Ungewisse Tage bei 1860: "Ich war schon froh, als ich jetzt den Namen Max Liebig gehört habe"
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 28.06.2026 09:06
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Das Spiel ist seit Wochen ausverkauft. Seit Freitag errichten die Kayer zusätzliche Tribünen und ein großes Bierzelt. Die Investitionen sind beträchtlich, um den erwarteten Zuschaueransturm bewältigen zu können. Dem Bezirksliga-Aufsteiger SV Moorenweis, der die Löwen zwei Tage später empfängt, geht es ähnlich.
Nach dem Insolvenzantrag: Teilen Sie den e.V.-Kurs von Präsident Mang?
Doch seit der vergangenen Woche befindet sich die Profi-Gesellschaft des TSV 1860 im Insolvenzverfahren. Ob die KGaA gerettet oder am Ende zerschlagen wird, ist derzeit völlig offen. Die Verantwortung trägt Insolvenzverwalter Dr. Max Liebig. “Ich möchte aktuell wenig Aussagen tätigen, weil die ganze Sache unglaublich komplex ist”, erklärte Torwarttrainer und Keeper René Vollath gegenüber der “Süddeutschen Zeitung”. Der ehemalige Unterhachinger kennt solche Situationen: Sowohl beim KFC Uerdingen als auch bei Türkgücü erlebte er bereits Insolvenzen. “Ich war schon froh, als ich jetzt den Namen Max Liebig gehört habe. Er hat sich damals bei Türkgücü sehr schnell um die Interessen der Spieler gekümmert, er hat uns in einer harten Zeit ein bisschen Hoffnung und Halt gegeben.”
Der 1. Juli könnte nun ein entscheidender Stichtag an der Grünwalder Straße 114 werden. Mit Beginn des neuen Geschäftsjahres endet der Vertrag mit Hauptsponsor “Die Bayerische”, zudem ist die Kaderplanung weiterhin ungeklärt. Kehren Talente wie Xaver Kiefersauer oder Damjan Dordan doch noch zurück oder warten sie zunächst die Entscheidungen des Insolvenzverwalters ab?
Zwar erhalten Spieler und Mitarbeiter grundsätzlich bis zu drei Monate Insolvenzgeld, doch in der schwersten Krise der Vereinsgeschichte geht es vielen längst nicht mehr ums Geld, sondern um eine sportliche und berufliche Perspektive. Auch Trainer Alper Kayabunar hat seinen Vertrag offiziell noch nicht verlängert.
Liebig hält die Zukunft der Fußballfirma in seinen Händen. Sein Auftrag lautet, die seit 2001 bestehende KGaA zu sanieren und möglichst zu erhalten. Die Pläne des Muttervereins, parallel eine neue Spielbetriebsgesellschaft aufzubauen, dürften dabei zunächst eine untergeordnete Rolle spielen.
Heute bestreitet der TSV 1860 um 17 Uhr beim Bayernligisten Schwaig das nächste Vorbereitungsspiel. Die Einnahmen werden geteilt, der sportliche Aussagewert ist dagegen überschaubar. Denn kaum jemand rechnet damit, dass die Mannschaft in ihrer jetzigen Zusammensetzung auch in die Saison starten wird. Dabei drängt die Zeit, wenn Präsident Gernot Mang sein Versprechen einer “schlagkräftigen Mannschaft” einlösen will. Von der Aufbruchsstimmung des Regionalliga-Neuanfangs 2018 unter Daniel Bierofka ist derzeit wenig zu spüren. Dafür fehlen bislang ein stabiles Gerüst, Planungssicherheit – und personelle Ressourcen im Klub.
Dass die Insolvenz bereits konkrete Folgen hat, zeigt sich auch andernorts: Der SV Gelting muss auf das für den 4. Juli geplante Gastspiel der Löwen-Traditionsmannschaft verzichten. Der Verein teilte mit: “Aufgrund der aktuellen Insolvenz aufseiten der Löwen wurde das Spiel von den Sechzgern abgesagt. Wir bedauern das natürlich sehr, da wir uns alle auf ein echtes Fußballfest gefreut haben.”






