Das db24-Interview mit Illertissens Vorstand Jenuwein: "Ich bin sicher, dass 1860 die Relegation spielt"
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 08.10.2026 10:00
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
db24: Herr Jenuwein, Sie sind seit Jahrzehnten Löwen-Fan und gleichzeitig auch in der Vorstandschaft des FV Illertissen für die Sponsoren zuständig. Schlagen am Samstag beim Aufeinandertreffen in der Regionalliga Bayern zwei Herzen in Ihrer Brust?
ANTON JENUWEIN: Ja, tatsächlich. Das ist ein blödes Spiel für mich. Ich bin seit 60 Jahren Mitglied in Illertissen, davon 40 Jahre in der Vorstandschaft. Ich habe auch lange für diesen Verein gespielt. Und die Löwen sind halt auch mein Verein. Ich bin seit 60 Jahren Fan. Mein Vater hat mich damals mit ins Grünwalder Stadion genommen, als der Radi noch spielte. Seitdem bin ich mit dem Löwen-Virus infiziert. Das hat mich nie mehr losgelassen. Deswegen schlagen am Samstag zwei Herzen in meiner Brust. Ein Unentschieden wäre genau mein Ergebnis. Damit könnte ich leben (lacht).

db24: Wie laut schlägt Ihr Löwen-Herz noch?
Man braucht schon sehr viel Herzblut, um überhaupt noch dabeizubleiben – da bin ich ganz ehrlich. Ich bin seit 30 Jahren Lebensmitglied. Die letzten Jahre waren nicht einfach. Ich kann nicht verstehen, was man da alles gemacht hat. In unserer Region werden es immer weniger Löwen-Fans, neue kommen auch nicht dazu. Um es vorwegzunehmen: Ich bin für Profifußball bei 1860, alles andere ist uninteressant. Ich war schon länger nicht mehr im Grünwalder Stadion, auch weil es sehr schwierig ist, an Karten zu kommen. Viele Löwen-Spiele überschneiden sich zudem mit unseren. Aber ich bin ganz ehrlich: Auch die Dritte Liga hat mich nicht vom Hocker gerissen.
Ich war auf der Mitgliederversammlung 2024. Das war eine peinliche Veranstaltung. Allein, wie man mit Fredi Heiß umgegangen ist – da fällt einem nichts mehr ein. Ich bin auch nicht bis zum Schluss geblieben. Irgendwann war’s mir zu blöd.
db24: Eine durchaus verständliche Sichtweise, wenn man weiß, woher 1860 kommt…
JENUWEIN: Ich war auf der Mitgliederversammlung 2024. Das war eine peinliche Veranstaltung. Allein, wie man mit Fredi Heiß umgegangen ist – da fällt einem nichts mehr ein. Ich bin auch nicht bis zum Schluss geblieben. Irgendwann war’s mir zu blöd. Man hat die Wahlen mit Absicht hinausgezögert. Es war schon richtig bitter, wenn man gesehen hat, welche Leute gewählt und welche Geschäftsleute abqualifiziert wurden. Das war völlig unverständlich. Und jetzt müssen wir eben mit dem Resultat leben.
Präsident Gernot Mang kann ich noch nicht abschließend beurteilen. Aber wenn ich den Verwaltungsrat mit diesen Leuten sehe, kann ich mich damit nicht identifizieren. Da ist keiner dabei, der vom Sport irgendeine Ahnung hat. Und genau das ist eines der Hauptprobleme bei 1860.
db24: Wie sehen Sie die 1860-Führungsebene?
Präsident Gernot Mang kann ich noch nicht abschließend beurteilen. Aber wenn ich den Verwaltungsrat mit diesen Leuten sehe, kann ich mich damit nicht identifizieren. Da ist keiner dabei, der vom Sport irgendeine Ahnung hat. Und genau das ist eines der Hauptprobleme bei 1860. Positiv finde ich aber, dass sich die Fans jetzt wieder anständig aufführen. Das war in den letzten Jahren nicht mein Stil. Aber dann sind wir wieder bei der Mitgliederversammlung. Und was viel schlimmer ist: Es wurde alles toleriert …
db24: Im Sommer kam’s dann zum neuerlichen Zwangsabstieg in die Regionalliga…
Ich bin aus allen Wolken gefallen. Mir ist bis heute ein Rätsel, wie es so weit kommen konnte. Ich dachte wirklich, dass beide Seiten aus 2017 gelernt hätten. Ich habe die Aussagen von Daniel Bierofka gelesen und bin da bei ihm: Man hat die letzten neun Jahre einfach weggeworfen. Jetzt ist man wieder so weit wie 2017, aber ohne Investor. Ob das ein Vorteil ist, wage ich zu bezweifeln. Ich blicke nicht so richtig durch, was da abgeht. Wirtschaftlich sehe ich ein großes Fragezeichen. Ich tue mir wahnsinnig schwer, das zu beurteilen. Man erfährt ja nichts. Ich weiß nicht, ob da mit offenen Karten gespielt wird.
db24: Wie sahen Sie Ismaiks Rolle bei 1860?
