Neue Ismaik-Botschaft: "Immer wenn sich ein Käufer oder eine Lösung abzeichnete, kam der Prozess ins Stocken"
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 29.07.2026 17:48
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Drei Tage vor dem Liga-Start in Schweinfurt (Samstag, 14.03 Uhr, db24-Ticker) hat sich nach einigen Tagen Pause Hasan Ismaik wieder zu Wort gemeldet. Seine Botschaft: Er wird nicht kampflos den Weg freimachen, vor allem auch deswegen, weil er seine Vermögenswerte angegriffen sieht. Ismaik im Wortlaut:
Derzeit hören wir von Gesprächen zwischen Vertretern des e.V., denjenigen, die heute die Entscheidungen maßgeblich prägen, sowie dem vorläufigen Insolvenzverwalter über neue Investoren, Vermögenswerte, Rechte und die Zukunft des TSV 1860 München. Über viele Jahre wurde den Mitgliedern und Fans vermittelt, dass der Investor selbst das eigentliche Hindernis für die Entwicklung des Vereins sei und dass 1860 erst dann eine Zukunft habe, wenn sich der Verein von diesem Investoren-Modell befreie.
Wie groß ist Dein Vertrauen in die aktuelle 1860-Führung?
Heute jedoch – nach der Insolvenz und dem Abstieg in die Regionalliga – wird öffentlich über neue Investoren gesprochen, die sich für Vermögenswerte, Rechte der KGaA oder sogar den Fanshop interessieren. Wenn andere, dritte Investoren heute plötzlich Teil der Lösung sein sollen, stellt sich zwangsläufig die Frage: Warum hatte der Verein meine Bemühungen aus dem Jahr 2024 zum Verkauf meiner Beteiligung nicht unterstützt?
Nach den Wahlen im Jahr 2024 hatte ich ausdrücklich erklärt, dass ich bereit bin, meine Beteiligung im Rahmen einer fairen und ausgewogenen Vereinbarung zu veräußern.
Als Herbert Bergmaier – eine bekannte Persönlichkeit aus dem Umfeld der Ultras und von PRO1860 – bereit war, in dieser Phase als mein Vertreter zu fungieren, habe ich seiner Ernennung zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats zugestimmt. Diese Entscheidung war ein klares Zeichen des guten Willens. Ich wollte den Konflikt nicht fortsetzen.
Ich wollte niemandem meinen Willen aufzwingen. Meine Position war eindeutig. Auch Gernot Mang kannte diesen Weg: Ich hatte mich zum Verkauf entschlossen. Doch was geschah anschließend? Der Verkauf wurde nicht umgesetzt. Es wurde keine tragfähige Lösung präsentiert. Immer dann, wenn sich ein potenzieller Käufer oder eine realistische Lösung abzeichnete, kam der Prozess ins Stocken oder wurde nicht weiterverfolgt.
Stattdessen kehrte die Diskussion immer wieder zu denselben Punkten zurück:
fehlendes Geld, finanzielle Engpässe, und die Erwartung, dass ich erneut zahlen, helfen oder weitere Risiken übernehmen sollte. Diese Situation war jedoch nicht die Folge meiner Entscheidungen.
Sie war das Ergebnis einer finanziellen und administrativen Entwicklung, für die ich nicht verantwortlich war. Deshalb dürfen die Mitglieder heute eine berechtigte Frage stellen: Wenn man sich tatsächlich von mir trennen wollte – warum wurde kein Käufer gefunden, als ich öffentlich erklärt hatte, verkaufen zu wollen? Und warum kehrte man jedes Mal zu mir zurück, sobald der Verein finanzielle Unterstützung benötigte?
Heute, nachdem auf Antrag der KGaA ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt wurde, entsteht teilweise der Eindruck, als könnten meine Rechte, meine Unternehmen, meine Verträge und die damit verbundenen wirtschaftlichen Positionen einfach ausgeblendet werden. Das wird nicht geschehen. Meine Rechte, die Rechte meiner Unternehmen, bestehende Verträge sowie sämtliche damit verbundenen wirtschaftlichen Interessen bestehen unabhängig vom Insolvenzverfahren fort und können nicht durch Gespräche hinter verschlossenen Türen ersetzt oder ignoriert werden.
Jeder ernsthafte Investor, der Interesse an Vermögenswerten oder Rechten hat, die mit meinen Beteiligungen verbunden sind, muss wissen, dass der rechtmäßige Weg über die jeweiligen Rechteinhaber führt. Nicht über deren Umgehung. Jeder Versuch, Vermögenswerte, Rechte oder wirtschaftliche Positionen in einer Weise zu übertragen oder neu zu ordnen, die meine Rechte, die Rechte meiner Unternehmen oder die Rechte anderer Gläubiger beeinträchtigt, wird umfassend rechtlich geprüft und mit allen zur Verfügung stehenden gesetzlichen Mitteln beantwortet werden.
Es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen einer transparenten und rechtsstaatlichen Restrukturierung einerseits und dem Versuch, ein seitens des Vereins bewusst herbeigeführtes Insolvenzverfahren dazu zu nutzen, bestehende Verträge, Rechte oder Gesellschafterpositionen zu umgehen.
Sollten die zuständigen Gerichte oder Behörden feststellen, dass Rechte bewusst umgangen oder berechtigte Interessen verletzt wurden, dann handelt es sich nicht mehr lediglich um eine vereinsinterne Auseinandersetzung, sondern möglicherweise um Sachverhalte mit rechtlicher Relevanz, die entsprechend geprüft und bewertet werden müssen.
Im deutschen Insolvenzrecht geht es maßgeblich um den Schutz der Gläubiger. Jede Entscheidung über Vermögenswerte, Rechte oder wirtschaftliche Interessen der KGaA muss daher nunmehr im Interesse deren Gläubiger mit größter Sorgfalt und unter Beachtung der geltenden gesetzlichen Vorschriften getroffen werden.
Ich habe den TSV 1860 München über viele Jahre mit Geduld und Verantwortung begleitet.
Mein Respekt gegenüber dem Verein und seinen Fans besteht unverändert. Doch guter Wille bedeutet keinen Verzicht auf berechtigte Rechte. Geduld bedeutet keine Schwäche. Und Rechtsstaatlichkeit bedeutet nicht, dass bestehende Rechte ignoriert werden dürfen.
Wenn es einen neuen Investor geben soll, dann begrüße ich jeden ernsthaften und transparenten Prozess. Aber die Öffentlichkeit hat das Recht auf klare Antworten:
Wer ist dieser Investor? Welche Vermögenswerte oder Rechte möchte er erwerben?
Auf welcher rechtlichen Grundlage soll dies erfolgen? Und wem gehören diese Rechte tatsächlich? Das sind keine politischen Fragen. Es sind rechtsstaatliche Fragen.
Über einen Neuanfang mit einem neuen Investor zu sprechen und gleichzeitig den bestehenden Gesellschafter sowie dessen Rechte, Verträge und Unternehmen auszublenden, ist kein Zeichen von Unabhängigkeit. Es ist ein offensichtlicher Widerspruch. Und diesem Widerspruch werde ich ausschließlich mit den Mitteln des Rechts begegnen.
