Ex-Vize Sitzberger: "Hätten wir die Bayerische nicht an unserer Seite gehabt, wären wir..."
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 15.09.2026 14:14
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Was über Sitzbergers wirtschaftliche Situation hinter vorgehaltener Hand schon länger die Runde machte, machte die „Abendzeitung“ jetzt öffentlich. Der Insolvenzantrag für die AHD Sitzberger GmbH war bereits am 16. April beim Amtsgericht München eingegangen.
Gegenüber der „AZ“ zog Sitzberger selbst die Parallele zu den Löwen: „Mir geht es leider wie Sechzig, wobei die Vereinsbosse der Löwen offensichtlich lieber eine neue Spielbetriebsgesellschaft gegründet haben, als die alte KGaA zu retten.“
Zu seiner eigenen Insolvenz erklärte Sitzberger: „Es hat sich einfach nicht mehr rentiert. Die Einnahmen sinken schon seit vier, fünf Jahren kontinuierlich, bei gleichzeitig steigenden Kosten.“
Zuletzt beschäftigte sein Unternehmen noch 40 Mitarbeiter, die sich nun einen neuen Job suchen müssen. „Es tut mir leid. Es ging nicht mehr“, sagte Sitzberger gegenüber db24: „Es waren viele Faktoren schuld, dass wir den Betrieb nicht mehr weiterführen konnten.“ Auch die milden Winter hätten dem Unternehmen zugesetzt.

Sitzberger, der als Sponsor weit über eine Million Euro in die Löwen gesteckt hat, war nie ein Funktionär, der nur auf der Tribüne saß. Der Unternehmer packte selbst an – ob beim Zamkehren am Trainingsgelände oder beim Schneeschaufeln im Grünwalder Stadion. 2024 trat er nach heftigen internen Auseinandersetzungen als Vizepräsident zurück und warf dem Verwaltungsrat „Mobbing“ vor.
Dass inzwischen auch die alte Fußballfirma der Löwen im Insolvenzverfahren steckt, bedauert Sitzberger. „Ich bin der Meinung, dass der e.V. mit seinen 40 Prozent die KGaA auch hätte retten können“, sagt er gegenüber db24. „Man hat jetzt das erreicht, was man immer wollte – Hasan Ismaik loszubekommen. Ich bin mit 1860 als Funktionär schon einmal in die Regionalliga abgestiegen. Für die Anhänger ist das eine absolute Zumutung.“
Die Konsequenz: Sitzberger hat sich in den vergangenen Wochen ein Stück weit von seiner großen Fußballliebe entfernt. „Ich gehe momentan nicht ins Stadion – wir sind in der Regionalliga. Der Name 1860 passt da nicht rein. Ich habe andere Erinnerungen an diesen Verein – und das hat ausdrücklich nichts mit den aktuellen Spielern zu tun.“
Auch mit der viel beschworenen Aufbruchstimmung nach dem Absturz 2017 will Sitzberger die aktuelle Situation nicht vergleichen. „Das war eine ganz andere Situation mit Daniel Bierofka. Er hat den ganzen Verein mitgerissen – und auch die Bayerische hat zwei Millionen Euro in den Topf geworfen. Dadurch konnten wir uns Spieler wie Sascha Mölders, Jan Mauersberger oder Timo Gebhart leisten.“
Umso mehr ärgern Sitzberger die jüngsten Sticheleien des ehemaligen 1860-Funktionärs Nicolai Walch gegen den langjährigen Hauptsponsor die Bayerische (db24 berichtete). Sitzberger stellt sich demonstrativ vor den früheren Geldgeber: „Hätten wir die Bayerische nicht an unserer Seite gehabt, wären wir niemals sofort wieder aufgestiegen. Ich bin Martin Gräfer sehr dankbar, dass er es mit der Bayerischen zehn Jahre bei 1860 ausgehalten hat.“
Und was müsste passieren, damit Sitzberger, der als db24-Tippexperte heute mit einem 2:2-Unentschieden in Fürth rechnet, seine alte Leidenschaft für die Löwen wiederfindet? „Schwierig. Ich kann mich nicht damit abfinden, dass wir gegen Dorfmannschaften unentschieden spielen oder verlieren. Das ist nicht mein Sechzig.“
Vor allem eines fehlt ihm im Vergleich zum Neustart vor neun Jahren: „2017 war mehr Euphorie drin – nicht nur in der Kurve, sondern auch bei allen Sponsoren. Das verspüre ich nicht. Und da hilft’s auch nicht, dass hinten auf dem Trikot ‚Football for the people‘ steht. Die Preise für die Eintrittskarten und Trikots sind trotzdem sehr hoch geblieben.“
