VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Zumindest zeigte sich Florian Niederlechner (35) nach der Watschn im Mini-Derby gegen den FC Bayern II (2:4) selbstkritisch: Bevor die Roten in Führung gingen, hätte der frühere Bundesliga-Torjäger schon auf 1:0 stellen müssen. Hinterher sagte der Wahl-Rosenheimer: „Wir haben eine Großchance nach der anderen verblasen. Unter anderem natürlich ich. Das tut unheimlich weh. Einer wie ich muss in so einem Spiel vorangehen, muss die Chancen machen, dann geht es ganz anders aus. Die Chancenverwertung – das zieht sich ein bisschen durch die Hinrunde durch – war nicht gut.“

Und genau das entscheidet eben auch darüber, ob 1860 eine Top-Mannschaft ist – oder eher Durchschnitt. Bei den Großchancen eines früheren Bundesliga-Stürmers greift der Verweis auf die schwierige Vorbereitung zu kurz. Hier ist Qualität gefragt. Bislang hat Niederlechner fünf Saisontreffer erzielt. Zehn hätten es angesichts seiner Möglichkeiten durchaus sein können.

Deswegen verwundert es nicht, dass Alper Kayabunar am Mittwoch – in der ersten Einheit nach der ersten Heimpleite – den Torabschluss erneut in den Fokus der Arbeit stellte.

Als Niederlechner im Sommer 2026 signalisierte, dass er nach dem Zwangsabstieg den Weg in den Amateurfußball mitgehen wolle und dafür auch dem österreichischen Traditionsverein Austria Salzburg absagte, fragte db24 ganz bewusst: „Wird Niederlechner der neue Mölders?“ Bislang ist der frühere Freiburger diesen Beweis schuldig geblieben. Während Mölders mit Toren und Temperament das Gesicht des Wiederaufbaus wurde, sucht Niederlechner weiter seine Form.

Dass er ein guter Bundesliga-Stürmer war, steht außer Frage: In 197 Erstliga-Spielen erzielte er 45 Tore. Doch seine Gegenwart heißt Regionalliga Bayern. Diesen Schritt hätte er nach eigener Aussage für keinen anderen Verein gemacht als für seinen Herzensklub 1860. Umso größer ist der Anspruch – auch sein eigener.

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Trotz aller Enttäuschung hat Niederlechner inzwischen einen Platz in einer besonderen Rekordliste: Er gehört zu den zehn ältesten Spielern, die jemals für die Löwen aufgelaufen sind. Am Samstag wird er 36. Beim 2:4 gegen Bayern war der Familienvater 35 Jahre, elf Monate und 24 Tage alt – und belegt damit Rang acht.

Das Klassement führt Gabor Kiraly an. Bei seinem letzten Einsatz für 1860, dem 0:3 gegen RB Leipzig, war der Kult-Torwart 38 Jahre, vier Monate und neun Tage alt. Ältester Feldspieler ist Ex-Nationalspieler Erich Beer: Beim 0:2 am 29. September 1984 in Ampfing, zu den wilden Bayernliga-Zeiten, war der Franke 37 Jahre, neun Monate und 20 Tage alt.

Und um Mölders wenigstens in dieser Tabelle zu überholen, bräuchte Niederlechner, dessen Vertrag am 30. Juni 2027 ausläuft, eine weitere Saison bei 1860. Die kann er sich am besten mit Toren verdienen. Nur dann wächst auch der Status an der Grünwalder Straße 114.