VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Der Löwe hat sich mittlerweile auf Rang zwei der Regionalliga Bayern vorgearbeitet: Nur noch der FC Memmingen steht vor den Giesingern - mit sechs Punkten Vorsprung. Sind die stabilen Allgäuer, die am Samstag beim FC Augsburg II gastieren, ein ernsthafter Konkurrent für die Sechzger in der Aufstiegsfrage? Viele Löwen-Fans fragen sich: Wer reicht überhaupt die Lizenz-Unterlagen für die Dritte Liga ein? Das db24-Interview mit FC-Intimus Andreas Schales, der seit mehr als 20 Jahren auch Pressesprecher des Tabellenführers ist.

db24: Dem FC Memmingen fehlt noch ein Punkt zur inoffiziellen Herbstmeisterschaft in der Regionalliga Bayern. Herr Schales, hätte Ihnen das im Sommer jemand vorhergesagt – wie hätten Sie reagiert?

ANDREAS SCHALES: Das bisherige Abschneiden ist natürlich traumhaft und wäre im Sommer nicht für möglich gehalten worden. Wenn die Herbstmeisterschaft gelingen sollte, wäre das natürlich sensationell und eine tolle Bestätigung der Arbeit und des konsequent eingeschlagenen Weges der letzten drei Jahre für die Mannschaft, das Trainerteam um Matthias Günes und die sportliche Leitung.

db24: Was zeichnet Ihre Mannschaft besonders aus – und was unterscheidet sie von der Konkurrenz?

Wo mögliche Unterschiede liegen, können wir nicht beurteilen. Beim FC Memmingen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich in Sachen Mannschaft etwas aufgebaut worden. Ein großer Teil der Spieler entstammt der eigenen Nachwuchsarbeit, dazu Talente aus der Region, die den FCM auch als Sprungbrett nutzen können. Nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich passen die Jungs super zusammen. Es gibt derzeit einen außerordentlichen guten Kabinengeist, der neben der sportlichen Entwicklung einen guten Teil des Erfolges ausmacht.

db24: Auffällig ist vor allem die starke Defensivarbeit. Was ist der Schlüssel zu dieser Stabilität?

In der Tat haben wir eine starke “Memminger Stadtmauer”. Hier haben sich eigene Spieler weiterentwickelt und sind gestandene Abwehrkräfte geworden. Und Max Zeller ist natürlich hinten drin eine Bank, der auch Impulse nach vorne setzt. Was heißt, dass wir nicht auf Mauertaktik, sondern auf temporeiches Umschaltspiel setzen. Kurioserweise packen viele Gegner gegen uns mittlerweile verstärkt die Defensive aus, was das eine oder andere 0:0 erklärt. Nur neun Gegentore zu diesem Zeitpunkt sind natürlich bemerkenswert. Vielleicht spielt mittlerweile auch die Psychologie ein bisschen mit. Von den Gegnern ist ja immer wieder zu hören, wenn Memmingen selbst ein Tor schießt, wird es brutal schwer.

db24: Was insbesondere die Löwen-Fans interessiert: Wird der FC Memmingen die Zulassungsunterlagen für die Dritte Liga einreichen?

Angesichts der sportlichen Situation ist sicher in Kürze mit einem Statement des FCM zu rechnen, ob der Verein ins Lizenzierungsverfahren zur 3. Liga gehen wird. Die Aussage von FCM-Präsident Andreas Minkenberg beim Sponsorenabend lautete kürzlich schon mal: “Für die Mannschaft gibt es keine Bremse.”

db24: Falls diese Frage noch offen ist: Bis wann wollen Sie darüber entscheiden – und welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein?

Bis zum Winter muss natürlich spätestens Klarheit herrschen, denn nicht nur die Unterlagen bis zum Terminschluss im März müssen ja über Wochen und Monate ausgearbeitet werden. Das steckt einige Arbeit drin. Vor einigen Jahren hat der FCM ja schon einmal das Lizenzierungsverfahren durchlaufen, um den Stand auszuloten, was für die 3. Liga alles notwendig wäre.

db24: Der FC Memmingen hat sich in der Diskussion um die Regionalliga-Reform zuletzt für die 22/5-Lösung ausgesprochen. Warum ist dieses Modell aus Sicht Ihres Klubs der richtige Weg?

Als die Varianten Regionen- oder Kompassmodell auf dem Tisch lagen, lag die Präferenz des FC Memmingen beim Kompassmodell. Unser Sportvorstand Serge Ahrens hat auch hier schon immer wieder angemerkt, dass für den DFB die “kleineren Vereine”, wozu sich auch der FCM trotz ausgebauter Infrastruktur und intensiver Jugendarbeit nach wie vor zählt, in dem Konstrukt nach seiner Ansicht keine Rolle spielt. Bei dem neuen 22/5-Vorschlag wäre die Forderung, dass Meister aufsteigen müssen erfüllt, gleichzeitig würde die Regionalliga Bayern fortbestehen. Wir sind gespannt, wie entschieden wird.