Ex-Vize Helfer kritisiert 1860-Bosse scharf: "Wir fahren den Verein gegen die Wand!"
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 27.06.2026 09:10
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Das Bild, das der TSV 1860 derzeit abgibt, ist erschütternd. Ja, die Hilfsbereitschaft der Fans ist beeindruckend. Doch offenbar ist noch längst nicht allen bewusst, welche Folgen auf den deutschen Meister von 1966 zukommen könnten, wenn die KGaA nicht mehr gerettet werden kann. Von einem “Befreiungsschlag”, wie ihn manche Verantwortliche beschwören, ist der Verein jedenfalls weit entfernt.
Zu den schärfsten Kritikern der aktuellen Führung gehört Ex-Vizepräsident Peter Helfer, der von 2013 bis 2015 im Amt war. Im Gespräch mit dem Format “amateursportler.hautnah” nimmt der Gastronom, der zuletzt selbst zwei Insolvenzen aus eigener Kraft gemeistert hat, vor allem den Verwaltungsrat und das Präsidium ins Visier: “Das liegt schon viel auch an Sechzig. Das besteht aus dem Verwaltungsrat, der mittlerweile die größte Macht hat, und natürlich auch am Präsidium. Und der Verwaltungsrat schlägt bestimmt keinen Präsidenten vor, der ihm ans Bein pinkelt.”
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Auf die Frage nach der Kompetenz des Kontrollgremiums findet Helfer deutliche Worte: “Ich denke: null! Früher hatten wir Größen aus der Politik, Bürgermeister oder Leute aus der Industrie. Heute ist da weit und breit nichts mehr. Da sitzen ein paar Ultras und ein Rechtsanwalt. Das bringt uns alle nicht weiter. Wir brauchen Menschen, die den Verein voranbringen. Genau deshalb stecken wir in diesem Dilemma. Solange sich daran nichts ändert, wird Sechzig in diesen Ligen herumdümpeln. Der TSV 1860 gehört in die Zweite Liga.”
Ein Argument für Helfer ist auch der mögliche Umbau des Grünwalder Stadions. “Vielleicht wenn wir Olympia kriegen… Das sind doch die besten Voraussetzungen. Und was machen wir? Wir fahren den Verein gegen die Wand! Das ist so bitter! Und jeder schaut bloß zu. Jetzt wird wieder gesammelt: Wofür? Wofür soll ich denn sammeln? Ich kann gar nicht so viel sammeln, wie Sechzig Geld braucht. Sechzig verbrennt Geld. Wir müssen doch mal anfangen: Müssen wir vielleicht mal das Personal reduzieren? Wir haben Personal wie ein Zweitligist. Da muss man den Hebel ansetzen.”
Auch über Hasan Ismaik hat Helfer gesprochen. “Die Fans sehen: Der Hasan gibt uns die 2,7 Millionen Euro nicht - also ist Hasan der Schuldige. Aber der Hasan hat keine Geschäftsführer eingestellt, hat keine Spieler geholt, sondern nur das Geld gegeben. Man muss schon hinterfragen, wer das gemacht hat und wer der Schuldige ist.” Helfer zielt mit seinen Aussagen vermutlich auf die letzten neun Jahre ab, in der der TSV 1860 auf der Stelle getreten ist. Zweimal mit Michael Köllner Platz 4 - das war’s.
Helfer hat in seiner Funktionärszeit Ismaik kennengelernt: “Der Hasan ist von seiner Art her nicht einfach. Aber er hat 80 Millionen in den Verein gesteckt. Das muss erstmal einer machen. Klar hat der auch Fehler gemacht, darüber brauchen wir überhaupt nicht zu diskutieren. Aber sind wir doch mal ehrlich: Er muss sich jedes Spiel beleidigen lassen. Jedes Spiel ist seine Fahne da und Hassgesänge. Ich begreife sowas nicht. Wie passt das zusammen? Sie hassen Hasan, aber das Geld brauchen sie schon.” Ganz wichtig: Auf der anderen Seite spricht Vize-Präsident Peter Schaefer von Hass im Internet, auf der anderen Seite sieht der Rechtsanwalt die Verantwortung in der Kurve offenbar nicht. Zählt dann wieder die Meinungsfreiheit?
Helfers Vorwurf: “Warum regen sich die Fans jetzt auf, warum er die 2,7 Millionen Euro nicht bezahlt? Wenn sie ihn nicht haben wollen, dann brauchen sie sich auch nicht aufregen.” Aus seiner Sicht hätte 1860 vorsorgen müssen: “Man hätte Plan B in der Schublade haben müssen. Dass, wenn so ein Fall auftritt, es auch weitergehen kann. So wie das momentan aussieht, ist das fast schon gewollt. Das muss ich ehrlich sagen: Da muss ich das Präsidium und den Verwaltungsrat angreifen. Das ist nicht ehrlich.”
Dass die beiden Gesellschafter ohne Lösung auseinandergegangen sind, ist für Helfer unverzeihlich: “Wenn sie nicht so weit auseinander waren bei der Einigung… Und auf einmal heißt es: Wir haben uns nicht geeinigt - und jetzt geht’s dann in die vierte oder vielleicht sogar auch in die fünfte Liga. Das ist schon tragisch. Freilich, es war nicht in Ordnung, dass er 14 Tage vorher die Kredite kündigt. Aber er wollte halt nur wissen, was mit seinem Geld passiert. Er muss immer Millionen bereitstellen - und er weiß nicht, was überhaupt los ist, wofür das Geld investiert wird. Wir bewegen uns keinen Schritt vorwärts, eher rückwärts.”
Deutlich wird Helfer auch gegenüber Präsident Mang: “Als ich seinen Spruch gelesen habe, dass er nicht wusste, was 1860 für eine Wucht hat, musste ich ganz ehrlich sagen: Hat der geschlafen - oder wo war der vorher? Sechzig hat 27.000 Mitglieder, die Fanbase - noch dazu mit vier, fünf großen Tageszeitungen. Hat der die letzten 20, 30 Jahre verschlafen? Das zeigt halt auch: Sechzger-Fan wirst du nicht, wenn du einen Sechzger Schal trägt. Den Löwen muss man schon im Herzen haben. Man muss von kleinauf infiziert sein. Das ist schon enttäuschend… Die waren die letzten Jahre ein paar Mal im Stadion - und führen so einen Verein…”
Ein No-Go ist für Helfer auch, dass Mang in der Zeit rund um den schwarzen Dienstag offenbar in Belek war. “Und wenn ein Präsident in so einer Situation in Urlaub geht… Um Gottes Willen: Urlaub ist auch wichtig. Aber da wäre nicht dran zu denken, wenn 1860 heute so dasteht und es um Leben und Tod geht.” Seine Sichtweise in diesem Fall ist eindeutig: “Dann kümmere ich mich 24 Stunden um Sechzig, dass ich schaue, dass mein Verein in der Dritten Liga bleibt. Er ist ja dann zurückgeflogen, aber das kommt außen auch nicht gut an…”
Sein Fazit über Mang: “Er macht nicht so eine gute Figur. Und auch bei der Meisterfeier. Wenn ich da Witze mache über den FC Bayern… Ich glaube, wir haben nicht die Stellung, dass wir uns über die Bayern lustig machen, sondern wir müssen schon selbst auf uns schauen.”






