Trotz Kritik aus Bayern: DFB-Präsidium bringt Kompassmodell auf den Weg
- VON OLIVER GRISS UND GETTY (FOTO)
- 30.10.2026 13:01
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VON OLIVER GRISS UND GETTY (FOTO)
Nachdem BFV-Präsident Dr. Christoph Kern im db24-Interview jüngst seine Sichtweise auf das Kompassmodell erklärt hat und mit der 22/5-Variante einen Gegenvorschlag präsentiert hat, verschickte der DFB Freitagmittag nach der Sitzung in Frankfurt eine Pressemitteilung - mit der Botschaft: Der Außerordentliche DFB-Bundestag am 18. Dezember ist beschlossen und wird das sogenannte Kompassmodell zur Wahl stellen. Dieses Modell beinhaltet eine Reduzierung der Regionalliga von fünf auf vier Staffeln, aus denen alle Meister direkt aufsteigen. Die Regionalliga würde 80 Mannschaften umfassen (derzeit 90).
Die Verteilung der qualifizierten Klubs auf die vier Staffeln würde anhand der geringsten Reisestrecken vorgenommen, nicht mehr aufgrund der Zugehörigkeit zu einem Regional- oder Landesverband. Gesonderte Regelungen können getroffen werden, sollten einer der Staffeln mehr als sieben zweite Mannschaften von Lizenzvereinen angehören. Auch andere Härtefälle wie der Erhalt von Derbys aufgrund räumlicher Nähe sind bei der Staffeleinteilung zu prüfen.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf erklärte in der Stellungnahme: “Das Kompassmodell hat in einer bundesweiten Vereinsbefragung im Sommer eine Mehrheit erzielt. Dem wollen wir mit unserem Antrag Rechnung tragen. Vier Meister, vier direkte Aufsteiger: Dieses klare Prinzip schafft endlich Verlässlichkeit. Zugleich wollen wir die Rahmenbedingungen für die Vereine nachhaltig verbessern und die Talentförderung durch die Leistungsverdichtung stärken. Die Entscheidung liegt nun beim Außerordentlichen Bundestag. Wir werden den Delegierten und Vereinen unseren Antrag in den kommenden Wochen umfassend erläutern.”
Im Falle der Zustimmung durch den Außerordentlichen DFB-Bundestag wäre die Saison 2028/2029 die erste in der neuen Struktur. Die Spielzeit 2027/2028 würde als Qualifikationssaison dienen. Neben den vier Absteigern aus der Dritten Liga würden sich jeweils 14 Teams aus den bisherigen Staffeln Bayern und Nordost, 15 Mannschaften aus dem Norden, 16 aus dem Westen und 17 aus der Südwest-Staffel für die viergleisige Regionalliga qualifizieren. Auf- und Abstieg wären auf der 4. Spielklassenebene künftig einheitlich geregelt. Die vier Meister würden alle direkt aufsteigen, in jeder Staffel gäbe es vier feste Absteiger.
Sollte das Kompassmodell den Zuschlag bekommen, würde sich die Regionalliga Bayern auflösen, denn der DFB würde eine neue Struktur im DFB gründen. Verbunden wäre dies mit einer einheitlichen Organisation, einer zentralen Vermarktung und einheitlichen Zulassungsvoraussetzungen für alle Staffeln. Für den Bayerischen Fußball-Verband hätte dies schwerwiegende Folgen, wie Kern im db24-Interview erklärte: “Wir würden insbesondere an digitaler Reichweite verlieren und Einbußen aus der daraus resultierenden Eigenvermarktung haben – weniger Geld im Haushalt bedeutet weniger Spielraum, und das würde alle Fußballerinnen und Fußballer in Bayern betreffen. Wir sind mit der Regionalliga Bayern Spitzenreiter in der digitalen Welt. Nur vergleicht das keiner. Heutzutage sind aber gerade diese Kennzahlen immens wichtig für Gespräche mit Partnern aus der Wirtschaft, die eine zeitgemäße Kommunikation auf allen Kanälen einfordern und bei uns auch dank der Regionalliga Bayern bekommen. Wir sind dort, wo die Menschen heute unterwegs sind ganz, ganz vorne dabei.”
Der DFB hat aber bereits zugesagt, dass er bei einer erfolgreichen Reform die Regionalverbände finanziell entschädigen würde. Neben den bestehenden Zahlungen aus dem Grundlagenvertrag soll jeder Regionalverband zusätzlich Zuwendungen in Höhe von jeweils mindestens 500.000 Euro jährlich erhalten. Den Klubs, die mit ihrer ersten Mannschaft in der Regionalliga spielen, garantiert der DFB mindestens 40.000 Euro pro Jahr. Darüber hinausgehende Erlöse aus der dann zentralen Vermarktung der 4. Liga würden zu 90 Prozent an die Klubs ausgeschüttet werden.
