Der Gastkommentar von Markus Gotzi: Sky statt Giesing und Blue Adria
- VON MARKUS GOTZI
- 10.07.2026 11:46
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VON MARKUS GOTZI
Ich hätte es ja wissen müssen. Auf einer Zweit-Beziehung liegt kein Segen. Sicher, das Herz schlägt blau-weiß, und Schalkes Aufstieg in die erste Liga feiere ich auch jetzt noch jeden Tag. Aber dennoch hat der Kehrwert der Farben für Gefühlswallungen gesorgt. Über eine glückliche Fügung und neue Kontakte bin ich in der vergangenen Saison an eine Dauerkarte von 1860 München gekommen, was erhebliche Auswirkungen auf meine Wochenenden hatte: Bier trinken vor der Kneipe Blue Adria und Fußball gucken im Löwenkäfig an der Grünwalder Straße.
Schön war’s, zumal auch noch in Markus Kauczinski ein gebürtiger Gelsenkirchener plötzlich die Mannschaft aufgestellt hat. Das muss doch ein Zeichen sein. Als hätte Schalke die Affäre zu dem Nebenclub abgesegnet. Na gut, sportlich hätte es besser laufen können. Platz acht in der Abschlusstabelle hat die Erwartungen nicht erfüllt. Zwei ehemalige Bundesliga-Profis machen offenbar doch nicht den Unterschied – zumal einer davon fast nur noch auf der Bank saß.
Kaufen Sie sich noch einmal eine 1860-Dauerkarte?
Was ich immer noch nicht kapiert habe, ist die Feindschaft der Fans untereinander. Bei 1860 reicht es offenbar nicht, Löwe zu sein. Du musst dich entscheiden, mit wem du brüllst. Bist du Team Ismaik oder Team e.V.? Tickst du nicht wie ich, kannst du gleich ein rotes Trikot anziehen. Was soll das? Ich will mich zu Hause fühlen im Stadion. Unter Freunden. Und dennoch waren die Heimspiele immer ein tolles Erlebnis. Was natürlich auch an den Gegnern lag: Alemania Aachen, Rot-Weiß Essen, MSV Duisburg – alles wie 1860 München ehemalige Bundesligisten. In dieser Saison kommt noch Fortuna Düsseldorf hinzu.
Dann kam die Sommerpause. Und plötzlich ging es nicht mehr um Fußball, sondern nur noch um Macht, Geld und Schuldfragen. Und die Löwen empfangen in der kommenden Saison Teams aus Vilzing, Illertissen, Eltersdorf und Buchbach. Als Fan ohne Einblick in die Vereins-Strukturen habe ich den Zwangsabstieg in die Regionalliga ehrlich gesagt noch nicht so richtig verstanden. Wieso hat Investor Ismaik die angeblich fälligen 2,7 Millionen Euro für die Drittliga-Lizenz nicht an den DFB überwiesen? Ist er der bad guy in dieser Geschichte? Oder nahmen andere im Club die Tour durch die Provinz gerne in Kauf, Hauptsache der Mann aus Jordanien steht im Abseits?
Tut er das tatsächlich? Im Münchner Merkur etwa prägt Ismaik die Stories über 1860 häufiger als die Spieler. Entweder alleine oder im Gespann mit Rechtsanwalt Peter Gauweiler. Immerhin stellt Ismaik eine Frage, die auch mich beschäftigt: Wo ist das Geld der Dauerkartenzahler? Knapp 700 Euro habe ich überwiesen, noch im Glauben an Begegnungen in der dritten Liga. Nun sieht es so aus, als käme ich nicht einmal zu Spielen gegen TSV Aubstadt, Wacker Burghausen und die SpVgg Ansbach ins Stadion. Stattdessen lese ich, dass ich ein Vorkaufsrecht besitze für eine Dauerkarte in der vierten Liga, die ich aber zusätzlich bezahlen muss, wobei der Preis noch gar nicht fest steht.
Liebe Löwen, für dumm verkaufen lasse ich mich nicht. Dann trage ich das Trikot, das mir Freunde zum Geburtstag geschenkt habe, eben in der Muckibude. Und Fußball findet bei mir wieder vor dem Fernseher statt. Aber eher bei Sky als im Bayerischen Rundfunk. Wer weiß, vielleicht sehen wir uns irgendwann mal wieder an der Grünwalder Straße. Denn auch eine Zweit-Beziehung ist eine emotionale Angelegenheit. Bis dahin, Glück auf.
Markus Gotzi (60) ist Chefredakteur des Fachmediums „Der Fondsbrief“, einem Newsletter für Immobilien und Sachwerte, in dem er vor einigen Jahren auch über die Finanzierung von Fußball-Stadien berichtet hat. Der Diplom-Journalist schreibt außerdem für überregionale Medien wie die FAZ und Fachmagazine wie den Immobilien-Manager. Für seine Arbeit wurde er mit dem Deutschen Journalistenpreis und dem Deutschen Preis für Immobilienjournalismus ausgezeichnet.
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