VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Es gibt Löwen, die bleiben für immer. Petar „Radi“ Radenkovic gehört dazu. Meistertorwart, Publikumsliebling, Schlagerstar, Werbemaschine: Der Mann, der bei Sechzig nicht nur seinen Strafraum als sein Königreich betrachtete, feiert heute seinen 92. Geburtstag. Alles Gute, Radi!

Wenn einer das Wort Kult verdient, dann dieser Mann. Radi hielt die Bälle, marschierte mit ihnen aber auch schon mal Richtung Mittellinie – und begeisterte damit die Massen. Was heute als modernes Torwartspiel gefeiert wird, gehörte beim eigenwilligen Löwen-Keeper schon in den 60er Jahren zum Unterhaltungsprogramm. Bei Trainer Max Merkel kam das weniger gut an. „Die Mätzchen sind zu unterlassen“, forderte der gestrenge Österreicher. Doch Radi blieb Radi.

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Der am 1. Oktober 1934 in Belgrad geborene Torwart kam im Sommer 1962 von Wormatia Worms an die Grünwalder Straße - nachdem zuvor ein Probetraining beim FC Bayern nicht erfolgreich verlaufen war. Schon bei seinem ersten Auftritt, dem 6:1 im Pokal gegen Hessen Kassel, staunten die Zuschauer über seine Ausflüge. Einen Torwart wie ihn hatten sie bei Sechzig noch nicht gesehen.

Und mit Radi kamen die Titel: Süddeutscher Meister 1963, DFB-Pokalsieger 1964, Europapokal-Finalist 1965, Deutscher Meister 1966 und Vizemeister 1967. Es war die große Zeit der Löwen – und Radenkovic eines ihrer bekanntesten Gesichter. Nach dem Bundesliga-Abstieg 1970 war für ihn nach 215 Erstliga-Einsätzen Schluss.

Seine Popularität reichte weit über Giesing hinaus. Radi gilt als erster „Popstar“ des deutschen Fußballs – auch, weil er nicht nur im Tor den richtigen Ton traf. Mit „Bin i Radi, bin i König“ stürmte er 1965 die deutschen Charts bis auf Platz fünf. Rund 400.000 verkaufte Schallplatten: Auch abseits des Rasens spielte Radi ganz oben mit. Dabei war sein Weg zum Fußballstar alles andere als geradlinig. Weil seine Eltern nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nicht aus den USA zurückkehren konnten, wuchs Petar bei seinen Großeltern in Belgrad auf. Sein Vater war unter dem Künstlernamen Rascha Rodell als Folkloresänger und Gitarrist unterwegs. Das Talent für die Bühne? Es lag offenbar in der Familie.

Nach seiner Karriere wurde aus dem Torwart ein umtriebiger Gastronom. „Radis Treff“ in Oberschleißheim, ein Hotel auf der Schwanthalerhöhe und ein Wienerwald in Unterhaching gehörten zu seinen Stationen. Eingebunden hat 1860 die Fußball-Legende nie - eine chronische Krankheit des Klubs, die sich bis heute fortgesetzt hat. Als Werbegesicht nutzen die Löwen den Helden aus den 60er Jahren allerdings noch immer. Für Dauerkarten-Motive oder am Eingang des Bamboleo.

Radenkovic, der erst vor einigen Monaten München besuchte, um alte Freunde zu treffen, ist mit den Löwen längst fertig. Als er sich Anfang Juli mit Bernd Patzke und Fredi Heiß im “Blauen Bock” traf, bat er seine ehemaligen Mitspieler: “Bitte, tut mir einen Gefallen, lasst uns nicht über die Löwen sprechen! Es ist eine Tragödie, über die ich nicht meine Zeit verlieren will. Das ist alles hausgemacht. Man will es nicht anders, das sollte man dann akzeptieren.“

Bei der Abendzeitung hatte Radenkovic zu Bundesliga-Zeiten eine wöchentliche Kolumne mit dem Titel “Radis Welt”, die Oliver Griss betreute. Für unser Portal kehrte die Bundesliga-Ikone vor drei Jahren noch einmal auf die Bühne zurück - zum Legenden-Tag von db24 im Kino am Sendlinger Tor. Vor dem Kino warteten Chaoten, um die Veranstaltung mit weiteren Vereinshelden wie Fredi Heiß, Werner Lorant oder Michael Hofmann madig zu machen. Der Serbe schüttelte damals nur den Kopf und sagte: “Ist das noch Sechzig?”

92 Jahre jung – und für die Löwen für immer ein König! Bleib gesund, Radi!