VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Am heutigen Mittwoch um 11 Uhr kommt Ministerpräsident Markus Söder dem Grünwalder Stadion sehr nahe. Nein, die Löwen haben noch nichts eingefädelt, um die Gunst des CSU-Chefs für ihre Stadionpläne zu gewinnen. Unweit der in die Jahre gekommenen Giesinger Kultstätte besucht der Landesvater den Tierpark Hellabrunn – Luftlinie vielleicht 700 Meter entfernt. Allerdings nicht, um ein paar Löwen zu streicheln, sondern um mit seiner Anwesenheit das Neubauprojekt Elefantenhaus zu unterstützen. Mutmaßlich soll es dabei aber auch um zwei Pandabären gehen – ein Söder-Deal mit China, dem Monopol-Land für Pandas.

Nachdem 1860-Boss Gernot Mang zuletzt im Trainingslager in Belek vor Fans darüber gesprochen hatte, man wolle auch Söder um Hilfe bitten, relativierte er seine Aussage später gegenüber dem Merkur leicht: „Ach, das habe ich mit einem Lächeln gesagt. Klar ist aber auch, dass ich alles anzapfe, was geht. Genauso wie ich mit der Stadtspitze spreche, möchte ich auch mit der Landesspitze sprechen. Da geht es um Fördergelder. Es wäre falsch, da etwas unversucht zu lassen.“

Den Eindruck, dass Mang dies im Spass gesagt hätte, hatten die Fans in Belek übrigens nicht, was auch ein Belek-Interview von Mang in der AZ unterstreicht: “Wenn man sieht, dass der Freistaat Bayern das Stadion des 1. FC Nürnberg mitfinanziert, kann das auch gerne bei uns gemacht werden. Wir werden zeitnah Gespräche mit der Parteispitze führen.”

Ist dieser Stadion-Traum realistisch?

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Die Kontaktaufnahme zu Söder können sich die Löwen allerdings sparen. db24 hatte zuletzt beim Ministerpräsidenten angefragt, ob es eine realistische Chance auf Unterstützung gebe. Nicht das Büro Söders meldete sich in dieser Woche schließlich bei db24, sondern das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration – die Botschaft ist allerdings ernüchternd für den TSV 1860: „Zu Ihrer Anfrage, die uns die Bayerische Staatskanzlei weitergeleitet hat und bei der es um eine Unterstützung des TSV 1860 München zu Stadion-Umbauplänen des Grünwalder Stadions geht: Dem Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration liegen hierzu keine Anfragen oder Anträge vor.“

Und weiter: „Allgemein sehen die Sportförderrichtlinien des Freistaats Bayern die Förderung von Anlagen, die im Trainings- und Wettkampfbetrieb im bezahlten Sport genutzt werden, nicht vor. Eine Regelförderung aus Sportfördermitteln kommt daher nicht in Betracht. Für eine Sonderförderung außerhalb der Regelförderung müsste der Haushaltsgesetzgeber gesondert eigene Mittel zur Verfügung stellen.“
Damit dürfte klar sein: Vom Freistaat haben die Löwen für ihre Stadion-Träumereien nichts zu erwarten. Bleibt die entscheidende Frage: Wie will 1860 dieses ambitionierte Projekt dann überhaupt stemmen?

Zuletzt hatte auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter gegenüber münchen.tv unmissverständlich erklärt: „Trotzdem brauchen die Sechzger einen großen Sponsor, der den Restbetrag übernimmt. Wir reden da schon von Beträgen im dreistelligen Millionenbereich. Ein Stadion mit größerer Zuschauerkapazität, mit einem Schiebedach – das kostet einfach Geld.“ Selbst wenn Reiters Schiebedach nur ein Versprecher war, wird’s richtig teuer.

Das Projekt am Giesinger Berg – sollte es nach einer positiven Machbarkeitsstudie wirtschaftlich sinnvoll sein – dürfte rund 150 bis 180 Millionen Euro verschlingen. Zu viel für 1860?