VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Beim Drittligisten SV Wehen Wiesbaden sorgt Jochen Seitz (50) nach dem Trainerwechsel für neuen Schwung – und in der Debatte um die Regionalliga-Reform für mächtig Zündstoff. Der frühere Hachinger Bundesliga-Profi nimmt vor allem die bayerische Staffel ins Visier. Seine knallharte Forderung: „Die Regionalliga Bayern gehört tatsächlich aufgelöst.“

Seit einigen Wochen trainiert Seitz die Wiesbadener – und das bislang sehr erfolgreich: Fünf Spiele, vier Siege. Die Probleme eine Etage tiefer kennt der frühere Offensivmann aus eigener leidvoller Erfahrung: Mit Kultverein Lok Leipzig wurde er zweimal Meister der Regionalliga Nordost, scheiterte aber jeweils in den Aufstiegsspielen zur Dritten Liga.

Jetzt platzt Seitz gegenüber „MagentaSport“ der Kragen. Sein Vorwurf: Während Lok bis zum letzten Spieltag um die Meisterschaft kämpfen und dann völlig ausgelaugt in die Relegation musste, hätten die Würzburger Kickers bereits Wochen vorher für die Aufstiegsspiele planen und Spieler schonen können. Für Seitz ein Skandal.

Und Seitz legt nach: „Die Regionalliga Bayern, wenn man es auch dieses Jahr wieder sieht: Wer ist bereit, aufzusteigen? Unterhaching hat letztes Jahr schon abgesagt. Die anderen Vereine, die eventuell noch aufsteigen könnten, sind unter ferner liefen. Da wird wahrscheinlich sich wieder nur ein Verein erklären, Richtung Dritte Liga gehen zu wollen.“

Damit dürfte Seitz vor allem den TSV 1860 meinen, der nach dem spektakulären 4:3 gegen Buchbach auf Platz zwei geklettert ist. Beim aktuellen Tabellenführer Memmingen weiß man nicht, ob die Allgäuer die Dritte Liga überhaupt schultern könnten.

Seitz hält die bestehenden Verhältnisse für ungerecht – besonders gegenüber dem Nordosten. Dort gebe es „so viele tolle Stadien und Fans“, die auch in die Dritte Liga gehörten. Seine scharfe Ansage: „Da muss einfach eine Lösung her. Dass sich Bayern dagegen wehrt, ist eine absolute Unverschämtheit.“

Deutliche Worte. Und reichlich Zündstoff für die kommenden Wochen in einer hitzigen Debatte.

Am 18. Dezember soll der außerordentliche DFB-Bundestag in Frankfurt über die Regionalliga-Reform entscheiden. Das DFB-Präsidium bringt das Kompassmodell zur Abstimmung: vier statt fünf Staffeln, deren Meister allesamt direkt aufsteigen würden. Bei Zustimmung soll die neue Struktur zur Saison 2028/29 starten. BFV-Präsident Dr. Christoph Kern setzt dagegen auf das 22/5-Modell: 22 Vereine in der Dritten Liga, fünf Absteiger – und damit ebenfalls ein direkter Aufstiegsplatz für jeden der fünf Regionalliga-Meister. Unterstützung bekommt er von Löwen-Präsident Gernot Mang, der diese Variante öffentlich favorisiert.