"Mister Buchbach" Anton Bobenstetter im db24-Interview: "Das ist für mich Sechzig II"
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 01.09.2026 15:22
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Der 65-Jährige hat sein Herz aber nicht nur beim aktuellen Regionalliga-Tabellenführer aus dem Landkreis Mühldorf, sondern auch bei den Münchner Löwen. Bobenstetter wurde 1977 Gründungsmitglied des Buchbacher 1860-Fanclubs.
Vor dem Toto-Pokal-Achtelfinale zwischen 1860 und Buchbach im Grünwalder Stadion (heute, 19 Uhr, db24-Ticker) haben wir mit ihm gesprochen. Das db24-Interview:
db24: Servus, Herr Bobenstetter! Sind Sie als „Mister Buchbach“ heute auf Giesings Höhen zu Gast?
ANTON BOBENSTETTER: Nein, aber ich werde mir das Spiel im TV ansehen. Ich habe vor zwei Jahren alles niedergelegt. Ich bin jetzt Pensionär (lacht). Ich schaue mir nur noch die Heimspiele des TSV Buchbach an. Ich will mich nicht wichtig machen, sondern die Jungen werkeln lassen – und die machen das richtig gut.
db24: Der Dorfklub steht jetzt sogar auf Platz 1 in der Regionalliga Bayern…
Das ist kein Zufall. In Buchbach wird richtig hart für den Erfolg gearbeitet. Ich bin jetzt im Genießermodus. Die Tabelle lügt nicht. Vor zwei Jahren war der TSV Buchbach bereits Vizemeister – und 1860 macht es aktuell nicht so gut. Deswegen geht Buchbach heute auch als Favorit auf den Platz. Es ist traurig, das sagen zu müssen.
db24: 1860 hat an Buchbach unschöne Erinnerungen…
Ja, wir haben den Löwen nach dem Zwangsabstieg 2017 die erste Niederlage beigebracht – und im Rückspiel im Grünwalder Stadion erst in der 96. Minute das 1:2 kassiert. Das durfte ich alles miterleben. 1860 hat hinterher gefeiert, als hätten sie Real Madrid besiegt. Dabei war’s nur das kleine Buchbach…
db24: Wie sehen Sie die aktuelle Situation bei 1860?
Sechzig ist für mich mindestens Zweite Liga. Spiele gegen Aue vor 60.000 Zuschauern in der Allianz Arena – das ist Sechzig. Das, was jetzt gerade abläuft – Augenhöhe mit Buchbach, Vilzing und anderen Vereinen aus der Umgebung –, hat nichts mit Profifußball zu tun. Das war früher das Niveau der Löwen-Amateure. Deswegen ist das für mich nicht Sechzig. Ich weiß, dass es dazu unterschiedliche Meinungen gibt.
**db24: Vor allem die jungen Leute feiern aktuell die „Befreiung“…
Das ist in Ordung, aber ich kann mit Regionalliga-Fußball nichts anfangen. Für Buchbach ist die Regionalliga die Champions League, aber 1860 hat etwas Besseres verdient. Mit den aktuellen Gegebenheiten kann ich mich nicht identifizieren. Nur einmal hatte man kurzzeitig Hoffnung, dass es nach oben geht – unter Michael Köllner. Ich dachte mir: Unter ihm kann etwas wachsen. Dann ist wieder alles zerstört worden. Für mich ist das 1860 II. Mir tut jeder 1860-Anhänger leid. Die Vierte Liga passt nicht zu diesem großen Verein. 2017 dachte man, das sei ein Ausrutscher – und neun Jahre später spielt man wieder viertklassig. Da fragt man sich wirklich: Was haben die in all den Jahren gemacht? Das ist kein Pech mehr…
db24: Sondern?
Wer schuld ist, weiß ich nicht – dazu bin ich zu weit weg. Als 1860 wieder in die Regionalliga musste, dachte ich zunächst an die versteckte Kamera. Was ich sagen kann: Es liegt nicht an den Spielern, sondern an der Organisation und am Kopf des Vereins. Bei 1860 hat man alles verkehrt gemacht, was man verkehrt machen kann. Kleine Vereine wie Heidenheim oder Elversberg kommen von unten nach oben – aber sie setzen ihr Geld richtig ein. Das ist der große Unterschied.
db24: Was trauen Sie 1860 in dieser Saison sportlich zu?
Man sieht die Ergebnisse. Florian Niederlechner ist ein sehr guter Freund von mir. Ich war sein erster Seniorentrainer. Da blutet mir das Herz. Er würde so gerne etwas mit den Löwen zerreißen – ich weiß aber nicht, ob er das noch schafft.
db24: Wie tickt Ihr Fanclub?
Wir haben auch viele junge Löwen-Fans. Das finde ich super, davor ziehe ich den Hut. Das hätte ich nicht gedacht. Es überrascht mich immer wieder. Aber es gibt natürlich auch die Alten, die mit der Regionalliga nichts anfangen können. Die haben noch Leeds und die Derby-Siege im Kopf. Inzwischen haben wir 250 Mitglieder – Tendenz steigend. Das überrascht mich. Unsere Ortschaft ist durch Rudi Zeiser geprägt. Deswegen ist der ganze Ort blau. Nächstes Jahr wird unser Fanclub 50 Jahre alt.
db24: Welche Meinung haben Sie zur geplanten Aufstiegsreform?
Es wird wohl auf das Kompassmodell hinauslaufen, auch wenn ich sagen muss: Ich mag es nicht hören, wenn abfällig über die Regionalliga Bayern gesprochen wird. Der Meister der Regionalliga Bayern oder der Nachrücker steigt in den Relegationsspielen eigentlich immer auf. Sogar das gute Energie Cottbus hat vor Jahren gegen Unterhaching verloren.
Und nein, es ist nicht ungerecht, dass Lok Leipzig nicht aufsteigt. Die haben dreimal in der Relegation verloren. Ich habe vor kurzem auch den Buchbacher 2:1-Testsieg gegen den VfR Mannheim gesehen - das war richtig stark. So viel zur schwachen Regionalliga Bayern…
