„Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Kampagnen“: Ex-Löwe Pfeifer kritisiert BFV-Boss Kern
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 23.09.2026 10:03
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Essens Vorstandvorsitzender Marc Pfeifer begrüßt die Initiative ausdrücklich. “Respekt, Fairness und Wertschätzung sind wichtige Werte – und grundsätzlich ist es richtig, dass der BFV sie mit einer eigenen Kampagne in den Mittelpunkt stellt”, schreibt der frühere 1860-Geschäftsführer unter den Post und wird dann deutlich: “Aber Werte müssen gerade dann gelten, wenn es schwierig wird – nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch im Umgang zwischen (Regional-) Verbänden und Vereinen.”
Pfeifer, der mit RWE zurück in die Zweite Liga will, geht’s um die Aufstiegsreform und explizit die Haltung des Bayerischen Fußballverbandes, der offenbar nicht gewillt ist, seine Regionalliga abzugeben und beim Kompassmodell mitzumachen.
Pfeifers Vorwurf in Richtung BFV-Präsident Christoph Kern: “Wenn gleichzeitig bei einer für viele Vereine existenziell wichtigen Frage wie der Regionalliga-Reform unterschiedliche Interessen, Positionen und Prozesse aufeinandertreffen, sollte sich auch der BFV-Präsident an genau diesen Maßstäben messen lassen: Respekt gegenüber anderen Positionen, Fairness im Verfahren, Wertschätzung für die betroffenen Vereine und vor allem Transparenz. ‘Respekt zeigen – immer’ und ‘Vorbild sein – auf und neben dem Platz’ sind starke Botschaften. Dann sollten sie aber auch dort gelten, wo es sportpolitisch unbequem wird. Denn Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Kampagnen, sondern dadurch, dass die eigenen Werte auch dann gelebt werden, wenn man selbst betroffen ist.”
Am 18. Dezember soll auf einem DFB-Bundestag die Aufstiegsfrage von der Regionalliga in die Dritte Liga nach vielen Jahren Stillstand endgültig geklärt werden.
Diskutiert wird möglicherweise auch über eine Aufstockung der Dritten Liga: das sogenannte 22/5-Modell mit künftig 22 statt 20 Mannschaften und fünf statt vier Absteigern. Die Drittliga-Klubs lehnen diesen Vorschlag wegen der steigenden Kosten und einer Verwässerung der Liga fast geschlossen ab. Fabian Frühwirth, stellvertretender Geschäftsführer und Pressesprecher des BFV, sagt gegenüber der „SZ“: „22/5 wäre sofort umsetzbar. Diese Lösung ist für uns neben dem Zwei-Phasen-Modell am geeignetsten. Wir hätten das gerne gemeinsam diskutiert – die Tür hat der DFB aber zugemacht.“
Zugleich setzt sich der BFV für das Zwei-Phasen-Modell ein: Die fünf Regionalligen blieben zunächst bestehen, ab Winter würde in Aufstiegs- und Abstiegsrunden gespielt. Frühwirth: „Das Zwei-Phasen-Modell schützt kleinere Vereine, für die die Regionalliga aktuell das Maß aller Dinge ist, und eröffnet den Klubs, die sich perspektivisch in der dritten Liga sehen, alle Türen.“ Das Problem in Bayern ist aber offensichtlich: Nur ein kleiner Bruchteil der Vereine will und kann aufsteigen. In der vergangenen Saison sagten wenige Wochen vor Saisonende erst Meister Nürnberg und dann Haching ab. Würzburg wurde dann noch Zweiter und kehrte über die Relegation in die Dritte Liga zurück.
Till Dahlitz, Geschäftsführer des Nordostdeutschen Fußballverbandes, hält wenig vom Vorschlag aus Bayern und erklärt gegenüber der “SZ”: “Es ist für mich ein Kinderfußballmodell. Wir sind hier in der vierten Spielklasse, wo wir von Fernsehgeldern und wirtschaftlichen Faktoren sprechen.“
