VON MARCO BLANCO UCLES UND ULI WAGNER (FOTO)

Entpuppt sich am Ende ein Neuzugang der Löwen als Schlüssel zum Zweitliga-Aufstieg, der überhaupt nicht auf dem Rasen steht?

Jörg Mikoleit ersetzte vor der Spielzeit Matthias Luginger als Fitnesscoach bei 1860. Der 51-Jährige war zuletzt elf Jahre lang beim FC Ingolstadt unter Vertrag. Bei den Schanzern arbeitete er bereits mit Löwen-Kapitän Stefan Lex zusammen. Mikoleit hatte besonders an zwei Stellschrauben zu drehen. Zum einen sollte er den Schützlingen von Trainer Michael Köllner ordentlich Beine machen. Zu häufig war Sechzig in der Vorsaison in den Schlussphasen der Spiele eingebrochen, hatte so wichtige Punkte im Aufstiegsrennen liegen gelassen.

Mit einer harten Vorbereitung sollte Mikoleit für eine gute Grundfitness sorgen. Mit einzelnen Ausnahmen - Martin Kobylanski zum Beispiel - gelang ihm dies auch. Besonders zu Beginn dieser Spielzeit zahlte sich der lange Atem der Sechzger häufig aus, oftmals punktete der Löwe kurz vor Schluss - Oldenburg (1:0), Verl (1:0), Köln (1:1). Leidglich gegen Essen (1:1) musste 1860 im Jahres-Endspurt einen entscheidenden Treffer in den Schlussminuten hinnehmen.

Zum anderen sollte Mikoleit dafür sorgen, dass sich die Muskelverletzungen bei den Löwen reduzieren. Auch das gelingt - größtenteils. Klar, die älteren Akteure wie Lex, Quirin Moll oder Daniel Wein haben immer wieder mit kleineren Wehwehchen zu kämpfen, aber gegen die schwereren Verletzungen von Phillipp Steinhart und Semi Belkahia (beide Knie), Marcel Bär und Milos Cocic (beide Mittelfußbruch) kann auch der beste Fitnesscoach nichts ausrichten.

Über die XXL-Winterpause hatte sich Köllner - auch in Absprache mit Mikoleit - einen genauen Plan zurechtgelegt. Nach 12 Tagen kompletter Erholung starterte die Mannschaft mit dem individuellen Home-Training, bevor neun Tage später dann auch der Ball wieder ins Spiel kam. Und das Team war fleißig, arbeitete auch in der fußball-freien Zeit hart an seiner Fitness. Von nichts kommt bekanntlich auch nichts.

Das Resultat: Wenige Tage vor dem Abflug ins Trainingslager ins türkische Belek am 3. Januar können die Löwen auf einen beinahe komplett gesunden Kader zurückgreifen. Das könnte natürlich im engen Aufstiegsrennen der Dritten Liga zum Zünglein an der Waage werden. Vorteil Sechzig?

Wir blicken auf die Aufstiegskonkurrenz der Sechzger. Mit welchen Ausfällen hat sie zu kämpfen?

SV Elversberg (1./41 Punkte): Verzichten muss der Tabellenführer derzeit auf Kapitän Kevin Conrad. Der Verteidiger hatte sich bei Haushaltsarbeiten mit einem Cuttermesser so tief in den Oberschenkel geschnitten, dass ein Muskel durchtrennt wurde. Wann er zurückkehrt, steht aktuell noch nicht fest. Auch Patryk Dragon (Knieprobleme), Top-Torjäger Luca Schnellbacher (Wadenprobleme) und Sebastian Saftig (Aufbautraining nach Kreuzbandriss) fehlen derzeit.

1. FC Saarbrücken (2./33 Punkte): Verteidiger Bjarne Thoelke verletzte sich vor drei Wochen im Testspiel gegen den türkischen Erstligisten Kayserispor (1:2) schwer, zog sich einen Jochbeinbruch zu. Nach einer Operation fällt der 30-jährige Stammspieler vorerst aus, könnte jedoch schon bald mit einer Spezialmaske für die Saarländer auflaufen. Torjäger Sebastian Jacob riss sich im Herbst das Kreuzband und fällt für die restliche Spielzeit aus. Abzuwarten bleibt, ob die beiden in dieser Saison immer wieder verletzten Angreifer Julius Biada und Adriano Grimaldi über eine längere Zeit gesund bleiben.

