Eichstätts Fußball-Boss Boss Grimm: „Wir hätten das Doppelte an Karten verkaufen können“
- VON OLIVER GRISS UND FOTO (PRIVAT)
- 25.10.2026 08:58
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VON OLIVER GRISS UND FOTO (PRIVAT)
Und der ist eine echte Festung in der Regionalliga Bayern. In der Heimtabelle liegt der VfB auf Rang drei – noch vor den Löwen. Die Bilanz: sieben Spiele, fünf Siege. Mit einem Erfolg über die großen Sechzger könnten die Eichstätter sogar wieder die Pole Position in dieser Wertung übernehmen. „Wir freuen uns unglaublich auf die Löwen“, sagt Grimm: „Wir werkeln seit zwei Wochen, dass das ein toller Tag in Eichstätt wird. Wir haben volle Hütte und sind top motiviert.“
Die Löwen dürfen sich auf einen unangenehmen Gegner einstellen. Grimm kündigt an: „Wir kommen über die Galligkeit und Robustheit – das ist unsere Mentalität.“ Einen frühen Rückstand sollten die Sechzger deshalb unbedingt vermeiden. Sonst könnten den Eichstättern vor ausverkauftem Haus Flügel wachsen.
Dass sich der Underdog nach seinem Fehlstart wieder stabilisiert hat, hängt eng mit der Rückkehr von Aufstiegscoachx Markus Mattes zusammen. „Er ist für uns unfassbar wichtig“, erklärt Grimm: „Deswegen sind wir wieder auf ihn zugegangen. Er macht einfach überragende Arbeit. Ein Stück weit kann man schon von Handauflegen sprechen“, sagt er und lacht.
Wie groß die Vorfreude auf 1860 ist, zeigte sich beim Ticketverkauf. „Wir sind vor sechs Wochen in den Vorverkauf gegangen – und innerhalb eines Tages waren alle Tickets weg. Wir haben auch die umliegenden 1860-Fanclubs versorgt und die Münchner Szene. Im freien Verkauf war leider nicht mehr viel da. Wir hätten das Doppelte an Karten verkaufen können“, berichtet Grimm. Ein Umzug ins Ingolstädter ESV-Stadion war dennoch kein Thema: „Das hätte sich nicht gerechnet.“
Dass die Löwen überhaupt zu einem Punktspiel nach Eichstätt kommen, findet Grimm „krass“. Er verbindet mit den Sechzgern schließlich ganz andere Erinnerungen: „Ich war damals gegen Leeds im Olympiastadion, als es für 1860 um die Champions League ging – und jetzt dürfen wir diese Mannschaft in Eichstätt begrüßen, die eigentlich in andere Sphären gehört. Das ist schon verrückt, auch wenn es natürlich sehr schade ist, dass 1860 seinen Neuanfang in der Regionalliga plant.“
Den Zwangsabstieg der Löwen hat Grimm genau verfolgt. „Ich komme ja aus der Nürnberger Fanszene. Ich bin klar für 50+1, bin aber auch der Meinung, dass bei den Löwen sehr viel falsch gelaufen ist. Wahrscheinlich ist es so, dass jeder ein Feindbild braucht. Jetzt kann 1860 selbständig wirtschaften. Ich bin gespannt, was bei diesem Neuanfang rauskommt.“
In Eichstätt sind die wirtschaftlichen Grenzen klar gesteckt. Die Spieler sind reine Feierabend-Fußballer. „Wir trainieren dreimal die Woche – ab und zu viermal. Unsere Spieler bekommen Fahrtgeld, sind in Sachen Gehälter absolute Geringverdiener im Liga-Vergleich. Wir suchen keine Spieler in der Dritten Liga, sondern in der Bayernliga oder Landesliga“, stellt Grimm klar.
An Ehrgeiz mangelt es dem VfB trotzdem nicht. „Wir sind einmal hinter dem FC Bayern II Amateurmeister geworden und durften danach im DFB-Pokal gegen Hertha BSC spielen. Das war unser Highlight. Das war das Höchste der Gefühle.“ Von der Dritten Liga träumt in Eichstätt jedoch niemand: „Sich Gedanken über die Dritte Liga zu machen, ist bei uns nicht möglich. Das können wir nicht leisten. Die Regionalliga ist für uns das Nonplusultra.“
Umso gespannter schaut Grimm auf den DFB-Bundestag am 18. Dezember, bei dem es um die geplante Regionalliga-Reform geht. „Das Kompassmodell ist nicht unsexy, aber aus unserer Sicht ist das 22/5-Modell die Variante, die am wenigsten Wirbel macht“, sagt er. Seine Begründung: „Dann können alle Meister aufsteigen. Aber wenn’s am Ende das Kompassmodell wird, werden wir uns dagegen nicht verwehren. Wir wissen aber auch, dass wir nicht das größte Sprachrohr sind.“
