Mit regionalem Geld: Warum bekam die Tanner-Gruppe nicht den Zuschlag?
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 08.07.2026 09:27
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Ernst Tanner (hier mit Ralf Rangnick) bei Red Bull Salzburg.
VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Die Unterstützer sind durchaus prominent. Ex-Löwe Stefan Aigner spendete 500 Euro, Pro1860 beteiligt sich mit 1.860 Euro, Giesinger-Bräu-Chef Steffen Marx gab 500 Euro, die Initiative “Löwenfans gegen Rechts” 600 Euro – und viele weitere Fans unterstützen die Aktion, um ihren Beitrag zum vermeintlichen Neustart zu leisten.
All das wäre möglicherweise gar nicht nötig gewesen. Denn nach db24-Informationen stand wenige Wochen vor dem Zwangsabstieg eine regionale Investorengruppe um den früheren Jugendchef Ernst Tanner (unter anderem Hoffenheim und RB Salzburg) und zahlreichen Experten bereit, um beim TSV 1860 einzusteigen. Dem Vernehmen nach hatten sich die Geldgeber und Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik bereits auf einen Kaufpreis von rund 20 Millionen Euro verständigt.
Der große Vorteil dieses Konsortiums: Münchner Stallgeruch, sportliche und wirtschaftliche Kompetenz – und vor allem die finanziellen Möglichkeiten, den Verein nachhaltig zu restrukturieren. Den Sportbereich hätte Tanner abgedeckt. Wer ihn nicht mehr kennt: Unter der Regie von Ex-Präsident Karl-Heinz Wildmoser entwickelte Tanner das NLZ Anfang der 2000er Jahre zum besten Nachwuchsstall in Deutschland. Tanner lebt zeitweise im Berchtesgadener Land. In der Szene heißt es, dass mit Tanner auch Gold-Auge Wolfgang Schellenberg zum TSV zurückgekehrt wäre. Das Netzwerk dieser Gruppe ist gewaltig.
Gernot Mang ist mit seinen Präsidiumskollegen jetzt ein Jahr bei 1860 im Amt: Welche Note geben Sie dem Quartett?
Warum kam der Deal trotzdem nicht zustande? Nach db24-Informationen hatte Hasan Ismaik seine Zustimmung zum Verkauf gegeben. Von seiner Seite gab es keinen emotionalen Rückzieher. Woran scheiterte also die Übernahme?
db24 fragte das Präsidium um Gernot Mang schriftlich, ob es tatsächlich eine Einigung zwischen beiden Gesellschafterseiten gegeben hatte – und falls ja, weshalb der Verkauf letztlich scheiterte. Eine Antwort blieb bis heute aus. Liegt der Grund womöglich darin, dass man bei 1860 grundsätzlich keine Investoren mehr möchte und stattdessen glaubt, einen professionellen Spielbetrieb unter anderem über Fan-Spenden finanzieren zu können?
Dabei gerät ein wesentlicher Punkt häufig in den Hintergrund: In den vergangenen neun Jahren ist es weder dem e.V. noch Hasan Ismaik gelungen, innerhalb der gemeinsamen Gesellschaft einen erfolgreichen Weg zu finden. Warum sollte nun plötzlich alles besser werden?
Fest steht: Es gibt weiterhin finanzstarke Investoren mit ausgewiesener Sportkompetenz, die bereit wären, beim TSV 1860 einzusteigen, die KGaA zu stabilisieren und damit auch zahlreiche Arbeitsplätze zu sichern. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wird dieser Weg überhaupt zugelassen?
Der Insolvenzverwalter Dr. Max Liebig wird ein solches Interesse prüfen müssen. Denn seine Aufgabe ist es, die wirtschaftlich beste Lösung für die Gläubiger zu finden – unabhängig davon, welche Vorstellungen einzelne Vereinsvertreter verfolgen.






