VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Vier Punkte aus den ersten beiden Spielen in der Rückrunde hat sich der TSV 1860 gekrallt (4:1 gegen Duisburg, 1:1 in Lübeck) - doch hinter den Kulissen knallt es weiter. Jetzt berichtet die Abendzeitung exklusiv, dass Präsident Robert Reisinger seine beiden Geschäftsführer Günther Gorenzel und Marc Pfeifer schon im Januar 2023 entlassen wollte.

Dem Boulevardblatt liegt auch eine Email vom 16. Januar vor, die Robert Reisinger an seine beiden Vizes Heinz Schmidt und Hans Sitzberger schickte: “Hallo, folgende Mail würde ich gerne noch heute Abend an die beiden Geschäftsführer (Pfeifer und Gorenzel, Anm. d. Red.) senden.” Und weiter: “Ich fühle mich von beiden nur noch hintergangen.”

Doch es wird noch doller. “Es erweckt den Eindruck”, schrieb Reisinger einen Tag nach der bitteren 1:3-Pleite in Mannheim zum Start der Drittliga-Rückrunde der Saison 2022/2023, “als würden Sie den Wunsch des Präsidiums, Herrn Köllner zu beurlauben, auf diesem Weg eine Absage erteilen. “Nehmen Sie zu Kenntnis, dass wir es Anbetracht der Situation rund um den Trainer Köllner für besser erachten, die nächsten Spiele ohne Trainer oder mit einem Trainer aus dem NLZ an der Seitenlinie zu bestreiten, als den Status quo zu erhalten.”

Der “AZ” liegt auch eine nicht abgeschickte Reisinger-Mail an Gorenzel vor, die er zur Kenntnisnahme an seine beiden Vizes weiterleitete: “Sehr geehrter Herr Gorenzel, nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass ich es mittlerweile bedauere, den Wunsch des Mitgesellschafters, Ihnen die Kündigung zum 30.6.2023 bis 31.12.2022 auszusprechen, nicht nachgekommen bin. Fühlen Sie sich also bereits heute zum 30.6.2024 gekündigt. Selbst wenn der Mitgesellschafter wider Erwarten ihre Tätigkeit nicht zu kündigen wünscht, werden wir diese Kündigung kraft unseres Amts und 50+1 aussprechen und durchsetzen.”

Und dann wird’s noch interessanter: Marc Pfeifer sollte ebenfalls im Januar gekündigt werden. Offenbar deswegen, weil er dem e.V.-lastigen Fanportal sechzger.de den Zutritt zu den Pressekonferenzen verweigerte, weil keiner der Mitarbeiter einen Presseausweis vorweisen konnte. Pfeifer hat sich nur an die offiziellen DFB-Richtlinien gehalten.

Reisinger schrieb: “Sehr geehrter Herr Pfeifer, auch Ihnen gegenüber sprechen wir bereits heute die Kündigung zum 30.6.2024 aus. Hätten Sie uns bereits vor dem 31.1.2022 informiert, dass Sie sich an die getroffene Vereinbarung, die Redakteure des sechzger.de an Spieltags-Pressekonferenzen teilnehmen zu lassen, nicht gebunden fühlen, hätten wir die Kündigung bereits zum 31.12.2022 zum 30.6.2023 ausgesprochen.” Die Kündigung wurde letzten Endes nicht ausgesprochen, weil die beiden Vize-Präsidenten ihr Veto einlegten. Sitzberger & Schmidt bremsten Reisinger aus - ähnlich wie bei Horst Heldt.

Reisinger war gegenüber der “AZ” nicht zu einer Stellungnahme bereit - aber das Wirken des Ober-Löwen zeigt, wie es wirklich bei 1860 zugeht.