VON OLIVER GRISS UND ULI WAGNER (FOTO)

Wir haben die db24-Leser in der vergangenenen Woche mit der Frage “Ist Reisinger noch der Richtige?” aufgerufen, uns zu schrieben - zahlreiche Emails erreichten uns seitdem. Auch die Nachricht des früheren 1860-Kassenprüfers Herbert Hagen - sein Kommentar:

Nach sieben Monaten war ich am Samstag erstmals wieder bei einem Heimspiel der Löwen im Stadion. Da ich mittlerweile die nötige Distanz zum Verein und den Geschehnissen habe, will ich meine Eindrücke kurz schildern:

Bereits vor dem Spiel war die Stimmung bei den Fans eher gedrückt. Lag es an der ungewohnten Anstosszeit oder gegebenenfalls auch an den beiden vorangegangenen desillusionierenden Niederlagen gegen Lübeck und Sandhausen? Oder liegt es einfach an diesen ständigen, nun über Jahre andauernden Grabenkämpfen zwischen den vielen Protagonisten. „Verantwortung“ für einen Traditionsverein übernehmen geht definitiv anders. Würde man all diese Energie, die diese unerträglichen Grabenkämpfe für sich beanspruchen, in die Weiterentwicklung des Sports, insbesondere des Profisports, investieren, würde man heute ganz anders dastehen und über ganz andere Dinge diskutieren. Es gibt genügend Beispiele dafür, was man sportlich wie wirtschaftlich alles erreichen kann, wenn alle an einem Strang ziehen. Union Berlin, Heidenheim, Darmstadt, Elversberg um nur einige Beispiele zu nennen … ja, auch die SpVgg Unterhaching, wo mit sehr wenig sehr viel erreicht wird, sowohl sportlich als auch menschlich. Als Tribünengast gegen den FCA und SSV Ulm konnte ich mich selbst davon überzeugen. Da hilft einer dem anderen.

Obwohl beispielsweise gegen Ulm lediglich 3700 Zuschauer vor Ort waren, war die Stimmung um keinen Deut schlechter als gestern gegen Aue. Warum? Weil keine internen Störmänöver, unnötigen Querelen, eigennützige Interessen und Machtspiele das gemeinsame Ziel gefährden. Der Sport hat Vorfahrt ganz nach dem Motto „UNSschreibtmanWIR“.

Wir haben ein dreiköpfiges Präsidium (ohne jegliche Sportkompetenz), das sich nicht mehr grün ist und mit dem der Löwe seit Jahren auf der Stelle tritt. Wir haben einen neunköpfigen Verwaltungsrat ohne jegliche Sportkompetenz, der wenig PS auf die Straße bringt und mitunter eigene Interessen verfolgt. Wir haben die Interessenvertreter des Investors, die viel zu oft mit den Protagonisten des Vereins über die Medien oder Social Media kommunizieren. Und wir haben einen sehr engagierten Geschäftsführer und aufopferungsvoll kämpfenden Coach, die bereits nach 5 Spieltagen intern wie extern angezählt werden. Der Geschäftsführer hat in der Vergangenheit von interner Seite bereits eine Abmahnung erhalten. Wo sonst gibt es denn so etwas? Wie soll diese Konstellation denn funktionieren? Wie will man unter diesen Umständen bedeutende Sponsoren gewinnen, die wirtschaftlich eine Perspektive ermöglichen?

Ganz ehrlich: Das sind nicht mehr die Löwen, die viele von uns vor Jahren, ja Jahrzehnten lieben und schätzen gelernt haben. So geht man nicht miteinander um und so wird sich der langersehnte Erfolg niemals einstellen. Der Weg ist das Ziel, aber nicht wenn man sich ständig gegenseitig ein Bein stellt und jeder danach einen anderen Weg wählt?

Wenn sich das (überforderte?) dreiköpfige Präsidium, der neunköpfige Verwaltungsrat sowie die Interessenvertreter des Investors nicht endlich darauf besinnen, proaktiv die Zukunft zu gestalten, dem Club und der großen Fangemeinde eine Perspektive aufzeigen, sehe ich schwarz für einen seit Jahren defizitären Traditionsverein, der drauf und dran ist jegliches Vertrauen vollends zu verspielen und Gefahr läuft früher oder später in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

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