Burghauser Fanszene schlägt Alarm: "Gesamtkonstrukt ist mehr Schein als Sein"
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 29.08.2026 20:12
- 3 Minuten Lesezeit
- 9 Kommentare
VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Beim Regionalligisten SV Wacker Burghausen hängt der Hausssegen schief: Grund ist nicht die heutige 4:5-Pleite gegen die DJK Vilzing, sondern vielmehr ein Schreiben der aktiven Fanszene gegen den eigenen Klub, der inzwischen auf Rang 12 abgestürzt ist. Das Schreiben im Wortlaut:
Es ist allerhöchste Zeit für Veränderung! Warum? Fehlende Transparenz, mangelnde Professionalität in gewissen Bereichen, fehlende Selbstreflexion, zu wenig Basisnähe und eine zunehmend katastrophale Außendarstellung – der SV Wacker Burghausen als Gesamtkonstrukt ist im Jahr 2026 mehr Schein als Sein. Die Liste der Missstände ist lang. Der Fisch stinkt unübersehbar vom Kopf. Nach außen bröckelt die Fassade des einstigen Aushängeschilds der Region immer weiter. Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass die Probleme längst tiefer reichen. Der „Fall Leitner“ ist dabei nur einer von vielen Vorgängen und letztlich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.
Selbstkritisch müssen wir feststellen, dass wir als aktive Fanszene zu lange zugesehen und uns zu zurückhaltend positioniert haben. Ein essenzieller Punkt, den wir dabei besonders hervorheben möchten, ist die Mitgliedschaft im Verein, die von uns nicht ausreichend genutzt wurde, um den Entwicklungen innerhalb des Vereins angemessen zu begegnen. Dennoch haben wir von unserer Seite immer wieder versucht, am gemeinsamen Tisch Lösungen zu finden. Gespräche wurden geführt und Vertrauen entgegengebracht. Umso ernüchternder war es, im Anschluss immer wieder feststellen zu müssen, wie wenig nachhaltig diese Gespräche tatsächlich Wirkung gezeigt haben.
Der seit geraumer Zeit leider jährlich anstehende personelle Neuanfang, der Exodus fähiger und verdienter Personen sowie die damit einhergehende fehlende Konstanz und Basis sind aus unserer Sicht kein Zufall. Vielmehr sind sie die Konsequenz der vorherrschenden Strukturen und Rahmenbedingungen. Wo Kontinuität, Vertrauen, Professionalität und eine gemeinsame Perspektive fehlen, kann keine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung entstehen. Dasselbe gilt für die aus unserer Sicht gefährliche finanzielle Abhängigkeit von einer einzelnen Person. Ebenso kritisch sehen wir die fehlende Transparenz rund um den Verkauf der vereinseigenen Anteile (mittlerweile 49 Prozent) an der Fußball-GmbH.
Bei Vorgängen von einer derartigen Tragweite – insbesondere wenn es um das letzte verbliebene Tafelsilber des Vereins geht – erwarten wir nachvollziehbare Informationen sowie eine offene, verständliche und zeitnahe Kommunikation gegenüber den Mitgliedern. Ganz ausdrücklich möchten wir betonen: Unsere Kritik richtet sich nicht gegen die Mannschaft oder das Trainerteam. Beide genießen unsere volle Unterstützung. Sie tragen nicht die Verantwortung für die strukturellen und organisatorischen Probleme, die wir hier ansprechen. Uns ist bewusst, dass niemand frei von Fehlern ist. Ebenso sind die derzeit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Umfeld des Vereins nachvollziehbar.
Gerade deshalb braucht es jedoch Verantwortungsbewusstsein, Transparenz und die Bereitschaft zur Selbstkritik. Wenn in der Öffentlichkeit zunehmend der Eindruck entsteht, dass zentrale Bereiche unseres Vereins nicht nur schlecht geführt, sondern nachhaltig beschädigt werden, ist der Punkt erreicht, an dem Wegschauen keine Option mehr sein kann. Es braucht Veränderung. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Wir erwarten einen offenen und ehrlichen Umgang mit den bestehenden Problemen, transparente Entscheidungen und klare, belastbare Verantwortlichkeiten. Der SV Wacker Burghausen gehört nicht einzelnen Personen. Er gehört seinen Mitgliedern, seinen Anhängern und allen Menschen, die diesen Verein seit bald einhundert Jahren tragen und gestalten.
