Auf die Fans ist immer Verlass - seit Generationen
- VON OLIVER GRISS
- 30.07.2026 16:39
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VON OLIVER GRISS
Am Ende dieser ersten Bayernliga-Saison belegte der TSV 1860 nur Rang sechs – hinter Unterhaching, den Bayern-Amateuren, Bayreuth, dem MTV Ingolstadt und Wacker München. Geblieben war dennoch das, was diesen Verein bis heute auszeichnet: die Hoffnung auf bessere Zeiten. Viele Jahre wiederholte sich dieses Muster, bis Karsten Wettberg übernahm und die Löwen 1991 zurück in den Profifußball führte. Die Fans sind das größte Kapital dieses Vereins.
Während andere Klubs nach den Eskapaden und Rückschlägen der vergangenen Jahrzehnte vermutlich längst von der Bildfläche verschwunden wären, beweist der TSV 1860 immer wieder das Gegenteil. Seine Anhänger tragen den Verein – selbst dann, wenn er sich das Leben regelmäßig selbst schwer macht. Erst gestern meldeten die Löwen mit 29.000 Mitgliedern einen neuen Rekord. Kurz darauf wurde bekannt, dass bereits 5.000 Dauerkarten verkauft sind. Und am Mittwochnachmittag verwandelten zwischen 500 und 600 Ultras die Grünwalder Straße 114 in eine Giesinger Loveparade.
Ich bin gegen Gewalt. Gegen Pyrotechnik. Gegen despektierliche Botschaften wie „Ganz Giesing hasst die Polizei“. Und ich bin gegen die fortschreitende Verzwergung dieses Traditionsvereins. Dazu gehört auch, dass beide Gesellschafter den Zwangsabstieg in die Regionalliga Bayern letztlich hingenommen haben. Das ist und bleibt inakzeptabel.
Worauf die Löwen jedoch mit Recht stolz sein können, ist die außergewöhnliche Treue und Hingabe ihrer Fans. Auf sie ist seit Generationen Verlass. Dieses Lebensgefühl, dieser Zusammenhalt lässt sich kaum in Worte fassen.
Noch größer könnte diese Leidenschaft allerdings sein, wenn im Umfeld des Vereins auch jene Fans respektiert würden, die den sportlichen Erfolg und den Profifußball in den Mittelpunkt stellen – und weniger die Giesinger Event- oder Spaßkultur.
Solange Loyalität danach bewertet wird, ob jemand ins gewünschte Meinungsbild passt, wird der TSV 1860 sein enormes Potenzial nie ausschöpfen. Ein großer Verein lebt von Vielfalt und DIALOG – nicht von Gleichschaltung.
Oliver Griss (54) schreibt seit 1989 über den TSV 1860, darunter zu Bundesliga-Zeiten auch 12 Jahre für die Münchner Abendzeitung. Seit 2011 betreibt er db24.
