VON OLIVER GRISS UND SPORTFOTO ZINK (IMAGO)

Stolze 900.000 Euro hat WSG Tirol jüngst für Ex-Löwe Leon Klassen (21) für dessen Wechsel zu Spartak Moskau kassiert - und die Löwen? Gehen bis auf die Ausbildungsentschädigung von rund 15.000 Euro leer aus - und das obwohl der russische U21-Nationalspieler noch bis Sommer 2021 mehrere Jahre an der Grünwalder Straße 114 spielte.

Haben die Löwen das Talent von Klassen etwa nicht erkannt? “Ich habe zu Leon gesagt: ‘Du musst 1860 verlassen, weil du an Phillipp Steinhart nicht vorbeikommst’. Leon hat bei 1860 ein Problem gehabt. Er war mental nicht so stark”, verrät Cheftrainer Michael Köllner: “Das haben wir leider nicht hinbekommen, dass er mit einer Leck-mich-am-Arsch-Mentalität unterwegs ist. Er hat sich zuviel Stress gemacht.”

Aus Köllners Sicht war Klassen bei 1860 zudem nicht variabel genug, um sich am Ende durchzusetzen. Bei Vorgänger Daniel Bierofka war der Russe zeitweise Stammkraft, bei Köllner meist Bankdrücker. “Es ist so, dass Leon Klassen im Normalfall in der Fünferkette funktioniert. Wir haben aber nie mit fünf Spielern hinten agiert, sondern mit vier. Für mich war schon klar, dass Leon eine Qualität hat, aber manchmal musst du dich entscheiden.” Gegen einen Verbleib des Talents.

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Köllner: “Biero hat Leon eine Position weiter vorne spielen lassen - das war okay. Aber Leon ist jetzt auch keiner, der 10 bis 15 Tore als Linksaußen schießt - und die Quote brauchst du, wenn du aufsteigen willst.”

Dass es für russische Talente generell einen Markt gibt, das wussten die Löwen. “Auf dem Markt sind junge russische Spieler, die im Ausland spielen, äußerst begehrt. Da wird ein Haufen Geld für die hingelegt. Dass du dann natürlich Transfererlöse erzielen kannst, das war klar”, sagt Köllner: “Günther Gorenzel hat es damals mit Rubin Kazan probiert - aber dann hat der Berater einen Stopp eingelegt, auch weil es Leon noch nicht wollte.” Klassen sollte nach db24-Informationen damals verkauft werden, weil 1860 kurzfristig den Etat auf drei Millionen Euro zusammenschrumpfen sollte. Es kam dann aber anders.

Die Leittragenden sind aber wieder einmal die Löwen, weil sie es mal wieder nicht geschafft haben, ein Talent aus dem eigenen Stall zu Geld zu machen. Dabei ist genau das äußerst knapp…