Legenden-Treffen mit Radi: "Lasst uns bitte nicht über die Löwen sprechen!"
- VON OLIVER GRISS
- 04.07.2026 18:44
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VON OLIVER GRISS

Radenkovic zeigte sich gut gelaunt und gesprächig – solange es nicht um den TSV 1860 ging. Als er seinen Stuhl zurechtrückte, sagte er gleich zu Beginn: „Bitte, tut mir einen Gefallen, lasst uns nicht über die Löwen sprechen! Es ist eine Tragödie, über die ich nicht meine Zeit verlieren will. Das ist alles hausgemacht. Man will es nicht anders, das sollte man dann akzeptieren.“
Die Torwart-Ikone blickte stattdessen zurück: „Man ist schon 1970 ohne Not aus der Bundesliga abgestiegen, nachdem vorher eine halbe Mannschaft verschenkt wurde – ein völlig unnötiger Abstieg. Und 1981, als ich als Präsident kandidiert habe, hat ein gewisser Erich Riedl mit den Stimmen der Jungen Union mich verhindert. Mehr muss man zu diesem Verein nicht mehr sagen.“

Radenkovic wirkt müde geworden. Über seinen Herzensverein liest der Serbe nach eigenen Worten schon lange nichts mehr. Das sagt ausgerechnet der Mann, der bis heute das größte Werbegesicht des TSV 1860 ist – obwohl seine goldene Zeit inzwischen rund 60 Jahre zurückliegt: Deutscher Pokalsieger 1964, Europapokal-Finalist 1965 gegen West Ham United, Deutscher Meister 1966 und Deutscher Vizemeister 1967. Als die Löwen ihn zuletzt kontaktierten, ob er zur 60-jährigen Jubiläumsfeier komme, sagte Radenkovic ab.
„Wenn der Franz Beckenbauer damals zu uns gekommen wäre, was ja im Raum stand, dann wären wir über Jahre nicht zu schlagen gewesen“, meinte Heiß. Beim Namen Franz Beckenbauer wurde auch Radenkovic emotional: „Der Umgang mit Franz war eine Schande für ganz Deutschland. Er hat die WM nach Deutschland geholt, diesem Turnier ein Gesicht gegeben. Hinterher wurde Franz zerstört. Er ist krank geworden und wurde fallengelassen – und alle haben mitgespielt.“

Am Sonntag reist Radenkovic zurück in seine Heimat nach Belgrad. Ob er noch einmal an die Stätte seiner größten Erfolge zurückkehrt, weiß er selbst nicht. „Ich weiß es nicht“, sagte er gegenüber db24. „Das Fliegen war schon mal einfacher.“






