VON OLIVER GRISS

Am 28. Juli 2010 - heute vor genau fünf Jahren - verstarb Karl-Heinz Wildmoser im Klinikum Rechts der Isar im Alter von 71 Jahren an einem Herzversagen. Heute sagen Freunde: Der Karl-Heinz hätte noch leben können, wenn er auf die Ärzte gehört und die Thrombosestrümpfe angezogen hätte. Doch Wildmoser war ein bayerischer Sturschädel…

Seit Wildmosers Ableben wird an der Grünwalder Straße 114 immer deutlicher, welch große Lücke Wildmoser eigentlich hinterlassen hat. Sein Mythos ist unerschütterlich. Wildmoser war ein Macher, ein Charmeur, ein Arbeitstier, ein Erfolgsgarant. Was Aushängeschild Wildmoser auch anpackte, machte die Löwen besser und stärker. Gemeinsam mit Werner Lorant führte er den Giesinger Arbeiterverein von der Bayernliga bis in die Champions League-Qualifkation. Die Löwen wurden wieder zu einer echten Marke in der Stadt - dank Wildmoser. Als dann in der Saison 1999/2000 beide Derbys gegen den FC Bayern gewonnen wurden und die Blauen am Ende der Saison auf Platz vier landeten, sah sich der Großgastronom schon auf einer Stufe mit dem ungeliebten Nachbarn.
wildmoser2013Aber Wildmoser war noch nicht satt, wollte immer mehr - und setzte sich dann den Traum vom eigenen Stadion in den Kopf: Den gemeinsamen Bau der Allianz Arena mit dem FC Bayern. Sein Plan: Mit Franz Beckenbauer die WM 2006 eröffnen - es blieb beim Traum. Wildmoser wurde im März 2004 in die Schmiergeld-Affäre hineingezogen. Der Vereins-Patron musste bei 1860 auf Druck des Aufsichtsrates und der Politiker abtreten. Sein Lebenswerk war zerstört. Daran zerbrach Wildmoser, aber am Ende auch die Löwen. Inzwischen werden die Sechziger sogar von den Roten bemitleidet. Für einen echten Löwen gibt es nichts Schlimmeres…
Seit dem Wildmoser-Aus haben sich unzählige Präsidenten am Altmeister von 1966 probiert: Karl Auer, Alfred Lehner, Rainer Beeck, Albrecht von Linde, Dieter Schneider und Gerhard Mayrhofer. Alle scheiterten gnadenlos. Wer Wildmoser kennenlernen durfte, weiß: Über nichts würde er sich heute im Himmel mehr freuen, als über einen würdigen Nachfolger und einen stolzen TSV.

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