Das db24-Interview mit Ex-Präsident Cassalette: "Mitgliedschaft gekündigt - ich kann mich mit diesem Verein nicht mehr identifizieren"
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 02.07.2026 07:21
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Peter Cassalette hat seine Mitgliedschaft bei 1860. gekündigt - nach fast 50 Jahren.
VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
db24: Servus, Herr Cassalette: Sie können sich vorstellen, warum wir bei Ihnen anrufen…
PETER CASSALETTE: Na, klar! Es geht um unsere Löwen. Ich kann es ehrlich nicht mehr ertragen, denn es reißen in diesen Tagen wieder alte Wunden auf. Ich kann mich noch zu gut daran eirnnern, was sich nach dem verlorenen Relegationsspiel 2017 gegen Jahn Regensburg zugetragen hat: Wir saßen nach dem Schlusspfiff im kleinen Kreis in einer Kanzlei zusammen - und dann sagte zu mir Verwaltungsrat Robert von Bennigsen: ‘Peter, du kannst bleiben! Aber ab sofort ohne Hasan! Wir haben einen Plan! Wir brauchen Hasan nicht mehr!’ An dieser Einstellung hat sich bis heute nichts geändert…
db24: Gab es schon damals Insolvenzpläne?
Das kann ich nicht beurteilen. Aber diese Menschen haben über all die Jahre alles dafür getan, dass man Hasan mürbe macht und ihn von 1860 wegtreibt. Die Nadelstiche, die Beleidigungen in der Kurve, der Umgang mit seinen Markenrechten - das ist alles untereste Schublade. Ich kann mich bei Hasan für dieses Verhalten nur entschuldigen.
db24: Sie sind damals zurückgetreten, was Ihnen ausgelegt wurde, dass Sie sich durch die Hintertür aus dem Staub machen…
Auch das ist das typische Giesinger Narrativ. Ich konnte nicht mehr weitermachen. Ich bin zum einen als Präsident gescheitert, zum anderen sagt mir keiner, wie ich mich gegenüber einem Partner zu benehmen habe. Und Hasan war immer ein Freund von 1860. Er ist kein schlechter Mensch. Gut, ich bin gescheitert. Aber ich habe als einziger aus Präsidium unnd Verwaltungsrat Verantwortung für das sportliche Scheitern übernommen, obwohl alle Entscheidungen immer mehrheitlich getroffen wurden! Das nenne ich Verantwortung und nicht Flucht. Ich habe dieses Amt nie gebraucht, um mich selbst zu verwirklichen, sondern 1860 zu dienen.
db24: Die Stufe der Eskalation ist dieses Mal noch höher als 2017…*
Ja - und alle spielen mit. Auch die Medien. Vor kurzem habe ich einen Bericht bei Business Punk gelesen: Es war zu lesen, dass ich eine eidesstattliche Versicherung unterschrieben hätte und dass Saki Stimoniaris beim Abstieg 2017 Aufsichtsratsvorsitzender war - das ist schlicht falsch!…Es ist immer dasselbe Szenario, immer ist nur Hasan schuld. Dann frage ich mich: Wofür hat 1860 die 50+1-Regel? Sie wird bei 1860 missbraucht. Schauen Sie nur die beiden Geschäftsführer-Entscheidungen an: Erst wirft man mit Marc Pfeifer einen sehr guten Kaufmann und Repräsentanten raus - und drückt dann mit Oliver Mueller und Christian Werner zwei Geschäftsführer gegen den Willen von Ismaik durch. Der finanzielle Schaden liegt in Millionen-Höhe. Das wird gar nicht thematisiert. Ist das eine Partnerschaft? Ich vermute Kalkül dahinter…
db24: Sie wirken fassungslos…
Ja, das bin ich auch. Gernot Mang, der Präsident, war beispielsweise in der schwersten Vereinskrise seit Gründung von 1860, im Urlaub. Wenn bei meinem Klub die Existenz gefährdet ist, dann habe ich als Präsident da zu sein und unternehme alles, um die Mannschaft in der Dritten Liga zu halten. Er hätte nie und nimmer wegfliegen dürfen. Das sagt aber auch viel aus. Das ist für mich ein Wahnsinn. Ich frage mich: Was denkt sich der Mann? Für mich ist Mang ein großer Schaumschläger. Er bläst sich auf und hat aber noch gar nichts vorzuweisen - und dann dieses Luftschloß Grünwalder Stadion mit 27.000 Plätzen. Wer zahlt das eigentlich? Bei 1860 ist so viel kaputt gegangen in den letzten neun Jahren…
db24: Sie lassen das immer noch an sich ran…
In mir ist viel kaputt gegangen: Ich habe jetzt meine Mitgliedschaft gekündigt. Ich kann das nicht mehr ertragen. Mein Kündigungsschreiben lautete so: ‘Jahrelang habe ich das unsägliche Treiben bzw. Versagen der verantwortlichen Organe im Verein zähneknirschend und getreu dem Motto - einmal Löwe, immer Löwe - ertragen. Nun nach fast 50 Jahren Mitgliedschaft ist die Schmerzgrenze leider deutlich überschritten und ich kann mich mit diesem Verein nicht mehr identifizieren! Ich wünsche dem TSV 1860 und seinen Mitarbeitern trotzdem alles Gute für die Zukunft!’ Auf eine Bestätigung meiner Kündigung warte ich noch…
db24: Welchen Vorwurf machen Sie Hasan Ismaik?
Ich habe Hasan nie verstanden, warum er sich das alles gefallen lässt und solange durchhält bei 1860. Er hat Geld gegeben und Hass bekommen. Ich schäme mich als Sechzger, dass man mit Menschen so umgeht. Das ist nicht mehr unser Verein, so wie wir ihn alle lieben gelernt haben. Was mich bei Hasan auch überrascht hat: Ich konnte mir nie erklären, warum er Herbert Bergmaier in den Aufsichtsrat geholt hat. Ob das gut für ihn war, das muss er selbst für sich entscheiden
db24: Haben Sie nicht irgendwie noch eine kleine Hoffnung für 1860?
Es gibt nur eine: Es müssen alle zum Wohl des TSV 1860 zurücktreten. Es braucht einen Neuanfang! Dieser 2017 eingeschlagene Kurs ist ungesund, die Fans pöbeln sich an - das ist das Ergebnis. Es braucht eine Politik für 1860 und den Profifußball, nicht für eigene Interessen. Und: Es braucht dringend eine hybride Mitgliederversammlung. Wenn sich alle ihren Pöstchen so sicher sind, warum lassen sich eine digitale Versammlung nicht zu?






