VON OLIVER GRISS UND GETTY (FOTO)

Nein, die ausgebremste Aufstiegsreform ist bei den Start-up-Löwen derzeit kein großes Thema – zu gewaltig sind die Herausforderungen nach dem Zwangsabstieg in die Regionalliga Bayern. Und auch die Fans haben offenbar wenig Interesse daran, die Initiative „Meister müssen aufsteigen“ zu unterstützen. Viel lieber wird derzeit die vermeintliche Befreiung von Hasan Ismaik gefeiert.

Dabei könnte die Frage nach einer Reform für den TSV 1860 schneller wieder höchst relevant werden, als vielen lieb ist. Sollte sich die Mannschaft von Alper Kayabunar im Mai 2027 tatsächlich für die Aufstiegsspiele qualifizieren, müsste der Deutsche Meister von 1966 gegen den Meister der Regionalliga Nord um die Rückkehr in die Dritte Liga kämpfen. Meister werden allein reicht weiterhin nicht. Wobei in Bayern das sowieso anders ist: In der Vorsaison haben Meister Nürnberg und Unterhaching frühzeitig dem Aufstieg eine Absage erteilt, so dass Vize-Meister Würzburg in die Relegation durfte und dann den Nordost-Vertreter Lok Leipzig ausgeschaltet hat.

Dass die Reform-Initiative zuletzt ausgebremst worden ist, bringt Union Berlins Präsident Dirk Zingler auf die Palme. „Das ist eine Katastrophe, was da abgelaufen ist. Das ist vom Verband und gerade von den Regionalverbänden eine bodenlose Frechheit. Da setzen sich Menschen über zwei Jahre zusammen und entwickeln mühsam Vorschläge. Sie einigen sich nach langer Zeit, auch mit Vertretern vom DFB, auf ein Modell. Es soll zur Abstimmung gestellt werden, dann wird es still und heimlich nochmals verändert“, erklärte Zingler in einer Medienrunde im Trainingslager von Union in Österreich.

Besonders das Gebaren des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) stößt Zingler sauer auf: „Dann gibt es tatsächlich wahnsinnige Vorschläge aus dem Süden, die sagen, dass man nochmals nach Modellen suchen soll. Da frage ich mich ernsthaft, was die Leute in den letzten Jahren in ihren Verbänden gemacht haben. Das ist alles sehr unsolidarisch.“
Zingler rechnet deshalb damit, dass der Widerstand gegen das Vorgehen der Verbände in den kommenden Wochen deutlich größer wird – und bis in die Bundesliga reicht: „Ich gehe davon aus, dass wir massive Proteste erleben werden. Und die werden hochgehen bis in die Bundesliga. Und das zu Recht. Es ist eine Frechheit, wie Verbände und Funktionäre damit umgehen. Und das müssen sie am Ende spüren. Und am Ende kann ich nur sagen: Das habt ihr euch selbst zuzuschreiben.“