So reicht`s nicht, Löwen!
- VON OLIVER GRISS
- 07.09.2026 08:31
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VON OLIVER GRISS
Es ist eine kleine, erfrischende Abwechslung, die angesichts des Stotterstarts in die Regionalliga Bayern vielleicht sogar ganz guttut. Denn das jüngste 2:2 in Vilzing hat die Probleme des TSV 1860 knallhart offengelegt: Vorne fehlt bei guten Torgelegenheiten die letzte Präzision, hinten präsentiert sich der Löwe alles andere als sattelfest.
Das späte Ausgleichstor von Markus Ziereis in der Nachspielzeit – irgendwie war ja klar, dass ausgerechnet der Ex-Löwe trifft – steht symptomatisch für den bisherigen Saisonverlauf. Als im 450-Seelen-Örtchen Vilzing praktisch jeder schon mit einem Auswärtssieg der Sechzger rechnete, setzte Julian Bell Flankengeber Fambo nicht entscheidend unter Druck. Und im Strafraum waren Felix Weber und Lasse Faßmann nur schlechter Begleitservice für Torschütze Ziereis. Die Folge: Die Löwen verließen Vilzing richtig angefressen.
Dass 1860 keines seiner letzten vier Spiele gewinnen konnte, hat nichts mit mangelndem Training oder fehlender Einstellung zu tun - und schon gar nichts mit Übungsleiter Alper Kayabunar. Es ist auch eine Frage der Qualität. Und deshalb müssen sich Geschäftsführer Thomas Probst und Sportchef Manfred Paula die Frage gefallen lassen, ob dieser Löwen-Kader tatsächlich den eigenen Ansprüchen gerecht wird. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, dass die Mannschaft noch jung sei. Doch dieses Argument greift nicht. Der Altersdurchschnitt der 1860-Startelf beim 2:2 in Vilzing lag bei 27,0 Jahren. Zum Vergleich: Die Anfangsformation der Bierofka-Aufstiegsmannschaft beim Regionalliga-Start 2017 in Memmingen (4:1) war im Schnitt gerade einmal 24,7 Jahre alt. Alles klar?
Noch ist nichts passiert. Die Saison ist noch relativ jung. Und wer die blaue Brille aufsetzt, kann die Situation durchaus positiv betrachten: 1860 ist zwar in beiden Pokal-Wettbewerben bereits ausgeschieden, in der Regionalliga Bayern aber weiterhin ungeschlagen.
Wer dagegen etwas kritischer hinschaut, muss feststellen: Neuanfang hin oder her, unangebrachte Lobhudeleien („Was das Präsidium geleistet hat, war unglaublich“) und das Feiern des Stadtteils Giesing sind das eine – die sportliche Realität ist das andere. Und die sieht derzeit deutlich weniger romantisch aus. Die Löwen müssen höllisch aufpassen, dass der Abstand zur Tabellenspitze nicht schon früh in der Saison bedrohliche Ausmaße annimmt. Sieben Punkte beträgt der Rückstand auf Platz eins bereits. Das ist nach wenigen Spieltagen noch kein Weltuntergang. Aber so, wie sich 1860 derzeit präsentiert, wird es am Ende nicht für Platz eins und damit für die Aufstiegsrelegation reichen.
Dabei sollte genau das der Anspruch sein. Denn 1860 gehört zu den wenigen Vereinen in der bayerischen Champions League, die echtes Vollprofitum leben. Klubs wie Landsberg, Buchbach oder Vilzing, die 1860 zuletzt stolpern ließen, funktionieren dagegen weitgehend im Feierabend-Modus: Viele Spieler gehen tagsüber einer Arbeit nach oder studieren und trainieren erst am Abend – häufig nur dreimal pro Woche.
Genau deshalb müsste sich der Unterschied eigentlich gerade in der Schlussphase bemerkbar machen. Die Löwen müssten körperlich frischer sein, das Tempo hochhalten und einen Gegner, der am nächsten Morgen wieder im Büro, auf der Baustelle oder im Hörsaal sitzt, irgendwann müde spielen.
Doch davon ist bislang zu wenig zu sehen.
Vielleicht klappt es heute Abend wenigstens mit dem ersten Titel. Beim Maßkrugstemmen, Maßkrugtragen und Nageln. Für den eigentlichen Titel, der in dieser Saison zählt, müssen die Löwen allerdings schnell kräftiger zupacken.
