VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Nein, gute Nachrichten waren das gestern nicht, die die neue Spielbetriebs GmbH des TSV 1860 den Fans verkündete: "Alle, die bei der KGaA eine Dauerkarte für die nun ausfallende Drittliga-Saison 2026/27 bestellt haben, erhalten für die Regionalliga Bayern wieder ein Vorkaufsrecht...Wir haben im Verein großes Verständnis dafür, dass die Käuferinnen und Käufer von Dauerkarten für die nun ausgefallene Drittliga-Saison 2026/2027 sich Klarheit über ihre Ansprüche wünschen. Ob und in welcher Höhe Rückzahlungen zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen können, wird nach der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens durch den Insolvenzverwalter der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA geprüft und bewertet. Wir bitten um Verständnis, dass von Vereinsseite hierzu keine Aussagen getätigt werden können. Weder das Präsidium noch das Vereinsmanagement des TSV München von 1860 e. V. haben darauf einen Einfluss."

Heißt im Klartext: Das bereits überwiesene Geld ist mehr oder weniger weg, sollte die KGaA zerschmettert werden. Was den Großteil der Fans besonders sauer macht: Man hätte den Total-Crash verhindern können und damit auch den Verlust der bezahlten Dauerkarten, wenn man vernünftig zum Wohle des Profifußballs miteinander umgegangen wäre - und so sind letztlich beide Geselllschafter für den Zusammenbruch verantwortlich.

Zur Kartenproblematik meldet sich jetzt überraschend Investor Hasan Ismaik auf seinen Social Media-Kanälen. Er schreibt: “Ich habe die Berichte gelesen, wonach Dauerkarten wieder in den Verkauf gehen. Und ich möchte eine Frage stellen, auf die meiner Meinung nach Tausende von Fans eine klare Antwort verdienen:
Was ist mit denjenigen, die ihre Dauerkarten bereits bezahlt haben? Diese Fans haben ihr Geld im guten Glauben gezahlt.
Unter ihnen sind Arbeiter, Angestellte, Familien und junge Menschen, die von ihrem begrenzten Einkommen gespart haben, nur um an der Seite ihres Klubs zu stehen. Ist es fair, von ihnen zu verlangen, neue Tickets zu kaufen, bevor sie überhaupt wissen, was mit den Rechten geschieht, für die sie bereits bezahlt haben?
Jeder Fan hat das Recht zu wissen: Welchen rechtlichen Status haben die Tickets, die er gekauft hat? Wie werden seine Rechte geschützt? Wird er entschädigt? Gibt es ein klares rechtliches Verfahren, um die Situation derjenigen zu klären, die bereits bezahlt haben?”

Ismaik weiter: “Wichtig ist auch, dass jeder versteht: Das Insolvenzverfahren der KGaA läuft weiterhin, und ihre Rechte und Pflichten verschwinden nicht einfach dadurch, dass die Gründung einer neuen Einheit angekündigt wird. Deshalb ist es nur natürlich, dass jeder Fan nach der rechtlichen Stellung seiner Rechte fragt, bevor er sich zu neuen Zahlungen verpflichtet.”

Laut Ismaik gehe es um die rechtlichen und moralischen Rechte jedes einzelnen Fans. “Die Rechte eines Fans sind nicht weniger wichtig als die Rechte eines Gesellschafters oder eines Gläubigers”, schreibt der 48-Jährige: “Deshalb rufe ich alle Fans dazu auf, keine neuen Zahlungen übereilt zu leisten, bevor sie eine klare und schriftliche rechtliche sowie finanzielle Klärung ihrer Rechte erhalten haben. Fragt nach. Verlangt Transparenz. Verlangt vollständige Aufklärung. Und verlangt Garantien, die euer Geld schützen. Vertrauen entsteht nicht durch Parolen. Vertrauen entsteht durch Klarheit. Durch Rechenschaft. Und durch Respekt vor jedem Euro, den ein Fan für seinen Klub bezahlt hat. Ich rufe auch die Vereinsführung dazu auf, dieses Thema ganz oben auf ihre Prioritätenliste zu setzen, denn der Schutz der Rechte der Fans muss die Grundlage jedes Neuanfangs sein.”

Es sind erstaunliche Worte eines Mannes, der von einem Teil der Fanszene seit vielen Jahren bekämpft wird. Ismaik: “Wenn die neue Gesellschaft tatsächlich besteht und ihre Führung rechtmäßig und transparent handelt, dann sollte sie den Fans klar die Wahrheit sagen: Das Geld, das sie für ihre Dauerkarten bezahlt haben, befindet sich bei der KGaA, und die Gründung einer neuen Einheit hebt ihre Rechte nicht auf und macht sie nicht zu neuen Käufern. Deshalb müssen die bereits bezahlten Dauerkarten respektiert werden, und ihre Inhaber sollten die Spiele besuchen dürfen, ohne aufgefordert zu werden, für dieselbe Karte ein zweites Mal zu bezahlen…Dieser Klub verdient es, auf Vertrauen aufgebaut zu werden, nicht auf Ungewissheit…Denn ein Fan ist nicht nur eine Finanzierungsquelle.”