Favorisiertes Kompassmodell: Mehr Traditionsduelle für 1860?
- VON OLIVER GRISS UND CHRISTINA PAHNKE (FOTO)
- 08.09.2026 12:53
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VON OLIVER GRISS UND CHRISTINA PAHNKE (FOTO)
Das favorisierte Kompassmodell scheint kaum noch aufzuhalten zu sein. Der DFB will die größte Ligen-Reform im deutschen Männerfußball spätestens im Januar 2027 auf den Weg bringen. Der entscheidende Grundsatz: Meister müssen aufsteigen!
Zum Eröffnungsspiel im Grünwalder NEU: In welcher Liga sehen Sie 1860 im Jahr 2030?
Nach BILD-Informationen plant der DFB künftig mit vier Regionalligen à 20 Mannschaften. Die Saison 2027/28 soll dabei als Qualifikationsrunde dienen. Jede der bislang fünf Regionalligen würde jeweils zwölf Startplätze für die neue Struktur ausspielen. Nach aktuellem Stand wäre der TSV 1860 als Tabellenzehnter qualifiziert.
Hinzu kämen die vier Absteiger aus der Dritten Liga sowie die Aufsteiger aus den fünften Ligen. Anschließend sollen die 80 Klubs – mit Unterstützung von KI – anhand möglichst kurzer Fahrtstrecken auf vier Regionalligen verteilt werden. Dabei sollen auch Derbys und regionale Rivalitäten eine wichtige Rolle spielen.
Die BILD hat auf dieser Grundlage bereits eine mögliche Regionalliga Süd zusammengestellt:
1860 München
SGV Freiberg-Heilbronn
Stuttgarter Kickers
VfR Aalen
SSV Ulm
ASV Cham
FC Bayern II
DJK Vilzing
FV Illertissen
SC Eltersdorf
SpVgg Ansbach
SpVgg Unterhaching
TSV Buchbach
TSV Landsberg
VfB Eichstätt
Wacker Burghausen
FC Nürnberg II
SC Freiburg II
FC Memmingen
FC Schweinfurt 05
Für die Löwen würde sich auf den ersten Blick gar nicht so viel verändern. Ein Großteil der Gegner käme weiterhin aus Bayern. Neu hinzu kämen allerdings unter anderem die Stuttgarter Kickers und der SSV Ulm – zwei Traditionsvereine, die wie 1860 und Unterhaching bereits in der Bundesliga gespielt haben. Auch der SC Freiburg II und der frühere Zweitligist VfR Aalen würden das sportliche Niveau und die Attraktivität der Staffel erhöhen. Die SpVgg Bayreuth, aktuell in der Regionalliga Bayern am Start, müsste in die Ost-Staffel ausweichen.
Die Alternative für die Löwen, um diese Ligen-Reform zu umgehen: Einfach nach dieser Saison am besten sofort wieder in die Dritte Liga zurückkehren. Dazu bräuchte 1860 allerdings die Aufstiegsrelegation gegen den Nord-Champion.
Der große Verlierer könnte der Bayerische Fußball-Verband um Präsident Christoph Kern sein. Sollte sich das Kompassmodell durchsetzen, wäre die 2012 eingeführte Regionalliga Bayern Geschichte. Und damit würde der BFV ausgerechnet jene Liga verlieren, die er selbst gerne als „Champions League der Amateure“ vermarktet. Erster Meister war in der Saison 2012/2013 übrigens der TSV 1860 - allerdings die zweite Mannschaft. So viel dazu.
Besonders bitter aus Verbandssicht: Mit dem Zwangsabstieg des TSV 1860 hat die Regionalliga Bayern in dieser Saison eine Aufmerksamkeit bekommen, von der sie normalerweise nur träumen kann. Die Löwen sorgen für fünfstellige Zuschauerzahlen im Grünwalder Stadion, volle Stadien auf dem Land, Reichweite und öffentliche Wahrnehmung weit über Bayern hinaus. Mit einer Reform wäre dieser Effekt wieder weg: 1860 würde dann nicht mehr in einer vom BFV organisierten Regionalliga spielen, sondern in einer überregionalen Süd-Staffel unter neuer Struktur. Für den Verband wäre das ein erheblicher Verlust an Strahlkraft.
Und für die Löwen? Die könnten sogar profitieren. Statt einer bayerischen “Champions League” gäbe es wieder mehr Traditionsduelle – und vor allem eine klare sportliche Perspektive: Wer Meister wird, steigt auf. Ohne Rechenspiele. Ohne Relegationslotterie.
