Ansbachs Fußball-Boss im db24-Interview: "Werden uns nicht hinten reinstellen - wir wollen in München etwas holen!"
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 03.10.2026 10:24
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
db24: Servus, Herr Hasselmeier! 1860 gegen Ansbach – es steht eine Premiere auf Punktspiel-Ebene an. Ist es das größte Spiel der Vereinsgeschichte?
CHRISTOPH HASSELMEIER: Absolut! Es gibt nichts Größeres! Für uns ist es das größte Spiel der Vereinsgeschichte. Wir waren zwar 2002 mal kurz in der Drittklassigkeit – zu diesem Zeitpunkt waren die Sechzger übrigens noch in der Bundesliga. Aber etwas Vergleichbares hatten wir noch nicht. Wir gehen mit purer Vorfreude in diese Partie. Das wird ein Riesenerlebnis, wir wollen das genießen. Uns werden auch so viele Fans wie noch nie begleiten: Zwischen 850 und 1.000 sind dabei. Das ist einfach großartig für unseren Verein. Als der Spielplan der Regionalliga Bayern herausgekommen ist, haben wir natürlich alle sofort geschaut: Wann kommen die Löwen zu uns? Das wird ein Mega-Spektakel. Aber jetzt sind wir erst einmal in München …
db24: Wie haben Sie den Zwangsabstieg der Löwen wahrgenommen?
Zunächst finde ich es sehr traurig, dass so ein großer Verein in die Regionalliga absteigen musste. Man muss ja auch wissen, was da alles dranhängt. Ich habe sofort gewusst, dass dieses Ereignis viele Menschen traurig macht.
db24: Ansbach war katastrophal in die Saison gestartet. Dann hat sich das Blatt gewendet: Aus den letzten vier Spielen holte die SpVgg zehn Punkte. Was ist passiert?
Wir wussten selbst nicht, was los ist. Aber wir wussten, dass wir einen guten Kader für die Liga haben – und sind verdammt froh, dass wir in den letzten vier Spielen zehn Punkte geholt haben. Eines will ich klarstellen: Wir fahren nicht nach München, um Oktoberfest-Luft einzuatmen, sondern um etwas mitzunehmen. 1860 ist zwar ein großer Name, aber sportlich trennen uns keine Welten. Es gibt einen Grund, warum wir in derselben Liga spielen. Wir werden uns in München definitiv nicht hinten reinstellen. Ich will es noch einmal sagen: Auch wenn wir einen schlechten Saisonstart hatten, wollen wir bei 1860 etwas holen. Keiner denkt an Lampenfieber, weil 15.000 Zuschauer im Stadion sind.
db24: Ein Blick in Ihre Vita zeigt: Sie haben als Bayern-Jugendspieler auch Derbys gegen 1860 gespielt. Sind Sie also eher rot angehaucht?
Nein, bei mir ist das nicht so. Ich war immer Club-Fan. Und 1860 war mir immer sympathisch, ich fand den Klub immer spannend. Ich war sogar schon bei 1860 und habe dort in der U17 mittrainiert. Ernst Tanner, Dennis Bushuev und Alexander Schmidt wollten mich unbedingt nach München lotsen. Am Ende war es so: Mein Vater hat die Stadt vorgegeben und gesagt: „Bua, den Verein kannst du dir selbst aussuchen!“ Ich bin dann zu Bayern. Finanziell war das natürlich auch lukrativer.
db24: Die Löwen arbeiten unter Vollprofi-Bedingungen und haben in dieser Woche sogar zweimal geheim trainiert. Wie läuft das in Ansbach?