Zwiegespalten. Ismaik hat zweifelsohne Fehler gemacht. Und er war 2017 sportlich nicht gut beraten, als er mit aller Gewalt aufsteigen wollte. Ich kann mir jetzt nicht vorstellen, dass er alles so hinnimmt, nachdem er in all den Jahren so behandelt wurde. Ismaik wird versuchen, vor Gericht zu gehen. Sonst hätte er sich ja nicht Peter Gauweiler als Anwalt genommen. Derzeit ist alles sehr ruhig. Aber ich denke, das ist die Ruhe vor dem Sturm.
Für mich sind die Löwen klarer Favorit, zumal sie jetzt auch ein wenig in Schwung gekommen sind. 1860 hat viel Erfahrung in der Mannschaft, wir dagegen haben ein sehr junges Team, das sich überragend schlägt.
db24: Zurück zum Sport: Wird das Duell mit 1860 ein Spiel auf Augenhöhe?
Für mich sind die Löwen klarer Favorit, zumal sie jetzt auch ein wenig in Schwung gekommen sind. 1860 hat viel Erfahrung in der Mannschaft, wir dagegen haben ein sehr junges Team, das sich überragend schlägt. Wenn wir ein Pünktchen holen würden, wäre das ganz toll. Für uns ist die Regionalliga ein Riesenaufwand. Dass wir seit 2012 ununterbrochen dabei sind, spricht für uns. Die Klasse zu halten, ist Jahr für Jahr sehr schwierig. Illertissen ist eine Kleinstadt mit 18.000 Einwohnern. Die Regionalliga ist bei unseren Vereinsstrukturen das Höchste der Gefühle. Sieben Leute schmeißen bei uns den ganzen Klub.
db24: Und trotzdem spielt Illertissen immer wieder eine gute Rolle…
JDer Vater unseres langjährigen Trainers Holger Bachthaler ist seit 30 Jahren Sportvorstand. Da ist ein riesiges Netzwerk vorhanden, deswegen haben wir immer wieder eine gute Mannschaft. Wir trainieren viermal die Woche am Abend. Das macht einen Wechsel nach Illertissen auch für junge Spieler attraktiv. Viele sehen uns als Sprungbrett. Milos Cocic wechselte von 1860 zu uns. Er war sehr gut. Jetzt spielt er beim FC Vaduz in der Schweiz.
db24: Ihr Klub hat für diese Partie eine Sondergenehmigung beantragt: 5.000 Zuschauer dürfen rein. War die einfach zu bekommen?
Das war völlig unproblematisch. Die Stadt hat uns ausnahmsweise geholfen – sie unterstützt uns nicht immer. Vor einem Jahr hatten wir im DFB-Pokal gegen Nürnberg auch 5.000 Zuschauer in unserem Stadion. Wir haben bereits weit über 4.000 Karten verkauft und noch einen Restbestand von 300 bis 400 Tickets. Die Wettervorhersage ist nicht so gut. Dennoch gehe ich davon aus, dass wir weitgehend voll werden.
db24: Sollte Illertissen in der Rückrunde noch um den Aufstieg spielen: Würde Ihr Verein die Lizenz für die Dritte Liga beantragen?
Nein! Wir können sie nicht beantragen, weil das mit unserem 50 Jahre alten Stadion nicht funktionieren kann. Das ist kein Fußballstadion, sondern ein Leichtathletikstadion. Es kommt keine Stimmung auf, das ist alles Käse. Wir drängen seit Längerem auf einen Umbau, aber bislang hat die Stadt immer abgelehnt. Wir wollen ihr jetzt einen Plan mit einer Tribüne vorlegen. Ob das etwas wird? Keine Ahnung! Deswegen ist die Dritte Liga aktuell kein Thema. Das ist für unsere guten Spieler immer wieder ein Problem, weil sie wissen, dass sie bei uns nicht aufsteigen können. Deshalb haben wir alle zwei, drei Jahre einen großen Wechsel in der Mannschaft.
db24: Am 18. Dezember könnte die Regionalliga-Reform beschlossen werden. Wie blicken Sie darauf?
Ich finde das Kompassmodell nicht schlecht. Wir liegen an der Grenze zu Baden-Württemberg und würden wahrscheinlich profitieren, mit Spielen gegen Ulm oder Stuttgart. Nichts gegen Vilzing, aber das ist für uns eine Tagesreise. Lukrativer wäre das dann schon. Was ich weniger verstehen kann: Für die Qualifikation soll nur die nächste Saison zählen und nicht die letzten zwei, drei Jahre. Das wäre fairer. So gehe ich davon aus, dass die Vereine nächste Saison richtig viel Geld in die Hand nehmen werden, um sich zu qualifizieren.
db24: Wer geht für die Regionalliga Bayern in die Relegation?
Ich bin sicher, dass 1860 die Relegation spielt, weil sonst kein anderer Verein da ist. Ob die Löwen es dann schaffen, ist ein anderes Thema. Buchbach ist zwar derzeit Erster, wird aus meiner Sicht aber nicht in die Relegation gehen. Vielleicht hat’s Memmingen im Kreuz. Und die Hachinger sagen ja selbst, dass sie in dieser Saison noch nicht wollen.
