Burghausens Alt-Bürgermeister Steindl: "1860 ist für die Regionalliga ein Goldstück"
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 25.09.2026 11:15
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Burghausens Fußball-Fan und Alt-Bürgermeister Hans Steindl im Jahr 2005.
VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Ein weiteres Duell verdient Erwähnung: Am 9. April 2006 trennten sich beide Klubs 1:1 – vor 56.100 Zuschauern in der Allianz Arena. So viel zum vermeintlichen blauen Stadion-Grab in Fröttmaning …
Inzwischen sind beide Klubs tief gefallen. Am Samstag treffen sie ab 14.45 Uhr auf Regionalliga-Ebene wieder aufeinander. „Ich bin auch heute immer noch im Stadion – ich bin einer der letzten Mohikaner“, scherzt Steindl im Gespräch mit db24, um dann zu sagen: „Wir haben ein Standortproblem. Deswegen hatte ich vor vielen Jahren die Idee, dass wir in der Nachwuchsarbeit mit Ried und Salzburg zusammengehen. Das wäre ein Vorzeigeprojekt gewesen, aber der Verband hatte was dagegen.“ Steindls Schlussfolgerung: „Ich glaube, so ein Durchmarsch von der Amateurliga bis in die Bundesliga wie von Elversberg ist heutzutage nicht mehr möglich.“ Burghausen marschierte seinerzeit von der Landesliga Süd bis in die Zweite Liga.
Der Politiker war 30 Jahre lang Bürgermeister von Burghausen und zwischenzeitlich auch Präsident des SV Wacker. „Der Wiederaufstieg in die Dritte Liga ist in weiter Ferne“, sagt er mittlerweile schweren Herzens – und nennt Gründe: „Es ist kein Geheimnis, dass durch die Situation bei der Wacker-Chemie und der Stadt durch die sinkende Gewerbesteuer ihre Mittel auf 50 Prozent reduziert hat, die Gelder für den Fußball fehlen. Es sollen auch 1.300 Arbeitsplätze bei Wacker abgebaut werden. Die Stimmung in Burghausen ist nicht so, wie man es sich wünschen würde. Die Stimmung ist Konsolidieren und kürzer treten.“ Steindl hat deshalb auch Verständnis für die eigenen Fans: „Ich kenne die handelnden Personen beim Verein alle sehr gut, ich halte mich im Wesentlichen heraus, aber die Fans sind nicht glücklich mit der Situation, weil aus ihrer Sicht alles ein bisschen intransparent ist.“
Auch sportlich liegt Steindl etwas im Magen: „Buchbach hat beispielsweise eine eingespielte Mannschaft, steht auf Platz 1 – und bei uns? Gehen die Spieler weg und jedes Jahr kommen gefühlt 12 Neue. Deswegen beginnen wir immer wieder von vorne. Aber wir haben mit Matthias Ostrzolek einen sehr engagierten Trainer. Wir können immer wieder für Überraschungen sorgen. Wir sind eine Wundertüte.“
Eine Wundertüte, die 1860 die erste Saisonniederlage zufügen kann? „1860 ist ja auch irgendwie eine Wundertüte, aber sie fangen sich langsam. Ich bin überrascht, wie schnell sie eine Mannschaft zusammengebracht haben. Die Löwen werden immer stärker, aber für den Aufstieg wird’s nicht reichen.“ Steindl begrüßt es, dass der Altmeister von 1966 die Liga bereichert: „Für die Regionalliga ist 1860 ein Goldstück. Dieser Verein bringt immer Zuschauer mit. Normalerweise spielen wir vor 800 bis 1.200 Fans – und jetzt haben wir über 8.500. Das ist eine Marke, von der du sonst nur träumen kannst.“
Wenn Steindl von den Löwen spricht, gerät er ins Schwärmen: „1860 ist nicht vergleichbar mit anderen Vereinen, vielleicht ein paar aus dem Ruhrpott. Diese ganze Fankultur. Das ist nicht nur Fußball, sondern eine eigene Marke. Der Radi, Fredi Heiß oder Benny Lauth - das sind die Charaktere, die dem Verein ein Image gegeben haben. 1860 gehört zur Münchner Sportkultur – wie das Oktoberfest zu München.” Was Steindl heraushebt: Egal wie schwer die Krise gibt, wird zusammengehalten. Gut, dass es das im Fußball noch gibt. 1860 ist ein positiver Farbtupfer im harten Fußball-Geschäft, wo es nur noch um Geld geht. Sogar die Spieler in der Regionalliga haben schon einen Spielerberater – da kann ich nur den Kopf schütteln.”
