Carlos Vogel aka "Franz Münchinger": "Das Problem ist nicht der Investor, sondern die Struktur des TSV 1860"
- VON OLIVER GRISS
- 14.07.2026 12:14
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VON OLIVER GRISS
Carlos Vogel lebt den Stenz mit seinem Label „franzmünchinger“ weiter – in seinem MONACO Café im Kaufhaus „Beck am Rathauseck“ ebenso wie auf seinen Social-Media-Kanälen.
Nach dem Zwangsabstieg des TSV 1860 meldete sich der Kanal mit rund 50.000 Instagram-Followern erstmals ausführlich zu Wort: „Das Münchner (Fußball)-Herz blutet. Immer und immer weiter. Und einige wenige zerstören rücksichtslos und vor allem nachhaltig einen der letzten echten Traditionsvereine Deutschlands. Und nein, wir meinen damit nicht explizit den Investor. Ohne ihn würde dieser im Übrigen auch längst nicht mehr existieren. Auch wenn einige wenige das so in dieser faktischen Klarheit einfach nicht wahrhaben wollen. Denn am Ende gibt es nur eine Wahrheit. Das eigentliche Problem in diesem Verein war und ist der Vorstand und bestimmte ‚Strippenzieher‘ im Hintergrund. Sie stehen immer und immer wieder einem echten und vor allem professionellen Neuanfang im Weg.“
Ein Auszug, der nicht nur viel Applaus, sondern auch Kritik auslöste. “Mein Post kam extrem positiv an, nur haben sich natürlich eben auch einige wenige darüber ziemlich aufgeregt und dann vor allem zum Teil weit über die Grenze einer normalen und vor allem sachlichen Diskussionskultur hinweg. Die Kommentare und Likes dazu waren am Ende weit überdurchschnittlich positiv und zahlreich. Gott sei Dank.”
Vogel, der selbst im Eishockey- und Fußballmanagement (u. a. als DEB-Teammanager und Geschäftsführer von RW Ahlen) gearbeitet hat, verfolgt die Entwicklung bei 1860 seit Jahren mit Sorge. „Ich beobachte seit Jahren, was bei Sechzig passiert. Ich habe über die Jahre auch immer wieder festgestellt, dass es eben meist nicht nur der Sponsor, der Mäzen oder in diesem Fall der Investor aus Jordanien war bzw. ist, sondern es meist auch andere Ursachen im Fußball hierfür gibt“, erklärte der Unternehmer gegenüber db24 und ergänzt: „Jeder sollte sich hier auch fragen: Warum ist 1860 damals überhaupt in die Situation gekommen, einen Investor zu brauchen? Und warum geht es hier immer auch ausschließlich um Ismaik? Das ist aus meiner Sicht falsch und am Ende auch viel zu einfach. Man fragt sich zudem: Warum wird medial ebenfalls fast ausschließlich in eine Richtung berichtet und Ismaik meist nur als Feindbild aufgebaut? In der Führungsetage bei 1860 werden seit Jahrzehnten gravierende Fehlentscheidungen getroffen, die sich am Ende vor allem auch immer sportlich auswirkten. Immer. Es ist daher auch überhaupt leider gar kein Zufall mehr, dass 1860 mittlerweile von der ersten in die vierte Liga abgestürzt ist.“
Seine Analyse stützt sich nach eigenen Angaben nicht auf Stammtischparolen, sondern vor allem auch auf Hintergrundwissen und interne Informationen. „Ich habe einige Freunde auch im direkten Umfeld von 1860 und spüre bzw. höre auch immer wieder, dass hier extremer Gegenwind gezielt von einigen wenigen kommt, sobald man hier mal eine andere Meinung vertritt. Nach unserem Post wurden wir daher auch aus eben diesen Ecken explizit bedroht und beleidigt. Dabei waren und sind wir weder pro noch kontra Ismaik. Ich betrachte seit Jahren lediglich das Gesamtbild bei 1860. Persönlich nehmen darf man so etwas aber auch nie. Solche Strömungen und lauten Meinungen kennt man ja auch schon aus der Politik bzw. von Extremisten und Ideologen. Links wie rechts. Deshalb haben wir hier auch längst eine ziemlich dicke Haut und können es daher am Ende auch ganz gut einordnen. Denn die eigentlichen Mehrheiten denken völlig anders. Nicht nur bei 60.“
Trotzdem gehen manche Reaktionen weit über das Ziel hinaus. Ihm sei sogar geschrieben worden, er müsse aufpassen, wenn er nach Hause gehe. „Da fragt man sich am Ende auch schon ab und zu, ob und was man hier bei der Polizei anzeigen soll? Aber in einer gesunden Demokratie sollte man auch immer sagen dürfen, was man denkt. Denn sonst gewinnen am Ende auch nur die Lauten und Dummen.“
Bei der politischen Diskussion sei ihm vor allem eines aufgefallen: „Es gibt zwei extreme und eben leider auch über die linkslastigen Medien forcierte laute Lager. Aber es gibt eben auch noch das eigentlich weiterhin mit Abstand größte in der Mitte. Gott sei Dank.“
Den Löwen wünscht Vogel vor allem eines: einen echten Neuanfang. „Es braucht einen kompletten Neustart in der Führung und bei den Entscheidungsträgern, damit es sportlich wieder vorwärtsgeht. Seit Jahren gibt es zwei oder drei Personen, die namentlich gar nicht so präsent sind, den Verein aber aus dem Hintergrund massiv schädigen und 1860 immer weiter gegen die Wand fahren. Die müssen endlich verschwinden. Das Problem ist am Ende eben auch nicht der Investor. Jeder verfolgt hier auch immer seine Interessen, nicht nur Red Bull, Bayer oder andere Großsponsoren wie Audi oder VW – das ist am Ende des Tages auch völlig normal und legitim. Das eigentliche Problem, wie bei vielen wirtschaftlich angeschlagenen Vereinen, ist die Struktur des TSV 1860. Es reden viel zu viele Leute mit, die von Tuten und Blasen leider überhaupt keine Ahnung haben. Sie mischen überall mit. Für uns beziehungsweise vor allem viele auch aus dem engeren Umfeld ist das eine reine Ego-Nummer. Wenn diese Personen konsequent aussortiert werden, kommen auch endlich wieder lokale Investoren, die 1860 helfen wollen. Auch das ist eigentlich ein offenes Geheimnis an der Grünwalder Straße. Nur möchten das eben einige wenige nicht hören beziehungsweise wahrhaben. Leider.“
Haben Sie Vertrauen in die aktuelle 1860-Führung?
Abschließend betont Vogel: „Mir geht es um 1860 und darum, dass der Verein wieder dorthin kommt, wo er hingehört. Nicht nur wir Münchner wollen endlich wieder das Stadtderby zwischen Bayern und Sechzig sehen. Mir blutet als Münchner das Herz, wenn eine so große Marke Schritt für Schritt über Jahrzehnte und eben auch schon vor dem Investor aus rein egoistischen Gründen in den Boden getreten wird. Und wer das noch immer nicht glauben möchte, dem beantwortet die vierte Liga letztlich alle weiteren Fragen. Leider. Aber wie heißt es auch so schön: Die Hoffnung stirbt bekanntlich immer zuletzt. Oder wie’s unser Monaco so schön gesagt hat: ‚A bisserl was geht immer.‘“






