Liefern, Löwen!
- VON OLIVER GRISS
- 21.10.2026 16:09
- 2 Minuten Lesezeit
- 41 Kommentare
VON OLIVER GRISS
Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Löwen, einer der großen deutschen Traditionsvereine, spielen in der Regionalliga Bayern. In einer Liga, in der viele Fußballer nach Feierabend trainieren, weil sie tagsüber arbeiten oder studieren.
Bei 1860 dagegen existiert auch nach dem Absturz das Vollprofitum. Der Altmeister hat bessere Trainingsmöglichkeiten als viele Konkurrenten, eine phänomenale Unterstützung seiner Fans und einen für diese Spielklasse beachtlichen Sponsoren-Pool. Dazu kommt der Standortvorteil: München zieht. Diese Voraussetzungen gehören genauso zur Bewertung wie die schwierigen Umstände des Neustarts. Aber: Die Regionalliga und die Dritte Liga sind prinzipiell Wechselligen. Große Umbrüche? Völlig normal.
Nach der 2:4-Pleite im kleinen Münchner Derby gegen den FC Bayern II stellt sich deshalb umso dringender die Frage: Was machen die Löwen aus ihren Möglichkeiten?
Gegen die Bubis der Roten, die mit zwei 16-Jährigen und einem 17-Jährigen in der Viererkette antraten und längst nicht mehr die Qualität früherer Tage haben, reichte es jedenfalls nicht. Die Niederlage verstärkt die Zweifel, ob dieser Kader die Qualität und Ausgewogenheit einer Spitzenmannschaft besitzt. Natürlich ist noch nichts verloren. Doch je mehr Spieltage vergehen, desto deutlicher wird: Das ist bislang zu wenig!
Trauen Sie Präsident Mang und dessen Mannschaft zu, die Löwen besser zu machen?
Im Angriff fehlt trotz des früheren Bundesliga-Stürmers Florian Niederlechner die Durchschlagskraft. Eine klare Spielanlage ist zu selten erkennbar, in einigen Mannschaftsteilen mangelt es an Geschwindigkeit. Und auch bei der Intensität darf man von einer Profimannschaft mehr erwarten. Der aktuelle Punkteschnitt: 1,71 Zähler pro Spiel. Eine Zwischenbilanz, die den Ansprüchen der Löwen kaum genügen kann.
Präsident Gernot Mang verweist immer wieder auf die „sehr, sehr junge Mannschaft“. Nur: Mit Routiniers wie Vitus Eicher, Florian Niederlechner, Michael Eberwein oder Dennis Dressel lässt sich das bisherige Abschneiden schwerlich allein mit jugendlicher Unerfahrenheit erklären. Auch von Manfred Paulas 22 Jahren Erfahrung im Profifußball ist bislang wenig zu spüren.
Gegenüber „vol.at“ hat Mang zuletzt selbst den Maßstab formuliert: „Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Jetzt müssen wir zeigen, dass wir es können.“ Daran müssen sich die Löwen messen lassen.
Noch kann 1860 diesen mittelprächtigen Start korrigieren. Allzu viel Zeit sollte sich die Mannschaft damit aber nicht mehr lassen – unabhängig davon, wer am Ende eine Zulassung für die Dritte Liga beantragt. Der eigene Anspruch darf schließlich nicht davon abhängen, ob die Konkurrenz überhaupt aufsteigen will.
