Aus dem Herzen
- VON OLIVER GRISS
- 22.09.2026 13:20
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VON OLIVER GRISS
Nicht nur Bierofka denkt so, sondern auch viele, die den Profifußball bei 1860 lieben, ihn über Jahrzehnte hautnah erlebt haben oder selbst ein Teil davon waren. Die von der e.V.-Seite und Hasan Ismaik provozierte Tragödie hat bei vielen Fans einen tiefen Krater im Herzen hinterlassen. Andere wiederum feiern die vermeintliche „Befreiung“, indem sie auf der Tribüne oder im Stehplatzbereich symbolisch ein e.V.-Trikot tragen.
Doch 1860 war immer frei – und der e.V. seit 2002 ein Teil der KGaA. So steht es zumindest in den Verträgen. Dank 50+1 konnte der TSV 1860 e.V. entscheidenden Einfluss nehmen, wie nicht zuletzt die Einstellungen und Entlassungen zahlreicher Geschäftsführer zeigen. Die Bilanz nach neun Jahren fällt für einen Großklub wie 1860 dennoch verheerend aus: sportlich und wirtschaftlich erfolglos.
Es ist das Recht jedes Menschen, seine Gefühle auszuleben. Aber es ist keine Zier, Andersdenkende zu bekämpfen oder zu sagen: “Wenn es dir nicht passt, dann geh’ doch zu Bayern!” Sollte nicht gerade der respektvolle Umgang miteinander einen Verein ausmachen? Oder ist es mit der viel beschworenen Demokratie doch nicht so weit her? 1860 braucht keinen Einheitsbrei, sondern unterschiedliche Meinungen – und die Bereitschaft, sie auszuhalten.
Diejenigen, die sich für diesen „Kampf“ gegenseitig auf die Schulter klopfen, haben möglicherweise nicht verstanden, was 1860 einmal war – und welche Möglichkeiten dieser Verein auch aufgrund persönlicher Ego-Trips verspielt hat. In den sozialen Medien gab es tatsächlich Stimmen, die Bierofka vorwarfen, er verhalte sich „wie ein bockiges Kind“. Genau dieses Sechzig kann niemand wollen: Ein Verein, in dem verdiente Löwen abgewertet werden, nur weil ihre Meinung nicht ins eigene Weltbild passt. Gerade deshalb sollten Bierofkas Kritiker seine Worte noch einmal auf sich wirken lassen: „Was man in neun Jahren aus einem Verein machen kann, das zeigen viele andere Vereine, die mittlerweile sehr weit oben sind.“
Bierofka meint vermutlich Klubs wie Paderborn, Elversberg oder Heidenheim, die nicht annähernd dieselben Möglichkeiten wie 1860 haben und trotzdem erst- oder zweitklassig spielen. Zu Recht sagte das Löwen-Idol deshalb: „Das ist eigentlich das, was mich am meisten gestört und wütend gemacht hat. Jetzt fängst du in der Regionalliga wieder fast bei null an, hast eine neue Mannschaft, musst alles neu aufstellen.“
Der Weg zurück wird steiniger, als es sich manche derzeit vorstellen können – vor allem auch in finanzieller Hinsicht. Natürlich ist den Löwen zu wünschen, dass sie es Bierofka und seiner damaligen Mannschaft nachmachen und sofort wieder aufsteigen. Eine Selbstverständlichkeit ist das allerdings nicht. Ganz im Gegenteil: Das 2:0 gegen Nürnberg II kann erst der Anfang gewesen sein.
