VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Nix mehr fucking industry, Löwen?

Zumindest überrascht, dass 1860-Präsident Gernot Mang, der zuletzt abwertend über die Entwicklungen in England und die WM in den USA gesprochen hatte, nun ausgerechnet beim Thema Kommerz offen für Investoren-Modelle wirbt. Gegenüber der “AZ” erklärte der 57-Jährige: “Wir sind alles andere als abgeneigt, starke Partner und Unterstützer für unseren Verein zu gewinnen. Im Gegenteil. Der moderne Profifußball braucht wirtschaftlich verlässliche Partner. Das steht außer Frage.”

Verlässlichkeit? Ein Seitenhieb gegen Hasan Ismaik, der den Klub mehr als 15 Jahre über Wasser gehalten hat? Mang: “Was man jedoch hinter sich lassen muss, ist das Investorenmodell der vergangenen 15 Jahre. Es hat nicht den gewünschten Erfolg gebracht.” Weil man seit Jahren auch nicht fair gespielt hat?

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Will 1860 Partner, die Hurra schreien, wenn man beispielsweise 50+1-Entscheidungen wie bei den Geschäftsführern Oliver Mueller und Christian Werner ohne Abstimmung trifft und hinterher Abfindungszahlungen von rund einer Million Euro befürchten muss? Ist das die Zusammenarbeit, die sich Mang von neuen Investoren vorstellt?

Mang will nicht mehr zurückblicken: “Wir müssen auch nicht mehr über das Warum philosophieren. Das ist einfach ein Fakt. Deshalb wollen wir den TSV München von 1860 künftig aus einer Position der Stärke heraus entwickeln und nicht aus einer Position der Abhängigkeit.” So kann man nur sprechen, wenn man die Geschichte der Löwen nicht kennt. 1860 war immer in einer gewissen Abhängigkeit - selbst zu großen Bundesliga-Zeiten.

db24 enthüllte vor Monaten, dass Thomas Hitzlsperger bei 1860 einsteigen wollte - darüber sagt Mang jetzt gegenüber der “AZ”: “Es ist richtig, dass wir mit dem Konsortium um Thomas Hitzlsperger und Markus Rejek in einem offenen, guten und konstruktiven Austausch standen. Es lag ein konkretes Angebot vor, das von der HAM abgelehnt wurde. Der Verkaufsprozess hat sich anschließend immer weiter verzögert und wurde nach dem Auftritt von Hitzlsperger bei Blickpunkt Sport schließlich von der HAM-Seite beendet.” Mang hat Hitzlsperger aber noch nicht aufgegeben: “Der Kontakt zu Hitzlsperger besteht weiterhin. Wir schätzen ihn fachlich und menschlich sehr. Es wäre für den TSV München von 1860 ein Gewinn, ihn für unseren Weg begeistern zu können.”

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Markus Rejek steigt ab 15. Juli in der Handball-Bundesliga ein und steht damit Thomas Hitzlsperger nicht mehr zur Verfügung.

Was Mang vielleicht noch nicht weiß: Die Hitzlsperger-Gruppe besteht in der alten Konstellation nicht mehr, denn: Markus Rejek, einst Partner des Ex-Nationalspielers, hat eine neue Herausforderung gefunden. Der frühere 1860-Geschäftsführer tritt ab dem 15. Juli die Stelle als kaufmännischer Geschäftsführer beim Handball-Erstligsten Hamburg an.

Dass Mang über Hitzlsperger spricht und offenbar nur die halbe Wahrheit sagt, ärgert Ismaik. “Heute wurde behauptet, es habe ein konkretes Angebot gegeben, HAM habe dieses abgelehnt und sich anschließend aus den Verhandlungen zurückgezogen. Wenn das zutrifft, ist der einfachste Weg zur Wahrheit, die vollständigen Fakten offenzulegen: Wie hoch war das Angebot, welche Bedingungen waren daran geknüpft, und wann wurde es unterbreitet? Wie lautete die offizielle Antwort? Wer genau hat die Verhandlungen beendet, und wann?”, schrieb der 48-Jährige auf seinem Insta-Kanal und fordert Mang auf: “Veröffentlichen Sie das Angebot, die Korrespondenz und die chronologische Abfolge — oder legen Sie den Fans zumindest eine dokumentierte und klare Zusammenfassung dessen vor, was geschehen ist. Ich bin meinerseits bereit, auf die Vertraulichkeit in Bezug auf die Verhandlungen und die Korrespondenz zu diesem Angebot zu verzichten, und fordere den Verein sowie Herrn Thomas Hitzlsperger auf, dasselbe zu tun, damit die Fans die vollständigen Fakten sehen und selbst urteilen können.”

Ismaiks Fazit zu Mangs Vorstoß: “Wahrheit entsteht nicht allein durch Erklärungen. Sie entsteht durch Fakten und Dokumente. Die Fans des TSV 1860 verdienen es zu wissen, wie die Verhandlungen verlaufen sind, was angeboten wurde, was abgelehnt wurde und warum. Ich habe kein Interesse an einem Schlagabtausch der Worte. Ich möchte, dass die Fakten für sich sprechen.”