Das db24-Interview mit Derby-Held Daniel Hoffmann: "Bayern II? Wenn du das Spiel verlierst, müssen sich die Löwen eine Woche lang verstecken"
- VON OLIVER GRISS UND GETTY/IMAGO (FOTOS)
- 18.10.2026 07:15
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VON OLIVER GRISS UND GETTY/IMAGO (FOTOS)
db24: Servus, Herr Hoffmann! Zunächst eine leichte Einstiegsfrage zum bevorstehenden Vergleich zwischen 1860 und dem FC Bayern II (heute, 14 Uhr, db24-Ticker): Ist das überhaupt ein richtiges Derby?
DANIEL HOFFMANN (54): Ja, es ist ein Derby. Es ist Sechzig gegen Bayern. Das ist wie Hansa Rostock gegen den Greifswalder FC – auch ein Derby in Mecklenburg-Vorpommern (lacht). Letzten Dienstag wollte ich die Löwen gegen Bayreuth im Fernsehen schauen, habe das Spiel aber nirgends gefunden. Im Bayerischen Fernsehen kam kein Fußball. Ich wollte die Zeit bis zum Bayern-Spiel in der Champions League überbrücken …
db24: Das Spiel lief nur im YouTube-Stream – vierte Liga halt. Aber lassen Sie uns lieber über damals sprechen: über die Jahrhundert-Saison 1999/2000 mit zwei Derby-Siegen – und mit Ihnen im Löwen-Tor…
Das war eine sensationelle Saison. Die Truppe war echt geil. Innerhalb der Mannschaft stimmte es einfach. Es gab keinen Stinkstiefel. Wir waren ein Selbstläufer, weil wir alle Bock hatten, etwas zu erreichen. Ohne Werner Lorant zu nahe treten zu wollen: Wir haben vieles intern geregelt. Wir sind nicht nur Vierter geworden, sondern haben den Kleinen (Thomas „Icke“ Häßler, d. Red.) auch noch zur EM gebracht. Bernhard Winkler und Markus Schroth sind für ihn mitgelaufen. Die hatten beide einen Vierer-Laktat.

db24: Der erste Derby-Sieg durch das Goldtor von Thomas Riedl am 27. November 1999 war das Sahnehäubchen – vor allem, weil dieses Duell zwischen Blau und Rot auch 5:0 hätte ausgehen können.
Wir haben das Ding gerockt. Das war schon genial. Ich kann mich noch gut erinnern, wie Karl-Heinz Wildmoser kurz vor dem Anpfiff in die Kabine kam und sagte: „Heute gibt’s doppelte Punktprämie!“ Auf meinem Gehaltszettel hat es am Monatsende richtig geknallt. Allein für den Sieg gegen Bayern gab es statt 6.000 dann 12.000 Mark. Das war damals sehr viel Geld.
db24: Können Sie sich noch an die Feier danach erinnern?
Wir waren alle im Maximilians. Normalerweise war das das Revier der Bayern. Aber an diesem Abend war da keiner von denen drin (lacht). Ich bin richtig stolz, dass ich Teil dieser Mannschaft war. Eine große Ehre, weil 1860 nie wieder besser war. Es wird immer wieder vergessen, dass nicht der Michi (Michael Hofmann, d. Red.) in beiden Derbys im Tor stand, sondern ich – der Hoffmann mit zwei f. Manchmal muss ich Löwen-Fans darüber aufklären (lacht). Aber zu dieser Verwechslung gibt es auch eine wilde Geschichte …
db24: Wir sind ganz Ohr…
Vor dem zweiten Derby hatten wir eine Spielersitzung im Mercure-Hotel in Neuperlach. Werner Lorant hatte „Hofmann“ auf die Flipchart geschrieben. Ich bin erst einmal im Stuhl tief versunken – und eine Reihe vor mir ist der Michi immer größer geworden. Ich dachte mir nur: Was hat den Werner da geritten? Plötzlich sagt Lorant: „Dicker, pass auf! Der Scholl schießt die Freistöße immer über die Mauer!“ Dann habe ich ihn aufgeklärt: „Trainer, du hast den Michi draufgeschrieben.“ Er: „Was soll jetzt der Scheiß? Kann man sich nicht mal vertun?“ Wir haben auch das zweite Stadtderby gewonnen. Aber so war Lorant: Einmal hatte er zwölf Spieler auf der Tafel. Weil Holger Greilich das so witzig fand und laut gelacht hat, hat er ihn kurzerhand aus der Startelf gestrichen…
db24: Wie haben sich die Derbys früher angefühlt?
Die Brisanz zwischen Blau und Rot war wirklich einzigartig. Die Kluft, die heute da ist, wirst du nie wieder aufholen. Ich will bei 1860 keinem zu nahe treten, aber als Verein wirst du erst wieder richtig wahrgenommen, wenn du im richtigen Profifußball vertreten bist. Und dieser Weg nach oben könnte sehr steinig werden. Umso mehr wünsche ich mir, dass 1860 dieses Spiel gewinnt – auch wenn es nur ein kleines Derby ist. Die drei Punkte sind wichtig, um in die nächsthöhere Liga zu kommen. Aber die Sau rauslassen nach einem Sieg? Das ist die U23, Freunde! Und wenn du dieses Spiel verlierst, müssen sich die Löwen eine Woche lang verstecken…
db24: Wie sehen Sie 1860 heute?
Wenn der Plan für den Neuanfang bis zum Ende durchdacht ist, müssen wir uns keine Sorgen machen. Aber was passiert, wenn Hasan Ismaik die Löwen vors Gericht zieht und recht bekommt? Was passiert dann mit dem Verein? Vor welchem Hintergrund wurde die Insolvenz angemeldet? Du hast von den Profis bis zur U19 rund 60 Vertragsspieler. Die haben alle einen gewissen Marktwert. Ich frage mich: Warum wurde kein einziger Spieler verkauft, um das Unternehmen zu retten? Allein für Sigurd Haugen hättest du mehrere 100.000 Euro bekommen. Und es gab ja noch andere Spieler, die man hätte verkaufen können. Je öfter ich mich damit beschäftige, desto mehr Bauchweh habe ich.
db24: Bislang hört man wenig darüber, was Hasan Ismaik vorhat…
Für mich ist das alles ein großes Risiko. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da nichts mehr kommt. Der Mann hat 80 Millionen Euro in den Fußball gepumpt. Ich weiß nicht, ob er sich das gefallen lässt. Wenn ich jedes Jahr Geld reinschießen muss und nicht weiß, was damit passiert, würde ich auch mal fragen: Was macht ihr eigentlich mit meinem Geld? Das würde jeder von uns so machen. Wenn mich mein Nachbar fragt: „Leih mir mal 2.000 Euro zum Tanken!“, würde ich ihm sagen: Hol dir ein Fahrrad oder fahr E-Auto!
db24: Also ist die Geschichte für Sie noch lange nicht durch?
Nein! Ich glaube, solange der Fall Ismaik nicht abgeschlossen ist, wird sich auch kein Investor mehr bei 1860 engagieren. Und die Entscheidung kann sich Jahre hinziehen. Somit ist 1860 vermutlich in seiner eigenen Befreiung gefangen. Erst wenn alles geklärt ist, kann ein echter Neuanfang beginnen.
