Das db24-Interview mit Uwe Wolf: "Für die Regionalliga Bayern ist 1860 ein Segen"
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 07.08.2026 09:19
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Vor dem Duell hat db24 mit dem ehemaligen Löwen-Trainer und -Spieler Uwe Wolf (arbeitet aktuell in Hallein) gesprochen und sich mit ihm über den Aufstiegskrampf, das Niveau der Regionalliga Bayern und die Löwen ohne Löwen unterhalten. Das db24-Interview mit Wolf, der als db24-Tippexperte einen 3:0-Heimsieg prognostiziert:
db24: Herr Wolf, Sie haben schon einige Regionalliga-Vereine in Deutschland trainiert: Burghausen, Hessen Kassel, Buchbach oder Aalen – wie stark ist die bayerische Regionalliga?
UWE WOLF: Sie wollen meine ehrliche Antwort? Der Meister der Regionalliga Bayern setzt sich in der Relegation zwar oft gegen Mannschaften aus anderen Regionalligen durch, aber das hat nichts zu sagen. Vom Gesamtniveau her kann Bayern gegen den Westen, Südwesten oder Osten überhaupt nicht mithalten. Deswegen plädiere ich schon seit 2013 dafür, als ich mit Hessen Kassel als Meister in der Relegation an Holstein Kiel scheiterte, dass sich die Aufstiegsregelung dringend ändern muss. Es braucht vier statt fünf Regionalligen.

db24: Nochmal zurück zur Regionalliga Bayern, die immer wieder mit Traditionsvereinen gespickt ist: 1860, Schweinfurt, Würzburg oder Unterhaching…
Die Regionalliga Bayern ist das Zünglein an der Waage bei diesem Streitthema. Für mich ist das Niveau in Bayern total verwässert. Es kommen immer mehr Vereine in die Liga, die Profifußball gar nicht stemmen können. Ich habe das in Buchbach selbst erlebt. Ich wollte vieles professionalisieren und dann hieß es: “Das passt nicht nach Buchbach!” Bei allem Respekt: Wenn sechs Vereine in der Winterpause berechtigte Hoffnungen auf die Meisterschaft haben dürfen, sagen vier Vereine: “Wir wollen oder können nicht aufsteigen!” Nürnberg II ist in der Vorsaison Meister geworden, hat aber kein Stadion für die Dritte Liga. Das ist doch alles Wettbewerbsverzerrung. Und dann schauen wir in den Südwesten: Da waren gefühlt 80 Prozent der Vereine zumindest schon in der Zweiten Liga.

db24: Aber mit 1860 nimmt die Qualität in der Regionalliga Bayern deutlich zu…
Ja, 1860 ist der Zuschauermagnet: Wenn die Löwen kommen, dann ist das Stadion gefühlt 18-mal ausverkauft. Die Schatzmeister der Löwen-Gegner dürfen sich freuen. Für die Regionalliga Bayern ist 1860 ein Segen – aber nicht für die eigenen Fans…
db24: Bei 1860 hat man aber das Gefühl, dass die Euphorie schon wieder Einzug hält…
Wenn ich sehe, wie ein Zwangsabstieg positiv verkauft wird, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Man feiert gefühlt die Insolvenz. Man wollte in die Zweite Liga aufsteigen und findet sich plötzlich in der Vierten wieder. Ich habe eine ganz normale Denke: Ich kenne Hasan Ismaik nicht, aber wenn ich sehe, wie mit diesem Mann 15 Jahre umgegangen worden ist, dann habe ich dazu eine klare Meinung, die nicht allen gefallen wird. Das ist mir bewusst. Aber ich kenne 1860 anders: Zu meiner Zeit haben Werte noch gezählt. Heute spricht man über Werte, aber man lebt sie nicht. Der Respekt gegenüber andersdenkenden Menschen fehlt komplett. Es gibt keine Gesprächskultur.
db24: Wie meinen Sie das?
Nur ein Beispiel: Ich hatte mich vor einiger Zeit beim jetzigen Geschäftsführer gemeldet – ich habe nicht mal eine Antwort bekommen. Das spricht Bände.
db24: Wie denken Ihre ehemaligen Weggefährten über die Entwicklung bei 1860?
Wenn ich mich mit ihnen über 1860 unterhalte, schütteln viele den Kopf. Ich weiß aber natürlich auch, dass es andere Meinungen gibt: Wenn ich mit Fans aus der Szene spreche, dann können die meiner Sichtweise nicht folgen. Das ist für mich in Ordnung, ändern werde ich meine Meinung aber nicht. Ich habe einige Zuschriften bekommen, als ich in Social Media geschrieben hatte: “Ein Trikot ohne den Löwen hat für mich nichts mit Sechzig zu tun.” Für mich sind das keine Löwen, sondern Kätzchen.
db24: Lassen Sie uns über die aktuelle Mannschaft sprechen…
Ich habe die zweite Hälfte gegen Schweinfurt gesehen. Was ich sofort erkannt habe: Die Mannschaft braucht noch Zeit. Es wird noch eine Weile dauern, bis sich die Spieler gefunden haben. Und einige Spieler, ohne jetzt Namen zu nennen, müssen unbedingt an ihrer Spritzigkeit arbeiten. Das Fundament wird immer die Fitness sein, ich bin ein alter Verfechter davon. Was Michael Eberwein macht, gefällt mir. Das hat Hand und Fuß. Er wird ein wichtiger Spieler sein – und Trainer Alper Kayabunar hat in Schweinfurt bewiesen, dass er auch gut wechseln kann. Das Jokertor von Calderon gibt ihm recht.
db24: Klappt es mit dem Aufstieg?
Es wird auf jeden Fall kein Selbstläufer – so einfach wirst du als 1860 nicht Meister in der Regionalliga Bayern. Jeder will dich schlagen. Ja, und dann kommt es noch zur Relegation gegen den Nord-Meister. Aber das Thema hatten wir schon.
