Bierofka über 1860: "Neun Jahre in den Sand gesetzt"
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 21.09.2026 07:35
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Sollte sich 1860 überlegen, Daniel Bierofka in irgendeiner Funktion zurückzuholen?
Im vergangenen Jahr noch Aufstiegskandidat – und nun zurück in der Amateurfalle Regionalliga Bayern. Das muss man erst einmal verkraften. Vor allem, weil der Absturz von beiden Gesellschafterseiten – e.V. und Hasan Ismaik – hätte verhindert werden können. Bierofka ehrlich: “Für mich war das ein Schock, weil wir alle zusammen damals, die Mannschaft und die ganzen Angestellten, so viel investiert hatten, um von der Regionalliga in die Dritte Liga zu kommen, wieder im Profifußball zu sein und dem Verein eine Basis zu geben. Das war der Wunsch, um wieder in die Zweite Liga kommen zu können. Es waren ja zwischendrin zwei vierte Plätze dabei. Und im letzten Jahr hatte man mit Kevin Volland, Florian Niederlechner und den ganzen Einkäufen ein gutes Gefühl, dass es in die richtige Richtung geht.“
Vergleichen will das Löwen-Idol den Zwangsabstieg von 2017 mit dem Absturz von 2026 nicht. Dafür seien die Voraussetzungen zu unterschiedlich gewesen. „Damals war es so: Es war ein Abstieg von der Zweiten in die Vierte Liga. Was damals auch sehr schwer war, weil viele Mitarbeiter gehen mussten, weil der ganze Apparat finanziell nicht mehr stemmbar war. Die ganze Konstellation im Vorstand hat sich total verändert. Am Anfang waren ja auch fast keine Ansprechpersonen da. Man wusste nicht, wer jetzt den Weg vorgibt. Das war dieses Mal anders: Als der Tag X kam, war das Präsidium ja da. Der Verein war mit dem Verwaltungsrat so aufgestellt, dass er handlungsfähig war. Das ist der größte Unterschied zu damals. Bei uns hatte das Damoklesschwert Insolvenz relativ lange über uns geschwebt. Damals ist es abgewendet worden, dieses Mal ist es passiert.“
Und genau deshalb sieht Bierofka jetzt vor allem die aktuellen Verantwortlichen in der Pflicht. „Jetzt fängst du wieder in der Regionalliga an, du musst fast wieder bei Null anfangen, neue Mannschaft. Man muss alles wieder neu aufstellen. Jetzt sind die Verantwortlichen natürlich auch in der Pflicht. Jetzt ist Hasan Ismaik nicht mehr da. Dementsprechend liegt es jetzt in der Hand der Verantwortlichen, dass sie schauen, das Beste daraus zu machen und zumindest in die Dritte Liga kommen.“
Dass es nun ohne Ismaik weitergeht, sieht Bierofka auch als Chance: „Hoffentlich eint sich der ganze Verein wieder. Es war ja schon so: Mit dem Investor war das Ganze gespalten. Die einen waren eher für den Investor, die anderen eher dagegen. Dadurch hattest du immer Reibung im Verein. Das hat sehr viel Energie gekostet, die aus meiner Sicht besser gewesen wäre, anders zu investieren. Das ist jetzt erstmal weg.“
Trotz der derzeitigen Aufbruchstimmung warnt der frühere Löwen-Kapitän und -Trainer davor, den Weg zurück nach oben zu unterschätzen. „Momentan ist die positive Stimmung da. Aber da bin ich wieder zwiegespalten. Einerseits hast du die Perspektive ohne Investor, wir starten jetzt wieder durch – aber ich weiß aus meiner eigenen Erfahrung, und das ist auch in unserer Familie drin, weil ich wie mein Vater Erste und Zweite Liga gespielt habe: Wir wissen, wo dieser Verein einmal war und welches Standing er auch in Deutschland hatte. Und momentan ist es halt so, dass du in der Regionalliga den Neubeginn starten musst.“
Bierofka weiß aus eigener Erfahrung, wie steinig dieser Weg werden kann: „Da werden noch sehr viele Probleme kommen, die man jetzt noch gar nicht auf dem Schirm hat – wo man in der Dritten Liga gemerkt hat: Oh, da ist es noch ein bisschen schwieriger, zu händeln und zu stemmen.“ Und dann spricht aus Bierofka wieder der Löwe: „Aber ich drück die Daumen. Mein Herz ist bei Sechzig. Ich würde mir wünschen, dass der Verein wieder in eine Stabilität kommt und peu à peu die nächsten Schritte geht und Rückschläge hoffentlich ausbleiben.“
