oder. “Ich war nach dem Cottbus-Spiel froh, dass mein nächster Löwen-Termin in einer Kirche und nicht im Stadion stattfindet”) eine Rede: „Die Nachricht vom Tod von Karsten Wettberg hat uns im gesamten Verein tief erschüttert. Karsten ist an dem Tag von uns gegangen, an dem wir unsere langjährigen Mitglieder geehrt haben. Ein Tag der Verbundenheit – und ein Tag des Abschieds. Mit Karsten verlieren wir nicht nur unseren ehemaligen Vizepräsidenten, sondern auch eine prägende Persönlichkeit unseres Vereins. Einen, der wie kaum ein anderer für die Werte unseres Vereins stand: Leidenschaft, Begeisterung, Loyalität und echte Nähe zu den Menschen. Karsten war mehr als nur ein Teil dieses Vereins: Er war ein Gesicht, eine Stimme – ein Herz der Löwen. Einer, der Giesing gelebt hat – auf und neben dem Platz.“

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Mit Karsten Wettberg hat einer den Löwen-Kosmos verlassen, der vor allem den jungen Fans erklären konnte, wie Sechzig einst erfolgreich funktioniert hat. Genau solche Persönlichkeiten vom Schlag Wettberg fehlen dem Klub jetzt – spätestens seit auch Werner Lorant vor fast einem Jahr im Alter von 76 Jahren für immer eingeschlafen ist. Neue Helden sind nicht mehr in Sicht.