VON OLIVER GRISS

Samstagmittag am Rande des Viktualienmarkts in München, im In-Hotel „Blauer Bock“: Es ist ein Treffen, das Erinnerungen an die größte Zeit des TSV 1860 wachruft. Nachdem sich schnell herumgesprochen hatte, dass Löwen-Idol Petar Radenković erstmals seit drei Jahren wieder in München ist, ließen sich auch Fredi Heiß und Bernd Patzke nicht lange bitten. Aus einem kurzen Wiedersehen wurde am Ende ein dreistündiges Treffen – immer wieder unterbrochen von Fans, die mit der 91-jährigen Münchner Fußball-Legende ein Selfie machen wollten. „Eine tolle Geschichte, dass wir uns noch mal getroffen haben“, sagte Patzke. Heiß ergänzte: „Radi war ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft. Ihn noch einmal zu sehen, war wunderbar.“

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Radenkovic zeigte sich gut gelaunt und gesprächig – solange es nicht um den TSV 1860 ging. Als er seinen Stuhl zurechtrückte, sagte er gleich zu Beginn: „Bitte, tut mir einen Gefallen, lasst uns nicht über die Löwen sprechen! Es ist eine Tragödie, über die ich nicht meine Zeit verlieren will. Das ist alles hausgemacht. Man will es nicht anders, das sollte man dann akzeptieren.“

Die Torwart-Ikone blickte stattdessen zurück: „Man ist schon 1970 ohne Not aus der Bundesliga abgestiegen, nachdem vorher eine halbe Mannschaft verschenkt wurde – ein völlig unnötiger Abstieg. Und 1981, als ich als Präsident kandidiert habe, hat ein gewisser Erich Riedl mit den Stimmen der Jungen Union mich verhindert. Mehr muss man zu diesem Verein nicht mehr sagen.“

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Radenkovic wirkt müde geworden. Über seinen Herzensverein liest der Serbe nach eigenen Worten schon lange nichts mehr. Das sagt ausgerechnet der Mann, der bis heute das größte Werbegesicht des TSV 1860 ist – obwohl seine goldene Zeit inzwischen rund 60 Jahre zurückliegt: Deutscher Pokalsieger 1964, Europapokal-Finalist 1965 gegen West Ham United, Deutscher Meister 1966 und Deutscher Vizemeister 1967. Als die Löwen ihn zuletzt kontaktierten, ob er zur 60-jährigen Jubiläumsfeier komme, sagte Radenkovic ab.

„Wenn der Franz Beckenbauer damals zu uns gekommen wäre, was ja im Raum stand, dann wären wir über Jahre nicht zu schlagen gewesen“, meinte Heiß. Beim Namen Franz Beckenbauer wurde auch Radenkovic emotional: „Der Umgang mit Franz war eine Schande für ganz Deutschland. Er hat die WM nach Deutschland geholt, diesem Turnier ein Gesicht gegeben. Hinterher wurde Franz zerstört. Er ist krank geworden und wurde fallengelassen – und alle haben mitgespielt.“

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Am Sonntag reist Radenkovic zurück in seine Heimat nach Belgrad. Ob er noch einmal an die Stätte seiner größten Erfolge zurückkehrt, weiß er selbst nicht. „Ich weiß es nicht“, sagte er gegenüber db24. „Das Fliegen war schon mal einfacher.“