Wehen Wiesbaden (3./31. Punkte): Da sich Stammkeeper Florian Stritzel eine langwierige Schultereckgelenkssprengung zuzog, reagierte Wiesbaden im Winter und nahm den Bundesliga-erfahrenen Mohamed Amsif (früher u.a. Augsburg) unter Vertrag. Innenverteidiger Florian Carstens wird nach seinem Sehenriss wohl Anfang des Jahres ins Training zurückkehren, genauso wie Defensiv-Kollege Nico Rieble (Innenbandriss). Bis auf Stritzel kann Wiesbaden somit zum Start Mitte Januar nahezu aus dem Vollen schöpfen.

FC Ingolstadt (4./31 Punkte): Die Schanzer müssen derzeit auf drei wichtige Säulen verzichten: Innenverteidiger Dominik Franke (Fuß-OP) und Kapitän Tobias Schröck (Syndesmosebandriss) könnten demnächst wieder zum Team stoßen, die Zeit bis zum Rückrundenauftakt gegen Aue (16. Januar) wird jedoch knapp. Angreifer Patrick Schmidt dürfte nach seiner Knie-Operation hingegen erst im Februar wieder zum Team stoßen - bitter für den FCI.

SC Freiburg II (5./31 Punkte): Das - neben Elversberg - Überraschungsteam der Liga muss derzeit auf Shootingstar Merin Röhl verzichten, den Rückenprobleme plagen. Auch Keeper Sebastian Mellack (Meniskusschaden), Kimberly Ezekwem (Sehnenreizung)und Daniels Ontuzans (Muskuläre Probleme) fehlen den Jung-Breisgauern aktuell.

TSV 1860 (6./30 Punkte): Siehe oben. Der Löwe kann aus dem Vollen schöpfen. Semi Belkahia (Knie) und Milos Cocic (Mittelfußbruch) brauchen jedoch noch Zeit, ehe sie wieder bei 100 Prozent sind.

Viktoria Köln (7./27 Punkte): In den nächsten Wochen steht die Rückkehr von Mittelfeldspieler Jeremias Lorch bevor, der die komplette Saison bislang mit einem Kreuzbandriss pausieren musste. David Philipp (Wade), Federico Palacios (Knieprobleme) und Benjamin Hemcke (Schlüsselbeinbruch) fehlten zuletzt verletzt, könnten aber zum Trainingsauftakt Anfang Januar zurückkehren.

Waldhof Mannheim (8./26 Punkte): Auf gleich drei Fixpunkte im Spiel muss Sechzigs Auftaktgegner am 14. Januar (14 Uhr, db24-Ticker), Waldhof Mannheim, momentan verzichten. Noch knapp sechs Wochen fällt Verteidiger Gerrit Gohlke nach seiner Schulteroperation aus. Auch die beiden Mittelfeld-Lenker Bentley Baxter Bahn und Marco Höger fehlen. Baxter Bahn muss mit einem Bänderriss noch einige Wochen pausieren. Höger hatte sich Ende September das Kreuzband gerissen, wird erst in der Schlussphase der Saison wieder ins Geschehen eingreifen können.

Dynamo Dresden (9./23 Punkte): Stammtorhüter Sven Müller hatte sich im Trainingslager in Belek das Knie verdreht, fällt mit einer Bänderdehnung seitdem aus - Rückkehr offen. Ex-Löwe Manuel Schäffler verpasst den Rückrundenauftakt mit einem Muskelfaserriss. In der Defensive sind zudem Kyu-hyun Park (Bänderriss im Knie) sowie Robin Becker (Oberschenkelprobleme) angeschlagen. Und auch die Mittelfeldspieler Michael Akoto (Knöchelverletzung), Luca Herrmann (Knie-OP) und Jong-min Seo (Schulterverletzung) fallen derzeit aus. Aufgrund der zahlreichen Verletzten sowie der schwachen bisherigen Saison möchten die Sachsen im Januar auf dem Transfermarkt aktiv werden.