Auf geht`s, Startup-Löwen!
- VON OLIVER GRISS
- 01.08.2026 06:49
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VON OLIVER GRISS
Gerade deshalb muss man bei aller Kritik aber auch anerkennen, was in den vergangenen Wochen entstanden ist. Innerhalb weniger Wochen hat die neue Spielbetriebs-GmbH eine neue Löwen-Mannschaft aus dem Boden gestampft – obwohl auf dem Trikot nicht einmal mehr der Löwe zu sehen ist. Das verdient Respekt. Denn angesichts der Umstände ist das alles andere als selbstverständlich. Und einen Daniel Bierofka, der nach dem Doppelabstieg 2017 mit seiner Ausstrahlung und seiner Löwen-DNA alle mitgerissen hat, haben die Sechzger diesmal eben nicht.
Die neuen Löwen setzen auf ihren ganz persönlichen Freiheitskampf. Sogar auf dem Trikot ist diese Botschaft verewigt – und der neue Hauptsponsor Dialog trägt sie mit. Jeder sollte für sich selbst entscheiden, ob das klug ist. Meine Meinung dazu ist eindeutig: Politische Botschaften haben auf einem Fußballtrikot nichts zu suchen. Fußball sollte Menschen verbinden und nicht spalten.
Natürlich hatten Mangs Startup-Löwen viele Helfer. Der Bayerische Fußball-Verband hat seinen Teil dazu beigetragen. Insolvenzverwalter Dr. Max Liebig ebenfalls. Er hat der neuen Fußballfirma den Start erleichtert und Infrastruktur sowie Spieler der ungeliebten KGaA zur Verfügung gestellt. Ohne diese Unterstützung wäre vieles deutlich schwieriger geworden.
Doch das eigentliche Kapital dieses Vereins sind seit Jahrzehnten seine Fans. Sie stehen zu den Löwen – egal, ob Bundesliga, Zweite Liga, Dritte Liga oder Regionalliga. Sie halten ihrem Verein die Treue wie eine hundertjährige deutsche Eiche jedem Sturm trotzt. Das ist alles andere als selbstverständlich. Denn der TSV 1860 hat seine Anhänger in den vergangenen Jahrzehnten nur selten mit sportlichen Leckerlis verwöhnt. Trotzdem kommen sie immer wieder. Über 8.000 Dauerkarten sind ein zweites Mal verkauft worden. Genau diese unbändige Treue macht diesen Verein so besonders.
Jetzt aber beginnt der Ernst des Lebens. Ob die Saat aufgeht, entscheidet sich nicht in der Chefetage, sondern auf dem Rasen. Dort wird sich zeigen, ob die Entscheidungen der Kommandobrücke richtig waren.
Präsident Gernot Mang spricht in seiner jüngsten Videobotschaft von einer jungen Löwen-Mannschaft. Er will den Druck rausnehmen, aber ganz so jung ist sie allerdings nicht. Mit Vitus Eicher (35), Felix Weber (31), Kapitän Dennis Dressel (27), Tunay Deniz (32), Michael Eberwein (30) und Florian Niederlechner (35) stehen genügend erfahrene Spieler im Kader, die Verantwortung übernehmen müssen.
Wichtig ist die Trainerbesetzung: Mit U21-Meistercoach Alper Kayabunar haben die Löwen einen Übungsleiter gefunden, der zwar nicht dem klassischen Löwen-Dompteur entspricht – keiner, der laut auftritt oder mit markigen Sprüchen Schlagzeilen produziert. Stattdessen überzeugt der 39-Jährige durch Fleiß, akribische Arbeit und klare Inhalte. Unter Kayabunar wird deutlich intensiver und länger trainiert als zuletzt in der Dritten Liga. Das ist die Grundvoraussetzung für Erfolg. Auch menschlich hinterlässt er einen positiven Eindruck. Kayabunar ist eine smarte Erscheinung im Löwen-Kosmos. Er redet nicht viel, sondern lässt lieber seine Arbeit sprechen. Genau das scheint den Viertliga-Löwen momentan gutzutun.
Ob die nächste Giesinger Euphorie-Stufe gezündet werden kann oder schon die erste Ernüchterung einsetzt, entscheiden jetzt die Herren Fußballer. Die erste Antwort gibt es am heutigen Samstag ab 14.03 Uhr in Schweinfurt. Eines sollten die Spieler von Anfang an verinnerlichen: Der TSV 1860 gehört nicht in die Regionalliga Bayern. Nicht wegen seines Namens, sondern weil dieser Verein den Anspruch haben muss, höherklassig zu spielen. Wenn dieses Selbstverständnis auf und neben dem Platz gelebt wird, dann wird es eine gute Saison.
Oliver Griss (54) schreibt seit 1989 über den TSV 1860, darunter zu Bundesliga- und Europacupzeiten auch für die Münchner Abendzeitung. Seit 2011 betreibt er db24.
