"Ein architektonischer Fehler!": Regensburg-Boss Hausner lehnt Kerns 22/5-Modell ab
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 03.11.2026 10:44
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Jahn-Geschäftsführer Philipp Hausner hat eine klare Meinung zur Regionalliga-Reform.
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Bereits Wiesbadens Trainer Jochen Seitz hatte im jüngsten MagentaSport-Podcast „4zu3“ unmissverständlich Stellung bezogen – und die Auflösung der Regionalliga Bayern gefordert: „Ich bin komplett anderer Meinung als der Verbandspräsident (Dr. Christoph Kern, d. Red.), der die Regionalliga Bayern unbedingt beibehalten will. Was soll das? Ich verstehe es nicht! Die Regionalliga Bayern gehört tatsächlich aufgelöst, weil es dort kaum Vereine gibt, die in Richtung 3. Liga wollen. Teilweise gibt es dort Stadien, die überhaupt nicht regionalligatauglich sind…Da muss eine Lösung her. Dass Bayern sich dagegen wehrt, ist eine absolute Unverschämtheit!“
Für den früheren Hachinger Bundesliga-Profi kommen mehrere Alternativen infrage: „Das Kompass-Modell wäre eine Möglichkeit. Ich habe auch gelesen, dass vielleicht eine professionelle vierte Spielklasse mit zwei Staffeln geschaffen werden könnte. Auch das wäre ein Ansatz. Es gibt verschiedene Varianten. Jetzt muss eine klare Richtung vorgegeben und darüber abgestimmt werden. Wenn wir das schaffen, werden erst einmal alle sehr glücklich darüber sein.“
Am 18. Dezember soll die Regionalliga-Reform beim außerordentlichen DFB-Bundestag in Frankfurt auf den Weg gebracht werden: 22/5-Lösung oder Kompassmodell?
Wie kommt der Kern-Weg bei den bayerischen Drittligisten an? In Regensburg ist die Haltung jedenfalls eindeutig. „Eine Aufstockung der 3. Liga auf 22 Mannschaften bei fünf Absteigern ist aus Sicht des SSV Jahn ein architektonischer Fehler im deutschen Ligasystem“, sagt Hausner exklusiv gegenüber db24. Seine Begründung: „Die 2. Bundesliga spielt mit 18 Mannschaften, die darunterliegenden Regionalligen spielen ebenfalls mit 18 Teams. Dazwischen einen Flaschenhals mit 22 Mannschaften einzuziehen, kann als Versuch verstanden werden, das ungelöste Strukturproblem der Regionalligen auf Kosten der 3. Liga zu bereinigen. Auch im internationalen Vergleich ist eine solche Ligenform untypisch.“
Hausner verweist auf die gemeinsame Position der Drittligisten: „Die Drittligisten haben bei ihrer Managertagung im Sommer 2026 einstimmig festgehalten, dass es keine weiteren Veränderungen in der Ligastruktur der 3. Liga geben soll. An diesem Votum halten wir als SSV Jahn fest.“
Dass sich das 22/5-Modell dennoch durchsetzen lassen könnte, schließt Hausner, der sich zuletzt über einen Regesnburger 2:1-Sieg über Hansa Rostock freuen durfte, nicht aus. Er warnt allerdings vor den Folgen: „Ein solches Vorgehen würde jedoch die Konsenskultur des deutschen Fußballs stark beanspruchen. Denn die Umsetzung eines Modells, das gegen die Haltung der DFB-Spitze und der unmittelbar betroffenen Clubs herbeigeführt wird, kann nicht die Basis für eine funktionierende Ligen-Organisation sein.“
Vor allem wirtschaftlich sieht der Jahn-Geschäftsführer erhebliche Probleme: „Die Reform bedeutet eine operative und finanzielle Überbelastung ohne wirtschaftliche Perspektive. Wir kalkulieren für den SSV Jahn durch vier zusätzliche Spiele mit einem direkten signifikanten operativen Mehraufwand. Dem stehen kurz- bis mittelfristig keine entsprechenden Mehrerträge gegenüber.“
Hinzu kommt die Verteilung der TV-Gelder. Hausner: „Die unlängst neu vergebenen, zentralen Medienrechte wurden auf Basis einer 20er-Liga ausgeschrieben. Diese Erlöse würden künftig auf 22 statt 20 Clubs verteilt werden. Ohne ausgleichende Maßnahmen wäre auch das ein spürbarer Einnahmenverlust. Auch Werbe- und Sponsoringpakete oder Dauerkarten lassen sich nicht ad hoc skalieren oder verteuern.“
Mehr Spiele, mehr Belastung – aber kein entsprechender Mehrwert? Für Hausner geht die Rechnung nicht auf: „Ein 22er-Feld steigert die sportliche Attraktivität der Liga nicht, sondern führt lediglich zu einer Verkeilung des Spielplans und Mehrbelastungen für Spieler, Fans und Mitarbeiter. Weiters steigt die Wahrscheinlichkeit eines sportlichen Abstiegs, was für viele Drittligisten eine gravierende wirtschaftliche Bedrohung darstellt. Die Entwicklung deutscher Talente wird zudem weiter erschwert, was der erklärten Zielsetzung der 3. Liga entgegen steht.“
Ob sich 1860 mit diesen berechtigten Einwänden schon näher beschäftigt hat?
Für Hausner steht jedenfalls fest, dass die Dritte Liga „mit der Einführung des vierten Absteigers zur Saison 2018/19 eine Vorleistung erbracht hat“. Jetzt seien aus seiner Sicht die Regionalligen am Zug: „Der seither damit verbundene Arbeitsauftrag an die Regionalligen, ihre Strukturen im Gegenzug zu bereinigen, wurde nicht umgesetzt. Unserer Ansicht verbleibt deshalb nur der Ansatz, das Problem dort zu lösen, wo es entsteht: durch eine Reduzierung der Regionalligen auf vier Staffeln. Nur so kann jeder Meister direkt aufsteigen, ohne die Tragfähigkeit der 3. Liga weiter zu verschlechtern.“
