db24 trifft ihn in München: Jetzt spricht Ismaiks Vertrauter
- VON OLIVER GRISS
- 06.08.2026 09:04
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VON OLIVER GRISS
db24 traf Relat, Chief Financial Officer der Soho Group mit einem Umsatz von 100 Millionen Dollar pro Jahr, in dieser Woche im Münchner “Charles Hotel” und sprach mit ihm über:
die neue Euphorie bei 1860: “Das freut mich sehr. Dieser Verein ist einfach ein Selbstläufer. Er hat so eine unglaubliche Kraft - und das in dieser tollen Stadt. Schade ist nur, dass man sich seit Jahrzehnten gegenseitig bekämpft. Dabei geht unglaublich viel Energie verloren. Diese Energie sollte stattdessen in den Fußball investiert werden. Ich wünsche diesem Klub nur das Allerbeste – genauso denkt übrigens auch Hasan Ismaik. Er hat das immer getan. Deswegen finde ich es nicht korrekt, wie man mit ihm in den all den Jahren umgegangen ist. Er hat diesen Hass nicht verdient!”
den Ist-Zustand der KGaA bei seinem Einstieg als Aufsichtsrat im September 2025: “Bereits in meinen ersten Wochen erkannte ich mehrere strukturelle Defizite, die einen Verein mit einer derart einzigartigen Geschichte und einem unvergleichlichen Potenzial daran hinderten, sich weiterzuentwickeln. Mein Eindruck war nach wenigen Wochen: In der KGaA ging es nicht professionell zu, sondern eher wie in einer Familie, die auf vieles fokussiert war – nur nicht auf den Erfolg. Das Motto lautete: Wer nicht mitmacht, ist nicht gern gesehen. Schlüsselpositionen schienen ohne transparente Auswahlverfahren besetzt worden zu sein, während Verantwortungsbewusstsein, professionelle Standards und Leistung gegenüber persönlichen Beziehungen und interner Politik häufig in den Hintergrund traten. Auffällig war auch: Der Sohn des früheren Präsidenten absolvierte ein Pflichtpraktikum in der Geschäftsführung, die Tochter des aktuellen Präsidenten war als Praktikantin beim Vermarkter Infront tätig. Ich habe überhaupt nichts gegen Praktika. Aber es ist schon bemerkenswert, dass ausgerechnet die Kinder von Funktionären diese Möglichkeiten erhalten haben. Insgesamt war die KGaA personell völlig anders aufgestellt als vergleichbare Drittligisten – mit deutlich zu viel Personal. Warum das so war, konnte mir niemand erklären.”

die schweren Vorwürfe in der Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung gegen ihn: “Leider wurde vieles komplett aus dem Zusammenhang gerissen, sodass der Eindruck entstand, ich sei der Teufel für 1860 gewesen. Dabei war genau das Gegenteil der Fall. Ich wollte als Abgesandter von Hasan Ismaik dem gemeinsamen Unternehmen höhere Einnahmen sichern. Es ist richtig, dass ich mit Infront und Joma gesprochen habe – allerdings nicht, um einen Alleingang zu starten, sondern um die Erlöse der KGaA zu steigern. Nehmen wir das Beispiel Infront: Innerhalb von sechs Monaten konnten wir die Sponsoring-Einnahmen um mehr als 700.000 Euro erhöhen. Für die neue Saison hätten wir sogar rund eine Million Euro zusätzlich erzielt. Da stelle ich mir die Frage: Warum hat das nicht der Geschäftsführer gemacht? Das wäre seine Aufgabe gewesen. Oder die Partnerschaft mit Joma: Nachdem ich die Verträge geprüft hatte, konnten wir erreichen, dass Joma für die Saison 2026/27 rund 400.000 Euro mehr bezahlt hätte. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass dieser Klub in deutlichem Gegensatz zu allem steht, was ich bislang in meiner beruflichen Laufbahn erlebt habe. Mein Eindruck war, dass es vielfach nicht darum ging, 1860 effizient aufzustellen und wirtschaftlich stärker zu machen, sondern Hasan Ismaik möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Rückblickend war es deshalb ein Fehler, dass Hasan Ismaik über all die Jahre immer wieder Geld zur Verfügung gestellt hat, ohne im Gegenzug auf professionelle Strukturen zu bestehen. Und zur Behauptung, dass ich Logen in der Westkurve wollte, kann ich nur sagen: Das ist eine große Lüge! Das wäre ja gar nicht in unserer Macht gewesen.”