(lacht) In einer normalen Woche trainieren wir dreimal – am Abend! Wir sind alles Amateurfußballer. Für uns ist das Leidenschaft und kein Beruf. Jeder von uns geht einer normalen Beschäftigung nach. In der letzten Saison hatten wir einen Stuckateur im Team, der rechts hinten verteidigt hat. Der ist um sechs Uhr morgens in die Arbeit, hat um sechs Uhr abends aufgehört und kam danach ins Training. Seine Belastung war enorm, aber mit großem Willen ist alles möglich. Bei uns gibt es keine finanzielle Entschädigung. Wir haben 130 Sponsoren, jeder gibt einen kleinen Beitrag. Bei uns arbeitet jeder ehrenamtlich! Was ich bei dieser Gelegenheit auch nicht unerwähnt lassen will, um das alles richtig einzuschätzen: In Buchbach machen sie einen richtig guten Job. Das ist auch so ein kleiner Verein. Aber die Buchbacher haben ganz andere finanzielle Möglichkeiten als wir. Was uns ausmacht – und das ist ein Alleinstellungsmerkmal: Wir haben 18 Spieler aus der eigenen Jugend im Kader. Wir haben die höchste Durchlässigkeit. Das ist unser Rückgrat.
db24: Mit Fabio Wagner spielt ein Ansbacher inzwischen bei 1860…”
Wir haben ihn als jüngeren A-Jugendspieler sofort in die Erste übernommen. Er hat großes Talent und bei uns auch schon Regionalliga gespielt. Dass 1860 in die Regionalliga abgestiegen ist, war ein Glücksfall für ihn. Wir hätten Fabio auch gerne zurückgeholt. Er hätte uns gut zu Gesicht gestanden.
db24: Den umgekehrten Weg ging 1860-Aufstiegsheld Eric Weeger, der früh wieder nach Ansbach zurückkehrte. Wie wichtig ist er für Ihren Verein?
Eric ist sehr heimatverbunden und einer unserer wichtigsten Spieler. Er hat eine Riesenerfahrung. Für uns ist er eine absolute Stütze. Sein großer Vorteil ist, dass er nicht verletzungsanfällig ist. Er ist kein Lautsprecher, aber ein sehr angenehmer Mensch. Unser Erfolg ist eng mit seinem Namen verbunden. Wir haben in den letzten Jahren drei Millionen Euro in die Infrastruktur investiert – und ich sage es vorweg: Ohne Eric wäre das nicht möglich gewesen.
db24: Am 18. Dezember könnte beim außerordentlichen DFB-Bundestag die Regionalliga-Reform mit dem Kompassmodell beschlossen werden. Wie stehen Sie dazu?
Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Als Fußball-Liebhaber sage ich: Meister müssen immer aufsteigen! Wir sind für die Reform, weil das Paket Regionalliga attraktiver wird. Es geht ja auch um Fernsehgelder. Auf der anderen Seite wissen wir, dass es durch so eine Reform für kleinere Vereine wie uns schwieriger wird, dauerhaft in der vierten Liga zu spielen. Wir haben allein jetzt schon Verbandsabgaben in Höhe von 30.000 Euro. Mir hätte ein Regionen-Modell besser gefallen. Kein Argument ist für mich aber, dass immer wieder gesagt wird, die Regionalliga Bayern sei schwächer als der Nordosten. Das halte ich für ein Gerücht. Richtig ist, dass das Niveau im Amateurfußball insgesamt schlechter wird. Das ist ein Phänomen, aber es spielen einfach viel weniger Menschen Fußball als noch vor 25 Jahren …
db24: Ist die Regionalliga Bayern das Maß aller Dinge für Ansbach?
Stand jetzt: Ja! Aber wir wissen natürlich auch, dass Stagnation Rückschritt bedeutet. Wir haben in den letzten zwei Jahren drei Millionen Euro in die Gegengerade, ins Flutlicht und in die Partner-Lounge investiert. Wir wachsen sehr gut. Vor zwei Jahren waren wir mal Regionalliga-Vierter. Irgendwann wollen wir uns für die Dritte Liga qualifizieren – für die neue Saison ist das aber noch zu früh. Ich kann allerdings verstehen, dass Vereine freiwillig auf einen Aufstieg verzichten. Wenn du in Bayern über 1.000 Zuschauer hast, steigen die Kosten exorbitant. Das sind erhebliche Mehrkosten. Ich finde, es sollte mehr um den Sport als um die Wirtschaftlichkeit gehen. Und ob die in der Dritten Liga besser wird, wage ich zu bezweifeln.