die Erlösquelle Grünwalder Stadion: “Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit meinem Aufsichtsratskollegen Herbert Bergmaier. Er sagte zu mir: ‘Der e.V. wird dich nicht blockieren – aber erwarte auch nicht, dass er dir hilft.’ Und genau so kam es. Weder der e.V. noch die Stadt München hatten ernsthaftes Interesse daran, die Einnahmeseite durch eine bessere Vermarktung des Stadions zu verbessern. Eine digitale Werbebande hätte uns nach Aussagen von Infront Mehreinnahmen von rund einer Million Euro gebracht.”
die Ausgabe von VIP-Tickets: “Bei mir hat sich der Eindruck verfestigt, dass ein nicht unerheblicher Teil der VIP- und Hospitality-Tickets ohne klar dokumentierte Begründung und ohne transparentes Nachverfolgungssystem vergeben wurde. Ich behaupte ausdrücklich nicht, dass einzelne Vergaben unangemessen gewesen wären. Mein Anliegen war ein grundsätzliches: Für diesen Vermögenswert wurden mir keine ausreichenden Kontrollberichte zur Verfügung gestellt. Zwangsläufig entstehen dann Fragen, die aus meiner Sicht beantwortet werden müssen.”
die vom e.V. verursachten Kosten durch die Bestellung und spätere Abberufung der beiden 50+1-Geschäftsführer Oliver Mueller und Christian Werner: “Beide Geschäftsführer wurden vom Verein im Rahmen der 50+1-Regel durchgesetzt und kurze Zeit später wieder abberufen. Deshalb habe ich mich intensiv mit ihrer Bestellung beschäftigt. Beide machten nach ihrem Ausscheiden Ansprüche in Höhe von insgesamt rund 800.000 Euro geltend. Ich wollte herausfinden, wie 1860 überhaupt auf diese beiden Geschäftsführer gekommen ist. Eine echte Antwort habe ich nie erhalten. Bei Oliver Mueller ist aus meiner Sicht besonders interessant, dass er sich zuvor nach meinen Informationen bei Infront als Marketing Manager beworben hatte und dort eine Absage erhielt. Kurze Zeit später wurde er als kaufmännischer Geschäftsführer des TSV 1860 eingesetzt. Auch einige seiner späteren Entscheidungen haben bei mir Fragen aufgeworfen. Innerhalb von sechs Monaten wurde der bisherige IT-Dienstleister durch ein Unternehmen aus dem beruflichen Umfeld seiner Ehefrau ersetzt. Kurz nach Muellers Amtsantritt wurde außerdem für rund 90.000 Euro eine Studie zur Markenentwicklung des TSV 1860 in Auftrag gegeben. Aus meiner Sicht war deren Mehrwert gleich null – die Ergebnisse hätte heute auch eine KI liefern können. Was ich ebenfalls nicht verstanden habe: Mir wurde von Vereinsseite empfohlen, die Abfindungen ohne weitere Diskussion zu bezahlen, um öffentlichen Schaden vom Klub abzuwenden. Dazu stelle ich eine einfache Frage: Warum sollte man auf eine rechtliche Prüfung verzichten, wenn es sich nicht um selbst erwirtschaftetes Geld handelt, sondern um Kapital, das Hasan Ismaik zur Verfügung gestellt hat?”
den Führungsstil von Präsident Gernot Mang: “Er wollte am Anfang die Zusammenarbeit mit Hasan Ismaik - aber er ist in etwas hineingeraten, dass er nicht mehr steuern konnte. Er ist nicht der radikalste Vertreter der e.V.-Seite - das will ich betonen. Da gibt es ganz andere, die wenn sie Hasan Ismaik hören oder sehen, Schnappatmung bekommen.”
den Zwangsabstieg: “Ich behaupte: Man hätte das verhindern können, wenn man gewollt hätte. Aber man wollte es nicht mit Überzeugung. Wir waren uns mit dem e.V. einig - und dann kam über Nacht ein Vertrag, den kein Geschäftsmann auf dieser Welt unterschrieben hätte. Unbegrenzt Geld - und im Gegenzug keinerlei Entgegenkommen. Dass es zu einer Insolvenz kommt, hätte ich nie erwartet.”
